Dölsach: Neue Rätsel nach Grabungssaison in der Römerstadt Aguntum
Am Areal der Therme wurde ein Platz in ovaler Form teilweise frei gelegt. Welchem Zweck dieser Bereich in der alten Römerstadt diente, ist fraglich.
Zum Abschluss der Grabungssaison 2022 in Aguntum luden Grabungsleiter Dr. Martin Auer und Museums-Leiter Dr. Manfred Hainzl am 17. August zu einem Mediengespräch. Insgesamt sieben Wochen lang haben Studierende und Archäolog*innen der Universität Innsbruck sowie Teilnehmer*innen der Summer School in der Römerstadt in Dölsach Grabungen durchgeführt. „Über das Weiterbildungs-Projekt Summer School wollen wir uns immer mehr international vernetzen. Unter anderem haben heuer Teilnehmer*innen aus den USA, Taiwan, Indien, Spanien und England hier in Aguntum gearbeitet“, informierte Auer.
Die Grabungen im Bereich des Händlerforums wurden fortgesetzt. „Der zentrale Platz ist nun zu etwa zwei Dritteln freigelegt. Was wir am Ende der letzten Grabungssaison als Wasserbecken bezeichnet haben, dürfte ursprünglich ein Kellerraum gewesen sein. Später dürfte das kleinere Becken als Wasserbecken genutzt worden sein“, erklärte der Grabungsleiter. Im Vorjahr wurden diese zwei Becken freigelegt. Das ursprüngliche Becken hat ein Ausmaß von etwa 7 mal 7 Metern, eines in der Größe von ca. 5 mal 5 Metern wurde vermutlich später eingebaut.

Weiter gegraben wurde auch im Handwerkerviertel und am Areal der Therme. An der Süd-West-Ecke der Therme wurde eine etwa 1,5 Meter hohe Mauer freigelegt. „Bereits in den 1970er-Jahren wurden hier erstmals Mauern entdeckt. Nun haben wir hier weiter gegraben. Es handelt sich um einen Platz in ovaler Form. Die Länge dürfte circa 60 bis 70 Meter betragen. Etwa ein Viertel dieses Ovals ist nun freigelegt. Welche Funktion dieser Platz gehabt haben könnte, gibt uns Rätsel auf. Für ein Amphitheater ist die Lage im Zentrum der Stadt eher ungewöhnlich. Denkbar wäre eventuell auch eine sportliche Stätte. Aber das müssen wir alles erst genauer untersuchen“, so Dr. Martin Auer.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger