Feuerwehr Matrei i.O. feiert Jubiläum „50 Jahre Bretterwand-Kreuz“

Vor 50 Jahren errichteten die Kameraden der FF Matrei auf der Bretterwandspitze ein Kreuz. Das Jubiläum wird am 29. August gefeiert. Außerdem wird die Wehr heuer 150 Jahre alt.

Als „Feuerwehr-Kreuz“ wird das 7,80 Meter hohe Metallkreuz auf der Bretterwandspitze (2.887 Meter) auch bezeichnet. Am Kreuzfuß ist eine Metalltafel mit der Inschrift „Zum Gedenken an die verstorbenen Feuerwehrkameraden und zum Schutz vor Murbrüchen“ angebracht. Am 18. Juli 1970 besorgten die Feuerwehrmänner Peter Berger, Heinrich und Jörgl Forstlechner, Josl Frandl, Franz Gyarmati, Jakob Presslaber, Albert, Alois und Hermann Raneburger, Paul Steiner, Fredi und Peter-Paul Wibmer sowie Hans Wiesler den beschwerlichen Transport und die Aufstellung des Metallkreuzes. Kostenlos angefertigt hatten das Kreuz zuvor Adolf Oberschneider, Sebastian Fuetsch und Franz Gyarmati. Die Materialkosten in Höhe von 2.000 Schilling übernahm zur Gänze Feuerwehrkamerad Anton Ranacher. Am 1. August 1970 segnete Dekan Cons. Josef Holaus das christliche Symbol auf der Bretterwandspitze.

 

1. August 1970: Dekan Cons. Josef Holaus segnet das von den Feuerwehrkameraden errichtete Kreuz auf der Bretterwandspitze.

 

„Das 50-Jahr-Jubiläum des Bretterwand-Kreuzes feiern wir am 29. August im Rahmen unserer diesjährigen Bretterwandmesse, die Pfarrer Ferdinand Pittl zelebrieren wird. Die Musikkapelle Matrei gestaltet den Gottesdienst musikalisch. Die Feier unseres 150-jährigen Bestandes haben wir aufgrund der Corona-Vorschriften auf 2021 verschoben“, so Martin Köll, der das Amt des Feuerwehr-Kommandanten Anfang des Jahres von Michael Köll übernommen hat.

 

 

150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Matrei

Die Matreier Feuerwehr wurde 1870 gegründet und 1872 in die Liste der Tiroler Feuerwehren eingetragen. Seit damals werden die Kommandanten gewählt und in Standeslisten geführt. Aus den ersten Bestandsjahren sind vor allem große Brandereignisse und das Bemühen um eine zeitgemäße Ausrüstung verzeichnet.

 

Ein Bild vom Großbrand in Matrei im Jahre 1897

 

1893 brannte der Ortsteil Bichl bis auf ein Gebäude nieder. Vier Jahre später vernichtete eine verheerende Brandkatastrophe den Markt. Große Brände in den Fraktionen Prossegg und Berg folgten. 1932 brach am „Aschenberg“ ein Waldbrand aus, dessen Bekämpfung die Feuerwehr 15 Tage lang beschäftigte. Besonders viele Einsatztage, nämlich 54, verzeichnete die Feuerwehr Matrei bei den Hochwasser-Ereignissen in den Jahren 1965 und 1966.

 

Brand beim Gaber im Neumarkt im Jahre 1973

 

In die letzten 50 Jahre fallen die Großbrände beim Mühlbachler in Klausen (1970), beim Gaber im Neumarkt (1973), beim Gamswirt in Zedlach (1975), beim Harpfer und beim Oman (1983), beim Jösen in Zedlach (1985), beim Unterholzer in Feld (1986), beim Wolsegger (1991), beim Fröser in Prossegg (1996), im Weiler Preßlab (2011), der Brand des Hüeterstadls im Ortsteil Grieß (2013) und der Großbrand beim Kölln am Klaunzerberg im Jahre 2015.

 

Ein altes Foto mit Feuerwehrmännern und Kommandanten sowie den ehemaligen Bürgermeistern Alban Bichler (links) und Florian Köll (rechts)

 

Im Gemeindearchiv der Marktgemeinde Matrei finden sich noch Rechnungen aus den Jahren 1870 bis 1875, die den Ankauf von Gerätschaften – wie Leitern, Schaufeln und Kübel – belegen. In den Matrikelbüchern der Pfarre ist im Frühjahr 1913 eine erste „Florianiprozession“ – als Bittgang gegen Feuersbrunst – zum 1611 erbauten Bachkirchl verzeichnet. Die Kapelle ist dem Heiligen Florian, dem Schutzpatron der Feuerwehr, geweiht. Sie wurde von der Feuerwehr Matrei immer wieder erweitert und ist alljährlich Ziel von Bittgängen zum Schutz gegen Feuer und Murbruch.

 

Bild von einer Übung vor dem alten Feuerwehrhaus in der Tauerntalstraße mit Kommandant Gregor Steiner

 

Die Freiwillige Feuerwehr Matrei heute

Heute besteht die Feuerwehr Matrei aus 97 Aktiven und 19 Reservisten. Anton Ranacher ist Ehrenmitglied und Heinrich Forstlechner Ehrenkommandant. Abschnittskommandant Michael Köll übergab nach langjähriger Tätigkeit im Jänner 2020 das Kommando an Martin Köll und sein neues Team. „Im Schnitt der letzten zehn Jahre wurden jährlich 70 Einsätze abgearbeitet, bei etwa 20 davon handelt es sich um Brandeinsätze. Heuer steht unser ,Einsatzzähler‘ aktuell bei 42″, berichtet der junge Kommandant Martin Köll.

 

Der neue Ausschuss v.l.n.r.: Schriftführer Daniel Oberwalder, Kdt.-Stv. Martin Holzer, Kommandant Martin Köll, Kassier Andreas Gwiggner

 

Feuerwehr Matrei sucht neue Florianijünger

„Wir suchen junge Frauen und Männer für die Mitarbeit bei der Feuerwehr. Die Ausbildung ist hochwertig, abwechslungsreich und in vielen Lebenslagen nutzbar. Bei der Feuerwehr üben und arbeiten Frauen und Männer quer durch alle Altersgruppen und Berufsbilder freiwillig und gemeinsam für Hilfsbedürftige in der Gemeinde“, bittet Martin Köll, sich für Ausbildung und Mitarbeit zu melden. „Feuerwehr“ stehe vor allem auch für eine starke Gemeinschaft und biete viele Möglichkeiten, Kameradschaft zu leben.

„Bei der Einstellung von neuen Mitarbeitern wird verstärkt auch auf soziale Kompetenzen geschaut. Erfahrungen beweisen, dass sich freiwillig engagierte Menschen auch in ihr berufliches Umfeld besser einfügen“, so der Kommandant.

 

„50 Jahre Bretterwand-Kreuz 1970 – 2020″ – Bretterwandmesse mit Pfarrer Ferdinand Pittl
Samstag, 29. August 2020, 10.00 Uhr, beim Bretterwand-Kreuz

Kostenlose Mitfahrgelegenheit ab 6.00 Uhr vom Rauterplatz bis zu den Edelweißwiesen.
Bei Schlechtwetter wird das Kreuzjubiläum am 19. September mit Diakon Memo gefeiert.

 

Der Bretterwandbach

Einst galt der Bretterwandbach (auch Burgerbach genannt) als gefährlichster Wildbach Österreichs. Nach starkem Regen oder Hagelschlag führte er große Geröllmassen heran und vermurte beim Eintritt in den Ortsbereich Häuser und Felder stark. Nachdem sie mehrmals vermurt wurden, weisen manche Häuser in Matrei bis zu drei „Kellergeschosse“ auf. Auf die zerstörten und zugeschütteten Geschosse wurden nämlich neue aufgesetzt.

Den Bewohnern von Preßlab, einem Weiler in 1.595 Metern Seehöhe, kam vor der Errichtung der umfangreichen Verbauungen die Aufgabe zu, die Bewohner des Marktes vor Ausbrüchen des Bretterwandbaches zu warnen. So signalisierten die Bewohner der hochgelegenen Höfe den Marktbewohnern durch das Schwenken großer Tücher oder durch das Abfeuern von Böllerschüssen, wenn Gefahr drohte.

Wegen der starken Vermurungen wurden in den vergangenen Jahrzehnten am Verlauf des Bretterwandbaches umfangreiche Wildbach- und Lawinenverbauungen errichtet. Da eine Mure des Bretterwandbaches bis zu 120.000 Kubikmeter Schlamm, Erde und Steine umfassen kann, besitzt alleine die Kalkofensperre ein Aufnahmevolumen von 100.000 Kubikmetern. Allein in den Jahren vor 2011 wurden mehr als zehn Millionen Euro in die Verbauung des Wildbaches investiert. An den Brücken wurden Schiebetore installiert, die auf Knopfdruck die für den Verkehr notwendigen Lücken der Verbauung schließen. Über ein bevorstehendes Hochwasser bzw. eine Mure warnen Sensoren und Messstationen an sensiblen Punkten des Baches.

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Freiwillige Feuerwehr Matrei

11. August 2020 um