Boulderin Maya Klaunzer aus Lienz hat die Wand „im Griff“

Maya Klaunzer klettert auf Leistungsniveau: Seit 2021 Mitglied des Tiroler Landeskaders, wurde die junge Athletin 2022 in das österreichische Jugend-Nationalteam aufgenommen.

Eine Staubwolke wirbelt auf, wenn Maya Klaunzer in den Chalkbag greift und ihre Hände mit weißem Puder einreibt. Die 18-jährige Lienzerin weiß, wie wichtig eine gute Vorbereitung ist, bevor es in die Boulderwand geht. „Chalk wird gegen die Schweißbildung an den Händen genutzt. Es verbessert den Griff und verhindert ein Abrutschen an heiklen Stellen“, erklärt sie. Wir haben uns mit der jungen Athletin im Alpenvereinshaus in Lienz verabredet. Hier zeigt uns das ÖAV-Mitglied, was sie an ihrer Leidenschaft, dem Bouldern, so schätzt.

 

 

„Bouldern wird im Allgemeinen als freies Klettern in Absprunghöhe definiert. Das beschreibt aber nicht, was die Faszination dieses Sports ausmacht. Neben Technik und Kraft ist es vor allem die Denkarbeit, die eine besondere Rolle spielt“, betont sie. Mindestens fünf Mal pro Woche trainiert Maya für je drei Stunden und hat dafür bislang auch mehrmals pro Woche die Fahrt in große Kletterhallen in Klagenfurt, Bruneck oder Innsbruck auf sich genommen. „In großen Hallen sind die Trainingsbedingungen einfach besser“, sagt sie und berichtet, dass sie ihr Papa, selbst ein begeisterter Kletterer, immer mit dem Auto zu den Trainingseinheiten gebracht hat. Zukünftig werden viele dieser Fahrten wegfallen, startet die Lienzerin derzeit doch, nach erfolgreich absolvierter BORG-Matura, gerade in ihr Studium im Kletter-Hotspot Innsbruck. In der Tiroler Landeshauptstadt möchte Maya Sportwissenschaften studieren und sich, wenn möglich, auch zur Physiotherapeutin ausbilden lassen.

 

 

Sport spielt im Leben der 18-Jährigen seit jeher eine große Rolle. „Ich stamme aus einer sehr sportlichen Familie. Von klein auf haben meine Eltern mir und meinem Bruder die Freude an Bewegung vermittelt. Wir waren immer viel in der freien Natur und in den Bergen unterwegs“, sagt sie, zu deren bevorzugten Sportarten auch Schwimmen und Leichtathletik gehören. Erste Griffe an der Kletterwand im Keller ihres Elternhauses übte Maya schon als Dreijährige. „Ab dem elften Lebensjahr habe ich das Klettern intensiviert. Als Mitglied des ÖAV nahm ich am Kinderklettern im Alpenvereinshaus teil und konnte mir im Laufe der Jahre Wissen und Können aneignen.“

 

 

Im Alter von 13 Jahren trat sie erstmals bei Wettkämpfen im Bezirk und als 15-Jährige auch bei österreichweiten Bewerben an. Später führte sie ihr Sport nach England, Kroatien, Italien und in die Schweiz. Ihr bislang größtes Highlight war, wie sie meint, die Teilnahme am Jugend-Europacup im portugiesischen Soure im heurigen Frühjahr. „Ich war wahnsinnig gespannt, wie ich mich im internationalen Starterfeld schlage“, erinnert sie sich zurück. Den Einzug ins Finale verfehlte die Lienzerin nur knapp, ihren 11. Platz in der Kategorie Junioren weiblich sieht sie als Erfolg und Ansporn zugleich. Dies gilt auch für ihr Antreten Anfang August 2022 bei den European Youth Championships im Bouldern in Graz. Hier erreichte Maya das Semifinale und landete schlussendlich auf Platz 15. „Ich bin sehr stolz, dass ich Österreich erstmals bei der Jugend-EM vertreten durfte. Ich konnte viele neue Erfahrungen sammeln und weiß, wo ich im Training ansetzen muss, um für die nächsten Wettkämpfe vorbereitet zu sein.“

Es gibt ein großes Bewegungsrepertoire an Klettertechniken, die Maya regelmäßig übt. Neben Kraft ist, wie sie herausstreicht, … „auch das Geschick notwendig, kleine Tritte richtig zu belasten, das Können, eine Bewegung sauber umzusetzen, und das Vermögen, die richtige Bewegung im rechten Moment hervorzuzaubern. Wenn man im Bouldern vorankommen will, müssen also mehrere Komponenten zusammenspielen.“

 

Ihre bislang größten Erfolge feierte die 18-Jährige beim Europacup in Portugal sowie bei den European Youth Championships in Graz, wo sie sich in einem international top-besetzten Feld auf Platz 11 bzw. 15 boulderte. Beim diesjährigen Bouldercup des Vereins K.I.O.T. in Lienz (im Bild) holte sich Maya den Sieg in der Damenwertung.

 

Im Gegensatz zum Laufen oder Radfahren sind die Bewegungsanforderungen beim Bouldern also vielfältig und komplex. Und: Die mentale Leistungsbereitschaft ist ein wesentlicher Faktor. „Man muss im richtigen Moment bereit sein, sich einen Zug zuzutrauen. D.h. die Leistung läuft auch im Kopf ab“, lässt Maya abschließend wissen. Für ihre sportliche Zukunft wünscht sich die Osttirolerin, vor allem verletzungsfrei zu bleiben und viele Wettbewerbe absolvieren zu können. Dafür alles Gute, Maya!

 

Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: © Martin Lugger, Xaver Quintus, Tobias Lanzanasto, Sarah Klaunzer-Sporer

11. Oktober 2022 um