Dölsach: Spannende Schaugrabung in der alten Römerstadt Aguntum
Zahlreiche Interessierte folgten am 24. Juli der Einladung des Vereins Curatorium Pro Augunto zu einer Schaugrabung mit Grabungsleiter Univ.-Ass. Prof. Dr. Michael Tschurtschenthaler.
Zunächst gab Michael Tschurtschenthaler einen allgemeinen Überblick zur einzigen römischen Stadt im heutigen Tirol und über die Entwicklung der wissenschaftlichen Grabungen. „Aguntum wurde um die Mitte des 1. Jahrhunderts nach Christus unter Kaiser Claudius zur Stadt erhoben. Wissenschaftliche Grabungen finden hier seit 1912/13 statt. Das Österreichische Archäologische Institut führte ab etwa 1950 systematische Grabungen durch. 1991 hat die Uni Innsbruck im Rahmen der Regionalisierung die Arbeiten übernommen, und seit 2008 habe ich die Grabungsleitung inne”, so Tschurtschenthaler. Der Fokus wurde bei der Führung auf das so genannte „Forum” gelegt, neben dem Handwerkerviertel der bedeutendste freigelegte Teil der Stadt.
Univ.-Ass. Prof. Dr. Michael Tschurtschenthaler: „Das Österreichische Archäologische Institut hat unter Rudolf Egger östlich der Stadtmauer eine frühchristliche Kirche ausgegraben. Diese Grabung wurde später zugeschüttet. Ziel ist es, diese Kirche wieder freizulegen.”
„Aguntum war das wirtschaftliche und politische Zentrum des Gebietes, das das heutige Osttirol umfasste und sich bis in das Gebiet der Mühlbacher Klause im Pustertal erstreckte. Das Forum wurde bereits bei der Gründung von Aguntum errichtet und war das wichtigste öffentliche Gebäude der Stadt. Mitte des 3. Jahrhunderts ist es abgebrannt. Nachdem man damit plötzlich über kein Wirtschafts- und Verwaltungszentrum mehr verfügte, wurde westlich des Forums der so genannte Prunkbau errichtet. 2006 haben wir begonnen, das Forum auszugraben”, erklärte der Grabungsleiter. Nach dem Forum wurden in der Römerstadt nach und nach die Stadtmauer, das Straßennetz, ein Thermengebäude und das so genannte „Macellum” – also ein Marktgebäude – gebaut. „Der Großteil dieser Bauten wurde im 1. und 2. Jahrhundert errichtet, als Aguntum eine Blütezeit erlebte. Im 3. und 4. Jahrhundert ist der Wohlstand gesunken, und es gab auch zunehmend militärische Probleme an den Außengrenzen des Reiches”, berichtete Tschurtschenthaler.

Das Grabungsteam besteht aus WissenschaftlerInnen des Instituts für Archäologien, Studierenden und Hilfspersonal. „Hier in Aguntum handelt es sich auch um eine Lehrgrabung. Eine Teilnahme an den Grabungsarbeiten gehört bei uns am Institut für jeden Studenten zur Grundausbildung im Ausgrabungswesen”, so Tschurtschenthaler. Er erklärte auch die Vorgangsweise, nachdem Mauerteile freigelegt wurden. „Die Ziegel werden entnommen und sortiert. Dann kommen die verschiedenen Ziegelarten – wie etwa Dach- oder Brandziegel – in verschiedene Kübel und werden abgewogen. Die meisten Ziegel werden hier in Aguntum deponiert, einige kommen zur detaillierteren Untersuchung nach Innsbruck. Rund 2,3 Tonnen Ziegel haben wir zum Beispiel bei den Grabungen im Sommer 2018 einem Raum im Ausmaß von etwa 26 m² entnommen – bei ca. 1,5 Tonnen des Materials handelte es sich um Dachziegel”, berichtete der Grabungsleiter.
Univ.-Ass. Prof. Dr. Michael Tschurtschenthaler und Geschäftsführer Dr. Manfred Hainzl (rechts) luden am Mittwochvormittag, 24. Juli, zur Schaugrabung in den Archäologischen Park.
Nach erfolgter Grabung werden die Original-Mauern wieder zugeschüttet und darauf neue Mauern, die dann im Archäologischen Park zu besichtigen sind, errichtet. „Die Mauern werden aus Bachsteinen, die hier im Bereich von Aguntum entnommen werden, gebaut. Und auch diese Mauern verfallen wieder. Die Erhaltung kostet ungefähr das Fünffache der Mittel, die für die Grabung aufgewendet werden”, so Michael Tschurtschenthaler.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger







