Mit der Kraft des Wassers: Freilichtmuseum „Alpines Leben“ eröffnet
Am 14.7.2024 konnte das Freilichtmuseum in Innervillgraten offiziell seiner Bestimmung übergeben werden. Die Eröffnungsfeier war Anlass, zwei Ehrenbürgerschaften an verdiente Persönlichkeiten der Gemeinde zu verleihen.
Eine sprichwörtliche „Reise in die Vergangenheit“ erwartet die Besucher:innen des Freilichtmuseums in Innervillgraten. Begehbare Zeugnisse der vorindustriellen Zeit geben Einblicke in die Geschichte des Lebens und Arbeitens im Villgratental. Die Hauptrolle spielen historische, liebevoll restaurierte Ensembles wie die „Lüfter Mühle“, die „Wegelate Säge“, der „Loden-Stampf“, die Almhütte „Riepenkammer“ und der Einhof „Neuhauser“.
Baukultur, Innovation und bäuerliche Arbeitskultur sind der Inhalt der Einrichtungen im Areal zum Eingang ins Arntal in Innervillgraten. Lodenstampf, Mühle, Einhof, Almhütte und Eintrittshaus wurden in den letzten Jahren auf- und umgebaut sowie instand gesetzt. Interessierte Besucher:innen können die einzelnen Stationen – insbesondere die 1883 erbaute, denkmalgeschützte Wegelate Säge als letztes Venezianer-Sägewerk in Österreich – bei Vorführungen erleben und in die faszinierende Geschichte des alpinen Lebens im Villgratental eintauchen.
„Jetzt steht es da, unser Museum,“ freut sich Alois Mühlmann. Er ist der Obmann des federführenden Vereins „Heimatpflege Villgraten“, der in seiner Entstehung auf das Jahr 1986 zurückgeht. Bereits damals war es die Intention der Vereinsgründer, den „Ausverkauf bzw. die Zerstörung bäuerlicher Kulturgüter“ zu stoppen. Im Laufe der Jahre konnten zahlreiche Objekte gesammelt, historische Gebäude erworben, kulturelle Veranstaltungen und Aktionen organisiert und auch ein Bildband gemeinsam mit dem Journalisten Hubert Leischner gestaltet werden. Schon länger keimte in den engagierten Villgrater Bürgern die Idee, auch ein Freilichtmuseum zu installieren. Vor rund 10 Jahren griff man diesen Gedanken erneut auf und stieß beim damaligen Bürgermeister Innervillgratens, Josef Lusser, auf offene Ohren.
Josef Mühlmann, der Obmann des Vereins „Heimatpflege Villgraten“, engagiert sich mit seinen Vereinskollegen schon seit vielen Jahren für die Erhaltung alten Kulturgutes im Tal.
Gemeinsam gelang es, die Finanzierung zu sichern und so schritt man in Kooperation mit dem Land Tirol (GAF), der Landesgedächtnisstiftung, Dorferneuerung Tirol, dem Tourismusverband Osttirol und dem Bundesdenkmalamt, vor vier Jahren schließlich an die Umsetzung. Die notwendigen Restaurierungs- und Bauarbeiten wurden fast ausschließlich von heimischen Betrieben und auf Basis der Expertise lokaler Handwerker ausgeführt. Als Projektträger fungierte die Gemeinde Innervillgraten. Nur aus dem Bemühen und der Zusammenarbeit aller gelang es, das Vorhaben umzusetzen und erfolgreich abzuschließen. So ist nun ein ganz besonderes Freilichtmuseum entstanden, welches viel Wissenswertes und Interessantes über das Leben in den Villgrater Bergen mit all seinen Herausforderungen, Gewerken, Traditionen, landwirtschaftlichen Geräten, Holzbauten und Wirtschaftsweisen erzählt und diese auch erlebbar macht.
Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Dekan Mag. Josef Mair …
… und an Alt-Bgm. Josef Lusser
Im Rahmen der Eröffnungsfeier am Sonntag, 14. Juli, zu der auch DDr. Herwig van Staa von der Landesgedächtnisstiftung anreiste, bedankte sich Bürgermeister Andreas Schett bei allen, die in das Projekt involviert waren, allen voran bei den Mitgliedern des Vereins „Heimatpflege Villgraten“ für die vielen geleisteten Arbeitsstunden. Er nützte den Anlass auch dafür, zwei verdienten Persönlichkeiten der Gemeinde, Alt-Bürgermeister Josef Lusser und Seelsorger Josef Mair, die Ehrenbürgerschaft zu verleihen.
Das Freilichtmuseum ist von Juli bis Oktober immer dienstags um 15.00 Uhr und donnerstags um 10.00 Uhr im Rahmen von Führungen geöffnet. Ab 14. Juli und im August kann das Museum mittwochs, freitags und sonntags von 10.00 bis 16.00 Uhr frei besucht werden. Weitere Informationen unter www.alpinesleben.at
Eine ganz besondere Attraktion ist die Wegelate Säge – ein venezianisches Gatter-Sägewerk. Sie ist die letzte von insgesamt acht wasserbetriebenen Sägemühlen, die einst in Innervillgraten und Umgebung standen.
Der Einhof „Neuhauser“ ist ein authentisches Bauernhaus aus dem Zeitraum zwischen 1700 und 1740. Die vier Wohnräume vermitteln einen lebendigen Eindruck von den Lebensbedingungen zu dieser Zeit. Im Inneren des Einhofs gibt es eine Sammlung von Gerätschaften, Möbeln, und Haushaltsgegenständen, die vom Villgrater Heimatpflegeverein zusammengetragen wurden. Diese Exponate lassen die Vergangenheit wieder aufleben.
Die Lüfter Mühle hat eine lange Geschichte und war ein zentraler Ort für das Mahlen von Getreide in der Region. Sie wurde von den örtlichen Bauern genutzt, um ihr Getreide zu verarbeiten.
Der Lodenstampf war Jahrhunderte lang in Betrieb. Hier wurde die vorgewebte Wolle in heißem Wasser gestampft und gewalkt, bis nach Tagen ein dichter Loden entstand.
Text: A. Hilgartner, Fotos: © Toni Ausserlechner





