Freiwillige Feuerwehr Huben in Osttirol: Seit 100 Jahren im Dienst am Nächsten

Die Florianis aus Huben i.O. feiern in diesem Jahr ein stolzes Jubiläum und blicken auf eine jahrzehntelange Geschichte zurück. Aktuell gehören der Freiwilligen Feuerwehr 59 aktive Kameraden und 12 Kameraden in Reserve an.

Gegründet wurde sie am 18. Oktober 1924, maßgeblich initiiert von drei engagierten Persönlichkeiten: dem damaligen Schulleiter Direktor Josef Weingartner, dem Wagnermeister Josef Resinger und dem Transportunternehmer Alban Gridling. Schon wenige Jahre nach der Gründung, im Jahr 1928, wurde das erste Gerätehaus errichtet. In diesem Jahr wurde auch die erste Löschspritze angeschafft, die bemerkenswerte 30 Jahre lang im Einsatz stand. Dieses Engagement und die Gründung der Feuerwehr sind ein wichtiger Teil der Geschichte und des Zusammenhalts in Huben und Umgebung.

 

Die Mannschaft der FF Huben im Jubiläumsjahr 2024

Sitzend von links: Alexander Riepler, Alexander Payr, Robert Trojer, Mathias Steiner; stehend von links: Thomas Holzer, Lucas Heinz, Günther Warscher, Clemens Riepler, David Oblasser, Johannes Holzer, Thomas Warscher

 

Aufgrund der geographischen Lage am Schnittpunkt des Defereggen-, Kalser- und Iseltales nimmt die Freiwillige Feuerwehr Huben i.O. eine zentrale Rolle in der Region ein. Diese stützpunktartige Bedeutung spiegelt sich deutlich in der Einsatzstatistik wider. Schon bei der Gründung war man sich der strategisch wichtigen Lage bewusst, was die Feuerwehr bis heute zu einem unverzichtbaren Bestandteil des regionalen Sicherheitsnetzes macht. Um den vielfältigen Anforderungen nachzukommen, werden sowohl die Mannschaft als auch die Ausrüstung der Feuerwehr Huben i.O. kontinuierlich auf die örtlichen Gegebenheiten abgestimmt und stets auf dem neuesten Stand der Technik gehalten. So ist die Feuerwehr optimal auf mögliche Einsätze vorbereitet und kann effektiv Hilfe leisten.

Ab 1938 unterstanden die Feuerwehren der Kontrolle der Wehrmacht des Dritten Reiches. In dieser schwierigen Zeit und den Jahren danach, von 1940 bis 1952, führte Bäckermeister Friedrich Schuster die Freiwillige Feuerwehr Huben i.O. mit großer Umsicht. Unter seiner Leitung gelang es, die Einsatzbereitschaft der Wehr trotz der widrigen Umstände erheblich zu verbessern. Ein entscheidender Schritt gelang mit der Anschaffung des ersten motorisierten Fahrzeugs, was die Schlagkraft erheblich erhöhte. Im Jahr 1945 konnte aus den Beständen der deutschen Wehrmacht ein Lkw der Marke Steyr erworben werden, der die Mobilität und Einsatzfähigkeit der Feuerwehr weiter stärkte. Schuster legte damit den Grundstein für die moderne Ausstattung und Leistungsfähigkeit der Freiwilligen Feuerwehr Huben i.O.

1952 übernahm Marian Staller als erster gewählter Kommandant in den Nachkriegsjahren von 1952 bis 1954 das Kommando. Unter seiner Ägide wurde in den Jahren 1953/1954 ein neues Gerätehaus erbaut sowie eine zweite Spritze angekauft. Aufgrund der steigenden Anzahl von Einsätzen war eine weitere Motorisierung erforderlich, weshalb im Jahr 1957 ein Ford Transit angekauft und in Dienst gestellt wurde. Als große Herausforderung erwiesen sich die Hochwasserkatastrophen in den Jahren 1965 und 1966. Dabei wurden Mannschaft und Geräte an die Grenzen der Belastbarkeit herangeführt. Dank dieser Einsätze der Feuerwehr sowie von Firmen und Privatpersonen konnte der Ortskern geschützt und gerettet werden. Durch die immer häufiger auftretenden technischen Einsätze mussten neue Gerätschaften angeschafft und die Feuerwehrkameraden dementsprechend ausgebildet werden. Zusätzliche technische Behelfe wie Funk-, Atemschutz- und Stromerzeugungsgeräte wurden nach und nach angekauft.

 

Im Laufe ihrer Geschichte hatte die FF Huben mit vielen schwierigen Einsätzen zu kämpfen.

 

Die Anschaffung eines neuen Tanklöschfahrzeuges im Jahr 1974 machte auch eine Vergrößerung des Gerätehauses notwendig. Während der 2-jährigen Bauphase (Abbruch altes Gerätehaus und Neubau Gemeinschaftshaus) waren die Geräte und Fahrzeuge in den Garagen des Transportunternehmens Gridling untergebracht. Die feierliche Einweihung des Gemeinschaftshauses erfolgte am 10. Juni 1978. Seither bietet es nicht nur der Feuerwehr und der Musikkapelle Huben, sondern auch der Landesmusikschule Matrei-Iseltal Platz. Bewährt hat sich vor allem der Veranstaltungssaal im Untergeschoss, der seit Jahrzehnten verschiedensten Veranstaltungen, Feiern, Kursen, Vorträgen, usw. Platz bietet. Um den Anforderungen der Einsätze zu entsprechen, wurde die Mitgliederanzahl ständig erhöht und die technische Ausrüstung erneuert bzw. erweitert. So konnte am 27. Mai 1984 ein Mercedes 508LF-B eingeweiht und 1987 eine TS 8 angekauft werden. Da sich der Einsatz von schwerem Atemschutz bewährt hat, entschloss man sich im Jahr 1988, eine zweite Atemschutzgarnitur anzuschaffen. Ein großer Schritt zur Modernisierung der Freiwilligen Feuerwehr Huben i.O. gelang mit dem Kauf des TLFA 3000 im Jahre 1992. Am 13. November 1992 geliefert, fand die feierliche Segnung des TLFA 3000 am 13. Juni 1993 statt. Im September 1993 rüstete man das Fahrzeug mit einem hydraulischen Rettungsgerät nach. Im gleichen Zug wurden 12 Piepser für den „Stillen Alarm“ angeschafft und 2001 die Ausrüstung durch den Erhalt von Atemschutzgeräten der Marke MSA Auer und eines dazugehörigen Prüfkoffers der Firma Menzl weiter ausgebaut. Im Jahr 2004 konnte mit der Neuanschaffung eines KLF der Fahrzeugstand erneuert und die Gerätschaften mit einer Tragkraftspritze (TS) FOX 2 modernisiert werden. In den Jahren 2008 (MTF sowie Umstellung auf Digitalfunk und digitale Pager), 2010 (Wärmebildkamera), 2011 (akkubetriebenes hydraulisches Rettungsgerät), 2014 (Einführung der neuen Einsatzbekleidung in Sandfarben), 2019 (hydraulisches Rettungsgerät mit Zusatzausrüstung) und 2020 (neue Atemschutzgeräte) erfolgten hinsichtlich Fuhrpark und Gerätschaften weitere Neuanschaffungen. Im Jahr 2022 fand die Indienststellung des Fahrzeuges LASTA statt, im Jahr 2023 übernahm man vom Bezirksfeuerwehrverband Lienz zwei Rollcontainer für die Bodenbrandbekämpfung, welche im gesamten Bezirk zum Einsatz kommen.

 

Das Gemeinschaftshaus (Bild oben) und der Fuhrpark der Freiwilligen Feuerwehr Huben i.O. im Jahre 2024

 

Die bis dato letzte bedeutende Maßnahme wurde im Jahr 2023 mit dem Abschluss der Erweiterung des Gemeinschaftshauses erreicht: Die Arbeiten umfassten die Vergrößerung des Gerätehauses, die Errichtung einer Fluchtstiege vom Veranstaltungssaal im Kellergeschoss ins Erdgeschoss, die Errichtung einer öffentlichen WC-Anlage sowie diverse Adaptierungen im Gerätehaus. Das Projekt, geplant von Ing. Thomas Unterweger, war das Ergebnis vieler Jahre sorgfältiger Planung und engagierter Vorbereitung. Besonders bemerkenswert ist der enorme Einsatz der Gemeindemitglieder: Über 1.200 freiwillige Arbeitsstunden wurden geleistet, um dieses Vorhaben zu realisieren. Diese beeindruckende Zahl unterstreicht das Engagement und die Gemeinschaftsarbeit, die in das Projekt eingeflossen sind. Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten für ihren unermüdlichen Einsatz und ihre Unterstützung!

Nachdem die Freiwillige Feuerwehr Huben i.O. fleißig an verschiedensten Bewerben teilgenommen hatte, entschied sich der Ausschuss, sich um die Ausrichtung des Bezirks-Nassleistungsbewerbs 1989 zu bewerben, welcher schlussendlich am 26. und 27. Mai 1989 in Huben stattfand. Weiters richtete man im Jahr 2003 den Atemschutz-Leistungsbewerb, im Juni 2006 gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Matrei i.O. den Landesfeuerwehr-Leistungswettbewerb in Matrei (Tauernstadion) sowie im Juni 2016 wiederum den Bezirks-Nassleistungsbewerb aus.

Ein prägendes Ereignis für die Feuerwehr war der Absturz des TLFA 3000 im Februar 2003. Das Löschfahrzeug, welches mit mehreren Kameraden besetzt war und sich auf dem Weg zu einem Einsatz (Bergung eines Verletzten in Folge eines Absturzes eines Holztransporters) befand, kam – trotz aufgezogener Schneeketten – auf einem spiegelglatten Forstweg vom Weg und stürzte ab. Das Fahrzeug wurde bei diesem Absturz schwer beschädigt und nach anschließender Bergung und Wiederinstandsetzung bzw. Reparatur im September 2003 wieder in Dienst gestellt.

Ein breites Spektrum von Einsätzen (Gebäudebrände, Verkehrsunfälle, Bodenbrandbekämpfung, Wildwasserunfälle, Katastropheneinsätze, sonstige technische Einsätze, sonstige Unterstützungseinsätze) sind heute von den gut geschulten Kameraden zu bewältigen. Trotz der geringen Einwohneranzahl von Huben und Umgebung (Feld, Mattersberg, Moos, Kienburg, Unterpeischlach) und der Tatsache, dass viele Feuerwehrleute auch Mitglieder bei den weiteren Hubener Vereinen (Musikkapelle, Kirchenchor, Eishockeyverein, usw.) sind, kann man mit Stolz behaupten, dass die Gemeinschaft in Huben funktioniert. Alle Einwohner von Huben und Umgebung können sich glücklich schätzen, in einer solchen Gemeinschaft beheimatet zu sein und sich in Sicherheit wiegen zu können.

 

Die im Zuge des 100-jährigen Jubiläums abgehaltene Schauübung am 1. Mai 2024 fand großen Anklang in der Bevölkerung.

 

Aktuell stehen 59 aktive Kameraden und 12 Kameraden in Reserve mit 4 Fahrzeugen rund um die Uhr zur Verfügung. Seit 2023 leitet Alexander Payr die Freiwillige Feuerwehr Huben i.O. Seine Vorgänger in dieser verantwortungsvollen Funktion waren Ernst Riepler (1991 – 2013) und Karl Riepler (2013 – 2023).

 

Text: Alexander Riepler, Fotos: © Freiwillige Feuerwehr Huben, Brunner Images

06. November 2024 um