Gletscher: Schlatenkees ging um 60,3 Meter zurück

Mit durchschnittlich 22,6 Metern Rückgang bestätigt der aktuelle Gletscherbericht des Alpenvereins die weitere starke Abschmelzung der heimischen Gletscher.

Das Jahr 2015 war noch wärmer als das Jahr 2003 mit einem extrem heißen Sommer. So konnten sich auch die heimischen Eisriesen in der Messperiode 2014/2015 kaum ausruhen. Rund 80 Gletscher sind mehr als doppelt so weit wie im Jahr davor zurückgeschmolzen, drei davon sogar mehr als 100 Meter. Das Hornkees in den Zillertaler Alpen ging um 136 Meter, der Gepatschferner in den Ötztaler Alpen um 121,5 Meter und der Taschachferner (ebenfalls Ötztal) um 101 Meter zurück. Hinter dem Niederjochferner mit einem Rückgang von 88,1 Metern findet sich bereits das Schlatenkees in der Venedigergruppe mit 60,3 Metern Rückgang. Das Schlatenkees im Gemeindegebiet von Matrei ist der größte Osttiroler Gletscher.

 

Die Pasterze im Jahr 2012 und auf einer Schwarz-Weiß-Aufnahme aus dem Jahr 1920

Die Pasterze im Jahr 2012 und auf einer Schwarz-Weiß-Aufnahme aus dem Jahr 1920

 

„Der Sommer 2015 war um mehr als 2 Grad Celsius wärmer als im langjährigen Mittel. Lange andauernde Hochdrucklagen und das Ausbleiben sommerlicher Schneefälle waren die Zutaten für ein viel zu warmes Messjahr und damit Grund für die aktuellen Gletscherrückgänge“, erklärt Glaziologin Dr. Andrea Fischer, Leiterin des Alpenvereins-Gletschermessdienstes. Die Messergebnisse würden zeigen, dass alle Monate bis auf den September zu warm waren. Im Hochsommer fehlten Kaltlufteinbrüche mit Schneefällen auf den Gletschern, und auch die nächtliche Abkühlung konnte die Schmelze in den extrem warmen Monaten nicht unterbrechen.

 

Die Gletscher in den Ötztaler Alpen gingen besonders stark zurück. Im Bild der Gepatschferner und der Kesselwandferner vom Brandenburger Haus aus fotografiert.

Die Gletscher in den Ötztaler Alpen gingen besonders stark zurück. Im Bild der Gepatschferner und der Kesselwandferner vom Brandenburger Haus aus fotografiert.

 

Von den 92 beobachteten Gletschern war kein einziger schneebedeckt. In Summe sind 96% der vermessenen Gletscher zurückgegangen, für das Messjahr 2014/15 ergibt sich somit ein mittlerer Längenverlust von 22,6 Metern. Ähnlich hohe Werte wurden zuletzt 2007 und 2003 erreicht. Seit mittlerweile 125 Jahre zeigen die vom Alpenverein durchgeführten Gletschermessungen eindrucksvoll die Veränderungen an den Gletschern. Die Messreihe zählt zu den längsten und am besten dokumentierten weltweit und ermöglicht gute Rückschlüsse auf Klimaveränderungen.

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Mühlburger, Alpenverein (N. Span, N. Freudenthaler, Laternbildsammlung)

08. April 2016 um