1250 Jahre Innichen – Südtirols älteste Gemeinde feiert „Geburtstag“

Aus Anlass des heurigen Jubiläumsjahres fand in der Pustertaler Marktgemeinde vom 31.1. bis 2.2.2019 eine hochkarätig besetzte internationale Tagung statt.

1250 Jahre nach der Schenkung durch den bairischen Herzog Tassilo III. an Abt Atto von Scharnitz und der Gründung des ersten und ältesten Stiftes Tirol feiert die Pustertaler Marktgemeinde Innichen das stolze Jubiläum mit einem bestens organisierten Reigen von Veranstaltungen (www.1250.bz.it). Zu diesen zählte auch die internationale Tagung, die vom 31.1. bis 2.2.2019 über die Bühne ging. Den Auftakt der Vortragsreihe mit Wissenschaftlern aus Deutschland, Österreich, Slowenien und Italien zu historischen und kunsthistorischen Fragen rund um die Frühzeit von Innichen bildete ein abendlicher Festakt am 31.1.2019.

 

Der Festakt am Eröffnungsabend galt Egon Kühebacher, dem wohl profundesten Kenner der Geschichte und Kultur Innichens, und der Vorstellung seiner Festschrift.

 

Die Veranstalter der Tagung luden dazu in den nostalgisch anmutenden, vom österreichischen Architekten Clemens Holzmeister gestalteten Saal des „Theatercafe Zentral” ein, der sich knapp nach 18.00 Uhr bis auf den letzten Platz füllte. Auf dem Programm stand nicht nur ein hochinteressanter Eröffnungsvortrag des Münchner Historikers Roman Deutinger, sondern auch eine Ehrung für Egon Kühebacher, den Autor der Festschrift „1250 Jahre Innichen“.

 

 

Für die Moderation des Abends zeichnete Gustav Pfeifer vom Südtiroler Landesarchiv in Bozen verantwortlich. Rosmarie Burgmann, die Bürgermeisterin der Marktgemeinde Innichen, richtete ihre Grußworte an alle Anwesenden und insbesondere an Egon Kühebacher und seine Familie. Die Laudatio auf den Innichner Sprachwissenschaftler, Germanisten und Historiker hielt Hans Heiss. Er ließ in humorig-kurzweiligen Streiflichtern nicht nur die jahrzehntelange Arbeit Kühebachers in der Erforschung der Geschichte und Kultur seiner Heimatgemeinde Revue passieren, sondern ging auch auf dessen Leistungen bei der Realisierung des Stiftsmuseums, auf seinen Einsatz im Rahmen des Theaterwesens oder auf die Mitarbeit bei Dörfbüchern, Tageszeitungen oder Vereinszeitschriften ein.

 

 

Zum Abschluss des Festaktes erhielt der vielfach ausgezeichnete Innichner Ehrenbürger Geschenke, unter anderem ein Bild mit jenen drei Innichner Kirchtürmen, die auch das Cover der Festschrift „1250 Jahre Innichen“ prägen.

 

1250 Jahre Innichen – wie alles begann

Im Jahre 769 übergab Herzog Tassilo III. von Baiern an Abt Atto von Scharnitz einen damals landläufig als „Frostfeld“ bezeichneten Landstrich, auf dem sich heute auch die Marktgemeinde Innichen erstreckt. Aufgabe des als Eigenkirche von Freising gegründeten Benediktinerklosters Innichen war es, so die Gründungs- und Schenkungsurkunde Herzog Tassilos, die von Osten vordringenden Slawen zu missionieren. Die „Bekehrung“ erfolgte Hand in Hand mit der Machtausdehnung, Rodung und Besiedelung neuer Gebiete und nicht zuletzt mit der Germanisierung der Region. Der bairische Herzog setzte damit in einen alpinen Kernraum eine religiöse und kulturelle Landmarke von hohem Rang. Im dünn besiedelten Raum des Hochpustertales entstand an strategischer Stelle ein Kultort von großer Ausstrahlung, eine geistliche Gemeinschaft, die den Wert Innichens aus einem ländlichen Umfeld deutlich heraushob. Vom Stift und der Hofmark Innichen gingen über Jahrhunderte hinweg wichtige Impulse für das gesamte Hochpustertal aus, die auch für das Gebiet des heutigen Osttirol von Relevanz waren.

 

Die Festschrift zum Jubiläumsjahr 2019 „1250 Jahre Innichen. Beiträge zur Geschichte Innichens von 769 n. Chr. bis ins späte 19. Jahrhundert“ ist im Universitätsverlag Wagner in Innsbruck erschienen. ISBN 978-3-7030-0985-3

 

Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: Adobe Stock/Flaviu Boerescu (Startbild) und Foto Kromar

04. Februar 2019 um