Eisenbahnmuseum Lienz: „Lok trifft Brille: Ikonen ihrer Zunft im zweiten Leben“

Die Sonderausstellung im Eisenbahnmuseum Südbahn Heizhaus in Lienz verbindet die robuste Technik der Diesellokomotive ÖBB-Reihe 2043 und die filligrane Kunst der Brillenrestaurierung. Eröffnung am Samstag, 28. Juni.

Kultur lebt vom Erhalt und der Wertschätzung unserer Geschichte – und genau das zeigt diese einzigartige Ausstellung im Eisenbahnmuseum eindrucksvoll. Es handelt sich um ein Interreg-Dolomiti-Live Projekt mit dem Titel „Opti-Rail“, das der Verein der Eisenbahnfreunde Lienz in Zusammenarbeit mit „Certottica“ organisiert.

Hier begegnen sich zwei faszinierende Welten: die robuste Technik einer historischen Diesellokomotive und die filigrane Kunst der Brillenrestaurierung. Beide Exponate sind eindrucksvolle Zeugnisse menschlicher Schaffenskraft und Handwerkskunst, die mit viel Liebe zum Detail und großem Respekt vor dem Original wieder zum Leben erweckt wurden.

Die Diesellokomotiven der ÖBB-Reihe 2043 prägten über zwei Jahrzehnte lang den Personen-, Schnell- und Güterverkehr in Lienz. Die Zugförderungsstelle Lienz spielte dabei eine zentrale Rolle in der Erprobung und Wartung dieser Maschinen. 2014 erwarben die Eisenbahnfreunde Lienz die Lok 2043.49, um dieses bedeutende Stück regionaler Eisenbahngeschichte zu bewahren.

Nach der Wiederherstellung der Rollfähigkeit wurde die Lok umfassend restauriert – eine Aufgabe, die zahlreiche Herausforderungen mit sich brachte. Die Ausstellung dokumentiert die aufwändige Überholung der Drehgestelle und die dabei überwundenen Hürden. Die wichtigste Erkenntnis: Nur durch sorgfältige Planung, fachgerechte Arbeit und großes Engagement lassen sich historische Lokomotiven trotz technischer Herausforderungen und fehlender Ersatzteile originalgetreu und sicher erhalten.

Viele historische Brillen des 20. Jahrhunderts, heute in öffentlichen und privaten Sammlungen, bestehen aus empfindlichen Kunststoffen wie Zelluloseacetat oder Zellulosenitrat. Diese Materialien reagieren sensibel auf Licht, Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen. Besonders Nitrat (Zelluloid) ist anfällig für Zersetzung, was zu Rissen, Brüchen, Vergilbung und Oberflächenveränderungen führen kann. Zudem entstehen bei der Zersetzung säurehaltige Dämpfe, die weitere Schäden verursachen und sogar benachbarte Objekte angreifen können.

Die Restaurierung solcher Artefakte beginnt mit einer gründlichen Reinigung und umfasst konservatorische Maßnahmen, um den Verfall zu verlangsamen. Leider gibt es bislang keine reversiblen und dauerhaft wirksamen Restaurierungstechniken. Die effektivste Konservierung wäre eine Lagerung bei niedrigen Temperaturen und im Dunkeln – was jedoch eine öffentliche Präsentation erschwert.

Die Sonderausstellung „Lok trifft Brille: Ikonen ihrer Zunft im zweiten Leben“ macht eindrucksvoll sichtbar, wie unterschiedlich und doch ähnlich der Erhalt technischer und kunsthandwerklicher Kulturgüter ist. Sie lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, den Wert des Bewahrens und die Herausforderungen der Restaurierung hautnah zu erleben.

 

Sonderausstellung „Lok trifft Brille: Ikonen ihrer Zunft im zweiten Leben“

Eröffnung: Samstag, 28. Juni 2025, 10.30 Uhr

Eisenbahnmuseum Südbahn Heizhaus, Bahnhofsplatz 10, 9900 Lienz

 

 

Text: Redaktion, Foto: Verein der Eisenbahnfreunde in Lienz

24. Juni 2025 um