Feuerwehr Winklern: Seit 150 Jahren im Dienst am Nächsten
Die Stützpunktfeuerwehr Winklern ist die älteste Wehr im Mölltal und eine der ältesten im Bundesland Kärnten. Das 150-Jahr-Jubiläum wurde Mitte August groß gefeiert.
Rund 40 Mal im Jahr werden die 50 aktiven Mitglieder der Stützpunkt-Feuerwehr Winklern zu Einsätzen gerufen. „Stützpunkt-Feuerwehr bedeutet, dass wir auch überregional zur Hilfeleistung verpflichtet sind. So wird unsere Wehr bei Einsätzen im gesamten Abschnitt Oberes Mölltal mitalarmiert. Wir beherbergen auch die Funkleitstelle und die Atemschutz-Füllstation für den gesamten Abschnitt“, berichtet Fredi Unterdorfer, seit 2003 Kommandant der FF Winklern und gleichzeitig auch Gemeinde-Zivilschutzleiter.
Kommandant Fredi Unterdorfer erhielt bei der 150-Jahr-Feier die Katastropheneinsatz-Medaille in Silber aus den Händen des 1. Landtagspräsidenten Reinhard Rohr.
Gegründet wurde die Feuerwehr Winklern im Jahr 1873. Viel über die Geschichte zu erzählen weiß Sepp Kaufmann, das älteste aktive Mitglied der Wehr. Er war von 1991 bis 2003 Bürgermeister von Winklern und viele Jahre als Kommandant-Stellvertreter der Feuerwehr tätig. „In der Ausschusssitzung vom 11. März 1873 fasste die damalige Gemeindevorstehung den einhelligen Beschluss, die Feuerpolizei und das Löschwesen der Freiwilligen Feuerwehr zu übertragen. Für die Gründungsmitglieder war dieser Auftrag ein schwieriges Unterfangen, weil ihnen damals nur sehr einfaches Gerät zur Verfügung stand. Bis zum Bau des ersten Spritzenhauses im Jahre 1911 war die Ausrüstung in Privathäusern untergebracht“, berichtet der leidenschaftliche Feuerwehrmann.

Bis zum Neubau des Gemeindezentrums 1995 war die Feuerwehr im Gerätehaus im Ortszentrum untergebracht. Heute sind dort historische Gerätschaften ausgestellt. Kommandant Fredi Unterdorfer ist im Alter von 16 Jahren der Feuerwehr Winklern beigetreten. „Ich bin damals über meinen Freundeskreis zur Wehr gekommen. Seit 2005 verfügen wir über eine Jugendfeuerwehr, aus der fast die Hälfte der aktiven Mannschaft kommt. Unser Fuhrpark umfasst unter anderem ein 4.000 Liter Tanklöschfahrzeug und ein Löschfahrzeug mit hydraulischem Rettungsgerät und Seilwinde“, informiert er.

Auf die Aus- und Weiterbildung legt die Feuerwehr Winklern traditionell großen Wert. „Unsere Mitglieder besuchen jährlich rund 30 Kurse an der Landesfeuerwehrschule Klagenfurt. Regelmäßig nehmen wir auch an Wettbewerben teil“, so Unterdorfer. Von einem Highlight der bei Wettbewerben so erfolgreichen Winklerner Florianis weiß Sepp Kaufmann zu berichten. „1966 nahm eine Gruppe unserer Wehr an der Feuerwehrolympiade in Karlovac/Jugoslawien teil und fuhr mit einer Goldmedaille im Gepäck nach Hause ins Mölltal“, freut er sich noch heute über diesen Erfolg.
1966 holten Kameraden der FF Winklern bei der Feuerwehrolympiade in Karlovac/Jugoslawien eine Goldmedaille.
An die Hochwasserkatastrophen im September 1965 und im August 1966 erinnert sich Sepp Kaufmann noch genau. „Damals war unsere Mannschaft besonders gefordert. Durch die starken Niederschläge verwandelte sich der Talboden in einen See und jedes Bächlein in einen reißenden Bach.“ Ihr 150-Jahr-Jubiläum feierte die Stützpunkt-Feuerwehr im Rahmen des Winklerner Kirchtags am Sonntag, 13. August.

Fredi Unterdorfer konnte zum Festakt am Hauptplatz zahlreiche Festgäste, Ehrengäste, Feuerwehrkameraden und Gastfeuerwehren begrüßen. Die Feuerwehren des Abschnittes Oberes Mölltal, die Nachbarfeuerwehr aus Iselsberg-Stronach sowie die Stadtfeuerwehr Lienz erwiesen der jubilierenden Wehr mit Fahnenabordnungen die Ehre, aber auch die Bergrettung und die Trachtengruppe Winklern sowie zahlreiche Kameraden und Funktionäre aus der Gemeinde und dem Bezirk feierten mit. Der 1. Präsident des Kärntner Landtages Reinhard Rohr und der 2. Landtagspräsident Christoph Staudacher waren der Einladung genauso gefolgt, wie der Winklerner Bürgermeister Hans Thaler und Bürgermeister Peter Suntinger aus Großkirchheim.
Zahlreiche Winklerner Florianis wurden bei der Jubiläumsfeier geehrt.
Alt-Bürgermeister Sepp Kaufmann präsentierte die 150-jährige Geschichte der Feuerwehr in prägnant-launiger Weise. Das Highlight des Festaktes war die Verleihung der Katastropheneinsatz-Medaillen durch die beiden Landtagspräsidenten an verdiente Kameraden. Die Katastropheneinsatz-Medaille in Bronze erhielten Patrick Eder, Arno Fleißner, Richard Grogger, Berndt Holzmann, Manuel Oberlassnig, Claus Steiner, Clemens Stotter und Clemens Thaler sowie jenes in Silber Franz Ebner, Herbert Thaler und Fredi Unterdorfer, dem auch für die über 20-jährige Funktionsausübung als Gemeinde-Feuerwehrkommandant und Zivilschutzleiter der Marktgemeinde Winklern besonders gedankt wurde.
Auch die gesamte Feuerwehrführung aus Osttirol wohnte dem Festakt bei. v.l.n.r.: Richard Stefan (Kommandant Stadtfeuerwehr Lienz), Bezirksfeuerwehrkommandant Harald Draxl, Kommandant Fredi Unterdorfer, Bezirksfeuerwehrinspektor Franz Brunner
„Außerordentlich gefreut habe ich mich auch darüber, dass unsere Nachbarfeuerwehr Iselsberg-Stronach, die Stadtfeuerwehr Lienz und die gesamte Feuerwehrführung aus Osttirol dem Festakt zu unserem 150-jährigen Bestehen beiwohnten. Nur durch gelebte Kameradschaft und gute Zusammenarbeit innerhalb der Feuerwehr und über die Gemeinde- und Bezirksgrenzen hinweg kann der Feuerwehr-Einsatzdienst letztendlich zielführend bewältigt und zum Wohle und zum Schutz unserer Bevölkerung durchgeführt werden“, betont der Kommandant abschließend.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: FF Winklern, Elias Bachmann