Gertraud Patterer neuestes Buch: Gesellschaftsrelevante Themen im Fokus

Die weitum bekannte und wiederholt ausgezeichnete Osttiroler Schriftstellerin hat Ende 2022 ihr 29. Buch fertiggestellt. Der Roman ist ab Februar 2023 im Buchhandel erhältlich.

Basierend auf einer bereits 2019 verfassten Kurzgeschichte, erzählt Gertraud Patterer in ihrem Roman die Geschichte des Roma-Mädchens Tamara und nimmt auch auf Themen wie Rassismus und Diskriminierung Bezug. Mit ihrer Autorentätigkeit und nicht erst mit ihrem neuesten Buch will Gertraud Patterer mehr zum Ausdruck bringen als nur „bloße Unterhaltung“. „Ich möchte auch Stellung beziehen und Probleme ansprechen, die in unserer Gesellschaft eine Rolle spielen. Rassismus und Diskriminierung sind sehr aktuelle Themen, aber keine neuen Phänomene, sondern tief in der Menschheitsgeschichte verankert“, lässt die Dölsacherin wissen. Sie selbst kann sich noch gut erinnern, dass in ihrer Kindheit Mitglieder des „fahrenden Volkes“ öfters durch Osttirol zogen und auf Feldern im Lienzer Talboden lagerten. „Uns Kinder haben diese Menschen damals natürlich sehr interessiert und ich weiß noch, dass meine Eltern einen guten Kontakt zu ihnen pflegten.“ Vorurteile und Hass habe es, so Patterer, in der Bevölkerung natürlich auch gegeben.

Der Erzählstrang im Buch, das 57 Kapitel und miteinander verknüpfte Kurzgeschichten umfasst, beginnt mit der „Heimkehr“ des 12-jährigen Mädchens Tamara von einer nicht ganz fern gelegenen Roma-Siedlung zu ihrer in einem Bauernhof bei Dölsach verheirateten leiblichen Mutter. Diese hatte sie als lediges Kleinkind aus Furcht vor dem Gerede der Leute bei den Roma abgegeben. Dort war Tamara bisher aufgewachsen. Jetzt beginnt die „Heimkehrerin“ ihr weiteres Leben zu beschreiben: Es geht um ihr Leben in der Schule, ihre helfende Arbeit im und um den Bauernhof, zum Teil gemeinsam mit dem dort vorgefundenen Bruder Paul. Die dargestellten Handlungen und Geschehnisse ereignen sich zumeist im und um den Ort Dölsach, mit Aussicht auf den „Hochstadel“ in den Lienzer Dolomiten. Konkretere Ereignisse finden großteils in unmittelbarer Umgebung statt. Durchgängige Motive des Romans sind auch die von Dorfbewohnern häufig geäußerten, zum Teil direkt rassistischen Vorbehalte gegen Tamaras etwas dunkleres Aussehen und ihr nunmehriges Leben in der Osttiroler Gemeinde. Von ihren drei Roma-Brüdern und auch von ihren MitschülerInnen bekommt sie das zu spüren. Gegen Ende des Romans ist sie es, die ihren Roma-Vater in einem Gebüsch tot auffindet und von ihm Abschied nehmen muss.

Maßgeblich für den Charakter des Romans ist, wie Univ.-Prof. Dr. Walter Methlagl in seinem Vorwort zum Buch erklärt, die konsequent durchgezogene Doppelsprachigkeit. „Alle Figuren aus der Gegend, außer einigen Beamten, sprechen in Osttiroler Mundart. In diese ist alle im Roman formulierte direkte Rede schriftlich umgesetzt. Für die Lesenden, die diese Mundart nicht beherrschen und nicht näher kennen, ist es unvermeidlich, die überaus zahlreichen Dialektwörter in dem im Anhang befindlichen alphabetischen Verzeichnis nachzuschlagen. Dies macht es auch möglich, den eigenartigen Klang vieler Wörter und damit insgesamt die besondere Tonart der hier wiedergegebenen Sprechweise nachzuvollziehen. Der Wechsel zwischen hochsprachlicher und mundartlicher Tonart belebt insgesamt den Ton der gesamten Erzählung und erzeugt damit gemeinsam mit den Bildwelten eine Klangwelt“, so Methlagl.

Gertraud Patterers Buch erscheint im Heyn-Verlag, den Buchumschlag hat der niederösterreichische Künstler Adi Holzer gestaltet. Der Roman ist ab Februar 2023 im Buchhandel erhältlich

 

Text: E. Hilgartner, Foto: © Osttirol Journal

10. Januar 2023 um