Großvenediger – seit 175 Jahren Magnet für Alpinisten

Der Erstbesteigung des Großvenedigers im Jahre 1841 widmen sich heuer zwei Ausstellungen im Pinzgau. Walter Reifmüller hat jene in der Stadt Mittersill initiiert.

„Weltalte Majestät“ wird der mit 3.657 Metern dritthöchste Berg Österreichs aufgrund seines imposanten Erscheinungsbildes auch genannt. Der markante, vergletscherte Gipfel wurde vor 175 Jahren von Pinzgauer Seite aus zum ersten Mal bezwungen. Dieser Erstbesteigung widmen sich heuer  Ausstellungen in Mittersill und Neukirchen. Walter Reifmüller, seit 18 Jahren Obmann des Museumsvereins Mittersill und Kustos des Felberturms, führte uns durch den kleinen „Museumsbezirk“ in der Pinzgauer Stadtgemeinde und die von ihm initiierte Großvenediger-Ausstellung.

 

Vom 28. Mai bis 26. Oktober ist im alten Schulhaus neben dem Felberturm in Mittersill eine Ausstellung zur Erinnerung an die Erstbesteigung des Großvenedigers im September 1841 zu sehen.

Vom 28. Mai bis 26. Oktober ist im alten Schulhaus neben dem Felberturm in Mittersill eine Ausstellung zur Erinnerung an die Erstbesteigung des Großvenedigers im September 1841 zu sehen.

 

Der Felberturm in Mittersill diente einst den edelfreien Herren von Felben als Wohn- und Wehrturm. Das historische Gebäude erhebt sich neben der schmucken Felberkirche, ein markantes Fischgrätenmauerwerk weist auf eine Erbauungszeit in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts hin. 1963 ging der Felberturm in den Besitz der Gemeinde Mittersill über, die ihn wieder instand setzte und zu einem Heimatmuseum umfunktionierte. Entsprechend dem Motto „Ein Museum soll lebendig bleiben“ wurde seitdem viel altes Kulturgut gesammelt und immer wieder Neues museumsgerecht aufbereitet. Aus Kaprun etwa stammt jenes „Häuslbauernhaus“, das man direkt neben dem Felberturm originalgetreu wieder aufbaute. Im Laufe der Zeit kamen auch ein alter „Troadkasten“ (Getreidekasten), eine Mühle, ein Backofen sowie ein Feuerwehrhaus und eine Wagenhütte hinzu.

 

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Mit dem 1998 übertragenen, ehemaligen Schul- und Mesnerhaus aus dem Jahre 1609 erweiterte sich das historisch eindrucksvolle Ensemble zu einem kleinen Museumsbezirk, den uns Walter Reifmüller bei unserem Besuch in Mittersill zeigt. Der heute 79-Jährige leitete von 1973 bis 1993 als Bürgermeister die Geschicke der heutigen Stadtgemeinde, seit seiner Pensionierung engagiert er sich als Obmann des Museumsvereins. Die Berge entlang des Alpenhauptkammes haben den 79-jährigen Mittersiller schon immer fasziniert. In seiner Zeit als Postenkommandant hat er u.a. auch eine Hochgebirgsausbildung der Polizei absolviert.

 

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„Bis heute gilt mein Hauptaugenmerk der Venedigergruppe. Ich kenne diesen Gebirgszug rund um die weltalte Majestät sehr gut, auch auf Osttiroler Seite war und bin ich viel und gerne unterwegs. Ich denke an schöne Hüttenziele wie die Prager Hütte, die Badener oder die Bonn-Matreier Hütte. Das Löbbentörl ist einer meiner Lieblingsplätze“, so der begeisterte Bergsteiger. Nicht verwunderlich also, dass er aus Anlass des diesjährigen 175-Jahr-Jubiläums der Erstbesteigung des Großvenedigers eine Ausstellung gestaltet hat, die vom 28. Mai bis 26. Oktober im alten Schulhaus in Mittersill zu sehen ist.

 

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Die präsentierten Exponate informieren über die Erstbesteigung, die Historie des Bergsteigens im Allgemeinen, die Venediger-Orte und Anstiege von Osttirol und Salzburg aus, lohnende Dreitausender in der Gebirgsgruppe und auch über den Venediger als Eldorado für Skibergsteiger. Besonders intensiv hat sich Walter Reifmüller mit der Geschichte des Venediger-Pioniers Paul Rohregger beschäftigt, der als pensionierter Revierförster mit seinem Sohn Georg bei der Erstbesteigung am 3. September 1841 mit dabei war. „Insbesondere beim Abstieg durch die zerklüftete ,Türkische Zeltstadt‘ haben Rohreggers Bergerfahrung und die Vertrautheit mit dem Gelände wesentlich zum Gelingen der Expedition beigetragen“, so Reifmüller.

 

Der Felberturm ging 1963 in den Besitz der Gemeinde Mittersill über, die ihn wieder instand setzte und zu einem Heimatmuseum umfunktionierte.

Der Felberturm ging 1963 in den Besitz der Gemeinde Mittersill über, die ihn wieder instand setzte und zu einem Heimatmuseum umfunktionierte.

 

Als Erzherzog Johann im Jahre 1828 versuchte, den Großvenediger über die Nordwestwand zu bezwingen, wurde Rohregger als Bergführer auserkoren. Eine Lawine riss ihn jedoch knapp vor dem Ziel in die Tiefe und verletzte ihn schwer. Die Expedition wurde abgebrochen. 1841 wurde die Bergsteigergruppe von Josef Schwab (vlg. Hausstetter Sepp) angeführt. Mit dabei waren neben Paul Rohregger auch Anton von Ruthner und Josef Lasser von Zollheim, Otto von Gravenegg und Ignaz von Kürsinger. Ausgangspunkt der Männer war Neukirchen, der Weg führte sie durch das Obersulzbachtal und über die Stierlahnerwand. Von den 40 beteiligten Bergsteigern erreichten immerhin 24 den Gipfel. „Paul Rohregger ist für mich persönlich der wahre Venediger-Pionier. Er war gebürtiger Hofgasteiner und in Bramberg als k.u.k Oberförster tätig. Er hatte 16 Kinder – 13 Töchter und drei Söhne. Wann er verstorben ist, konnte ich leider bis heute nicht eruieren.“

 

Walter Reifmüller im Felberturm mit sehenswerten Exponaten der Schau „Tauernwege", die dem Salz- und Weinhandel über den Felbertauern in vergangener Zeit nachspürt.

Walter Reifmüller im Felberturm mit sehenswerten Exponaten der Schau „Tauernwege“, die dem Salz- und Weinhandel über den Felbertauern in vergangener Zeit nachspürt.

 

Infolge der geglückten Erstbesteigung traten der Großvenediger und seine Gletscherwelt in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Anfangs zog es vor allem Bergsteiger und Gletscherforscher in die Venedigergruppe. „Großartige Leistungen vollbrachten auch Maler, die im 19. Jahrhundert unsere Berggipfel erklommen haben, um Bilder einer damals unbekannten Welt festzuhalten. Zu ihnen zählen Thomas Ender, Friedrich Simony oder auch Franz von Defregger. Als Pionier der Hochgebirgsfotografie gilt der Wiener Jurist Dr. Karl Kaser, der sich viel in unserer Gegend aufhielt. Einige seiner Fotografien konnte ich in die Ausstellung integrieren“, berichtet der Museums-Obmann. Besonders wichtig ist es
ihm, auch auf die zweite Venediger-Ausstellung im heurigen Jubiläumsjahr hinzuweisen: Im Samerhofstall in Neukirchen wird vom 7. Juli bis Ende September die Schau „Ein Berg prägt seinen Ort – Der Großvenediger“ gezeigt.

 

Das alte Schulhaus ist Teil des historischen Felberturm-Ensembles und beherbergt bis zum 26. Oktober die Ausstellung zur Erinnerung an die Erstbesteigung des Großvenedigers.

Das alte Schulhaus ist Teil des historischen Felberturm-Ensembles und beherbergt bis zum 26. Oktober die Ausstellung zur Erinnerung an die Erstbesteigung des Großvenedigers.

 

„Die Grundlagen im Mittersiller Museumsverein hat OSR Gerbert Lauth, der frühere Volksschuldirektor von Mittersill, geschaffen. Er zeichnete auch für den Aufbau des historischen
Ensembles rund um den Felberturm verantwortlich. Nachdem sich für seine Obmanntätigkeit kein Nachfolger fand, habe ich diese ehrenamtliche Funktion übernommen“, erinnert sich Walter Reifmüller zurück. Der Geschichte des „Saumhandels“ über den Tauern widmet sich eine der  Dauerausstellungen im Felberturm. „Im Mittelpunkt der Schau ,Tauernwege‘ steht der Felbertauern,
über den bis Anfang des 20. Jahrhunderts ein reger Salz- und Weinhandel zwischen Matrei in Osttirol und Mittersill abgewickelt wurde.“ Die Holzwirtschaft, die Jagd, Trachten, der Bergbau und der Alpinismus sind nur einige der Themen, auf die sich der Fokus weiterer Ausstellungen im Felberturm richtet.

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Privat, Osttirol heute/Hotzler

06. Mai 2016 um