Nationalpark Hohe Tauern gedenkt dem großen Visionär Albert Wirth
Vor 100 Jahren wurde die gesamte Pasterze und ihre Randerhebungen an den Alpenverein verkauft. Den Kaufpreis stiftete der Villacher Holzindustrielle Albert Wirth.
Die Schwestern Aicher v. Aichenegg verkauften im Jahr 1918 dem Alpenverein die Pasterze, den längsten Gletscher der Ostalpen, und ihre Randerhebungen mit dem Großglockner dem Alpenverein. Den Kaufpreis dafür stiftete der Holzindustrielle Albert Wirth und legte damit den Grundstein für die Errichtung des ersten Nationalparks in Österreich. Wirth hatte den Wert der einzigartigen Hochgebirgslandschaft erkannt und wollte sie für künftige Generationen bewahren. Im Alpenverein sah er dabei einen wichtigen Verbündeten. Der Holzindustrielle, der einfaches Mitglied der AV-Sektion Villach war, vermittelte den Verkauf des insgesamt 4.072 Hektar großen Areals an den damaligen Deutschen und Österreichischen Alpenverein.
„Als Bergsteigerverein existierte der Alpenverein seit ungefähr 50 Jahren, als er 1918 erstmals Verantwortung für ein Gebiet übertragen bekam, das später Teil des größten Nationalparks in den Alpen werden sollte. Mit dem Grunderwerb verpflichtete sich der Alpenverein seinem Gönner Albert Wirth gegenüber, das Glocknergebiet als Naturschutzpark der Zukunft zu erhalten. Wir sind sehr stolz darauf, als größter privater Grundeigentümer und Naturschutzorganisation dieses Versprechen bis heute einzuhalten und mitgestalten zu dürfen“, so Alpenvereins-Vizepräsidentin Nicole Slupetzky.
Im heurigen Jahr gedenken Nationalpark und Alpenverein des großen Visionärs Albert Wirth, der mit seiner Schenkung den Grundstein für die Schaffung des Nationalparks Hohe Tauern legte.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Pläne für Hotels, Seilbahnen, Straßen und Parkplätze im Gebiet rund um Großglockner und Pasterze gewälzt. Um diese Ausbaupläne zu verhindern, richtete die Fachstelle für Naturschutz des Landes Kärnten 1932 die dringende Empfehlung an den Alpenverein, der Unterschutzstellung dieser Flächen zuzustimmen. Seit 1935 ist das dem Alpenverein gehörende Areal Naturschutzgebiet. Damit war auch der erste Schritt auf dem Weg zum Nationalpark Hohe Tauern getan. Zum 100-jährigen Jubiläum „eines unserer mächtigsten Naturjuwele“ gratulierte auch die Kärntner Landesrätin und Nationalparkreferentin Sara Schaar: „Ein besonderer Dank gilt dem Alpenverein, der es durch seine Wege- und Hütteninfrastruktur ermöglicht, die großartige Hochgebirgswelt des Nationalparks Hohe Tauern zu erleben, und der Nationalparkverwaltung, die dazu ein umfassendes Programm anbietet.“
Aus Witterungsgründen wurde die für 1. September geplante Jubiläumsveranstaltung „100 Jahre Schenkung Albert Wirth“ abgesagt und auf Frühsommer 2019 verschoben. Am 5. November findet im Bambergsaal in Villach eine Veranstaltung mit Symposium satt. Um Anmeldung unter raumplanung.naturschutz@alpenverein.at wird gebeten.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Steinthaler, ÖAV