Innervillgraten: Getreide mahlen wie in alten Zeiten

Im Garten des Hotels Gannerhof findet sich in einem Stadel eine historische Mühle, die 2021 instandgesetzt und nun wieder zum Getreidemahlen eingesetzt wird.

Wie so viele andere auch, hat auch Josef Mühlmann die letzten eineinhalb Jahre dafür genützt, gemeinsam mit seinem Team im Keller aufzuräumen. Hier hatte sich, gemäß der alten bäuerlichen Tradition, nichts wegzuwerfen, so einiges angesammelt. Trotzdem staunte der Osttiroler Hotelier nicht schlecht, als ihn sein Hausmeister mit der Frage „Wo soll die hin?“ auf Bestandteile einer alten Getreidemühle aufmerksam machte. „Beim Anblick der Mühle erinnerte ich mich daran, dass mein Vater die historische Gerätschaft vor etwa 15 Jahren angekauft hat. Früher stand diese Mühle am Bach, war aber in den 1960er-Jahren zur Hausmühle umgestaltet und mit Strom betrieben worden“, so Mühlmann. „Bei näherer Betrachtung wurde mir klar, dass es sich hier um etwas ganz Besonderes handelt, und so reifte die Idee, die Mühle wieder instandsetzen zu lassen.“

 

Josef Mühlmann zeigt stolz seine renovierte, historische Getreidemühle, die besonders feines Mehl mahlen kann.

 

Tischlermeister Hans Kohler von der Tischlerei Lanser restaurierte in liebevoller Detailarbeit die rund 200 Jahre alte Mühle.

 

Um dieses Vorhaben realisieren zu können, sicherte sich der Villgrater die tatkräftige Unterstützung eines Experten vor Ort: Tischlermeister Hans Kohler von der heimischen Tischlerei Lanser nahm sich der Aufgabe an und begann, die rund 800 Einzelteile der alten Brunner-Mühle akribisch zu justieren, wo nötig zu restaurieren und dann zusammenzusetzen. Josef Mühlmann, der in den sich über drei Monate hinziehenden Arbeitsprozess involviert war, beziffert das Alter der Mühle mit etwa 200 Jahren. „Einzelne Teile dürften im Laufe der Zeit ersetzt und also etwas jüngeren Datums sein.“

Im Zuge der Restaurierung zeigte sich, dass die Ausmaße der Mühle eine Aufstellung in einem „normalen“ Innenraum unmöglich machten. „Sie ist 3,5 mal 3,5 Meter groß, weshalb wir einen Stadel im Garten unseres Hotels als neuen Standort ausgewählt haben“, berichtet der hoch-dekorierte Haubenkoch, der den Gannerhof gemeinsam mit seiner Frau Carola führt. Er freut sich, dass die Mühle heute „wieder wie neu ist und sich extrem genau einstellen lässt“. Das Getreide für den Mahlprozess kauft Josef Mühlmann bei einem Bio-Betrieb aus Lienz zu. „Den Platz, um Weizen, Roggen, Gerste und Hafer selbst anzubauen, gäbe es zwar, doch habe ich davon Abstand genommen. Dies wäre nur dann sinnvoll, wenn, so wie in früheren Zeiten, mehrere Bauern im Ort Kornfelder kultivieren.“

 

 

Je nachdem, welche Getreidesorte zum Einsatz kommt, variiert auch die Dauer des Mahlvorganges. Hafer braucht beispielsweise wesentlich länger als Roggen. „Die Getreidekörner kommen als erstes in den Holztrichter, der über den Mühlsteinen angebracht ist. Durch Rüttelstein und Mahlauge gelangen sie zwischen die beiden Steine, die das Mahlen des Getreides übernehmen. Der Mahlgrad wird übrigens mithilfe einer einfachen Schnur eingestellt“, schildert Mühlmann einzelne Arbeitsschritte. „Das fertige Mehl wird in einer Mahlbütte gesammelt und in den Mehlkasten befördert. Der Schrot rieselt in den Kleiekasten.“

 

 

Sichtlich fasziniert davon, dass die alte Mühle heute noch so gut funktioniert, ist übrigens nicht nur der Gannerhof- Chef selbst. Großes Interesse zeigt auch so mancher Gast, der im Hotel Erholung findet. Eigens für die Gäste gibt es Informationstafeln, die die Funktionsweise der mit einem alten LKW-Motor aus den 1950er-Jahren angetriebenen Mühle veranschaulichen. Die Gäste des Hauses und Restaurants sind es schließlich auch, die in den Genuss des köstlichen Endergebnisses kommen: Aus dem frisch gemahlenen Getreide backen Josef Mühlmann und sein Küchenteam nämlich köstlich-duftendes Brot. Es unterscheidet sich maßgeblich von der üblichen Standardware, ist geschmacklich ein Erlebnis und besonders bekömmlich – also eine ideale Abrundung der kulinarischen Genüsse, für die der Gannerhof weitum bekannt ist!

 

Text: Elisabeth Hilgartner, © Helge Kirchberger, © edifilm75

02. Oktober 2021 um