Lienzer Klause: Viel Idealismus und Engagement für ein altes Kulturdenkmal

Um die Erhaltung der altehrwürdigen Wehranlage in Leisach kümmert sich in enger Zusammenarbeit mit der Eigentümerfamilie Huber ein 2011 gegründeter Verein.

Die Lienzer Klause wurde einst als Talsperre zur Verteidigung des Pustertales gegen Osten hin errichtet. Sie befindet sich an einer Engstelle des Drautales, kurz bevor dieses in das Lienzer Becken mündet, und bildet den Ostabschluss des Pustertales. Der älteste erhaltene Bauteil, das innere Torgebäude mit der großen Tordurchfahrt für die alte Pustertaler Straße, stammt aus dem 14. Jahrhundert. Später wurde es um Anbauten im Norden und um das so genannte „Fürstengebäude“ nach Süden hin erweitert und durch Sperrmauern mit dem Pulverturm am Hang oberhalb verbunden. Dieser Bestand wurde im Barock in ein neues Gesamtkonzept einbezogen, das noch heute das Aussehen der Lienzer Klause wesentlich prägt.

 

Seit 1879 befindet sich die Lienzer Klause in Burgfrieden im Besitz der Familie Huber. Mit seiner Familie und dem Erhaltungsverein bemüht sich Manfred Huber heute um den Erhalt des Kulturdenkmals.

 

Damals legte man ein symmetrisches Hornwerk mit zwei vorspringenden Basteien und einem tiefen Graben an. Die Befestigung zog sich den Hang hoch bis zum oberen Turm, dem so genannten Blockhaus, und umfasste auch Sperrmauern auf der gegenüberliegenden Talseite. „Die Baumeister Elias und Christoph Gumpp wurden 1660 als Festungsingenieure damit beauftragt, ein Verteidigungskonzept gegen eine befürchtete Invasion der Türken auszuarbeiten. Sie legten einen Entwurf vor, der Befestigungen in Lienz, Mühlbach, Nikolsdorf und Iselsberg vorsah“, weiß der Leisacher Manfred Huber zu erzählen.

 

Erich Fankhauser leitet den 2011 gegründeten „Verein zur Erhaltung, Pflege, Instandsetzung und Erforschung der Lienzer Klause.“

 

Seit dem Jahr 1879 – damals erwarb Manfreds Urgroßvater Franz Huber das Anwesen – befindet sich die Lienzer Klause im Besitz der Familie. Manfreds Vater Anton begann 1973 mit der aufwändigen Restaurierung der Klause, 2007 übernahm Manfred das Anwesen. Er bewirtschaftet hier nebenberuflich auch die zum Anwesen gehörende kleine Landwirtschaft. „Es ist meiner Familie und mir ein großes Anliegen, die Lienzer Klause als Kulturdenkmal des Lienzer Talbodens und des gesamten Pustertales für die Nachwelt zu erhalten. Wir sehen uns weniger als Eigentümer, sondern vielmehr als Verwalter auf Zeit“, sagt Manfred Huber. Unterstützung erhalten die Hubers vom „Verein zur Erhaltung, Pflege, Instandsetzung und Erforschung der Lienzer Klause“, der die Anlage seit einigen Jahren gepachtet hat. 2011 von Josef Lugger ins Leben gerufen, war und ist es das Ziel des Vereins, die alte Wehranlage einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Bei der Vereinsgründung ging es auch darum, Fördermittel für die aufwändigen Erhaltungsmaßnahmen zu lukrieren.

 

1241 wurde die Lienzer Klause erstmals urkundlich genannt. Die ältesten Teile der Wehranlage stammen aus dem 14. Jahrhundert.

 

Wir sehen die Lienzer Klause als wichtigen Teil unserer Geschichte. Jeder Osttiroler sollte sie zumindest einmal gesehen haben“, meint der heutige Vereinsobmann Erich Fankhauser. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Festungsanlage im Jahre 1241. Damals gehörte die Klause den Bischöfen von Brixen. Später gelangte die Wehranlage in den Besitz der Görzer Grafen. Eine besonders wichtige Rolle spielte die Klause während der Tiroler Freiheitskämpfe rund um das Jahr 1809. „Damals erzielten die Tiroler und Sextner Landstürmer im Kampf gegen die Franzosen hier an der Lienzer Klause einen wichtigen Sieg. Die napoleonischen Truppen mussten den Rückzug antreten“, informiert Erich Fankhauser. Besondere Verdienste um den militärischen Erfolg erwarb sich damals ein 17-jähriger Student namens Georg Hauger. An ihn erinnert bis heute nicht nur ein Denkmal vor der Lienzer Klause, er war auch Namensgeber für die „Hauger Schützenkompanie“ aus Leisach.

 

 

Alljährlich am Hohen Frauentag, dem 15. August, organisieren die Hauger-Schützen und die Hauger-Musikkapelle ein Fest bei der Lienzer Klause mit Feldmesse bei der Lourdeskapelle und Kranzniederlegung beim Denkmal. „An dem Fest nehmen immer wieder sehr viele Menschen aus der Bevölkerung teil. Die Bäuerinnen veranstalten auch eine Frauenbuschweihe“, so Manfreds Frau Gabriela, die berichtet, dass auch schon einmal ein Mitglied der früheren Kaiserfamilie Habsburg dem Fest beigewohnt habe.

 

 

Mit der Konservierung der alten Mauern sind Verein und Eigentümerfamilie unermüdlich beschäftigt. Die Restaurierung ist aufwändig und teuer. Natürlich müssen alle Arbeiten in enger Abstimmung mit dem Denkmalamt erfolgen. Wichtige Partner sind auch die Gemeinden Leisach und Lienz, die Landesgedächtnisstiftung und die Kulturabteilung des Landes Tirol. Um Interessierten das historische Kulturdenkmal näher zu bringen, wurde ab 2002 auf Vorschlag des Denkmalamtes ein Themenweg eingerichtet, den man 2009 im Rahmen des 200-Jahr-Gedenkens an die Tiroler Freiheitskämpfe feierlich einweihen konnte. Auf bedruckten Glastafeln werden die Geschichte der Lienzer Klause und der Mautstelle, die gesamte Wehranlage, das Freiheitskämpferdenkmal und die Lourdeskapelle sowie die Restaurierung des Pulverturms näher erläutert.

 

 

„Viele Schulklassen besuchen die Lienzer Klause im Rahmen des Geschichtsunterrichts. Mein Vater bietet auf Wunsch auch Führungen an. Wir laden alle OsttirolerInnen, aber auch Gäste ein, einmal durch die Lienzer Klause zu spazieren und sich über die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte dieser historisch bedeutenden Wehranlage am Eingang in das Pustertal zu informieren“, freut sich Manfred Huber auf das Kommen vieler Interessierter.

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger

15. September 2018 um