Die Caritas Tirol hilft seit 120 Jahren, Armut zu lindern

In Osttirol ist die Caritas seit Beginn der 1970er-Jahre mit einer Beratungsstelle vertreten. Wir unterhielten uns mit Regionalstellenleiterin Gertraud Holzer.

Die Caritas Tirol begeht 2023 ihren 120. Geburtstag. 1903 wurde die Organisation als „Tiroler Karitasverband – Barmherzigkeit“ ins Leben gerufen. Unmittelbarer Anlass der Gründung waren die damals so zahlreichen obdachlosen, z.T. verwahrlosten und von Alkoholproblemen geprägten Straßenkinder in Innsbruck. Engagierte Menschen wollten daran etwas ändern, setzten sich die Armenfürsorge zum Ziel – und leisteten damit Pionierarbeit. Die Caritas Tirol gilt als die älteste Caritas-Organisation in Österreich.

 

 

„Im Bezirk Lienz hat sich Anfang der 1970er-Jahre eine kleine Caritas-Beratungsstelle entwickelt, die zunächst im alten Bildungshaus in der Angerburg in Lienz untergebracht war. Heute hat unsere Organisation ihren Sitz in der Antoniusgasse. Im Rahmen unserer Beratungsstelle sind wir mit vier Mitarbeiterinnen der Familienhilfe und mit Michaela Huber von der Pfarrgemeinde-Caritas im Einsatz“, berichtet Gertraud Holzer, die seit dem Jahr 2016 die Caritas-Regionalstelle Osttirol leitet.

 

Gertraud Holzer leitet seit 7 Jahren die Caritas-Regionalstelle Osttirol in der Antoniusgasse in Lienz.

 

Kostenlose Leistungen in der Sozialberatung

Die Angebote der Caritas im Bereich Sozialberatung sind für alle Menschen kostenlos. „Mit der Sozialberatung sollen Lebensgrundlagen abgesichert und Lebenssituationen nachhaltig verbessert werden. Wir beraten über sozialrechtliche Ansprüche zur Existenzsicherung, wie z.B. die Mindestsicherung, den Energiekostenzuschuss und die Mietzinsbeihilfe, und informieren auch über mögliche Gebührenbefreiungen. Wenn es notwendig ist, hilft die Caritas auch mit finanziellen Unterstützungen oder mit Gutscheinen für den Sozialladen Lienz.“

Hilfestellung für Familien

Bei Betreuungsengpässen und zur Entlastung in Familien, z.B. im Krankheitsfall, bei einer Operation, bei der Geburt eines Kindes oder bei Überlastung, kommen die Caritas Familienhelferinnen ins Haus. „Durch Spendengelder, Gemeindebeiträge und Sponsoren ist es möglich, den Selbstbehalt der Familien sozial verträglich anzupassen“, lässt Gertraud Holzer dazu wissen.

 

 

Zu den vielfältigen Aufgabenstellungen der Caritas zählen auch die Familien- und Lebensberatung, die Katastrophenhilfe sowie die Hilfe für pflegende Angehörige. Über die Katastrophenhilfe kann rasch und unbürokratisch Hilfestellung geleistet werden, wenn etwa ein Brand, ein wetterbedingtes Extremereignis, wie z.B. eine Mure, oder ein anderes Unglück zur finanziellen Katastrophe geführt haben.

„Pflegende Angehörige finden durch ehrenamtliche Besuchsdienste, Beratungen, Fortbildungen sowie Erholungswochen Entlastung. Die Projekte der youngCaritas ermöglichen Jugendlichen den ersten Schritt in ein freiwilliges Engagement“, so die Regionalstellenleiterin. „In Kooperation mit dem Bildungshaus Osttirol bieten wir in der Freiwilligenarbeit Fortbildungen, Schulungen und Vorträge an. Wichtig sind in diesem Zusammenhang auch die Begegnung und der Austausch der freiwillig Tätigen.“

 

 

39 Prozent mehr Beratungen

Not sehen und handeln – und Hilfe von Mensch zu Mensch ermöglichen. Das ist aktuell notwendiger denn je, wie Gertraud Holzer betont. „Immer mehr Menschen brauchen unsere Hilfe, weil sie sich Essen, Heizen und Miete infolge der massiven Teuerungswelle nicht mehr leisten können. Das zeigt sich auch in einem Anstieg der Zahlen in der Sozialberatung: Von Oktober 2022 bis September 2023 haben in Tirol 2.372 Personen 5.218 Beratungen in Anspruch genommen, was einen Anstieg um 39 Prozent im Vergleich zum Vorjahres-Zeitraum bedeutet.“

Vor allem Alleinerzieherinnen, Familien mit mehreren Kindern und PensionistInnen müssten, wie sie sagt, jeden Euro zweimal umdrehen. „Sie werden von Mietpreiserhöhungen, gestiegenen Lebensmittel- und Energiepreisen überrollt und kämpfen Monat für Monat ums Auskommen. Wir versuchen, den Menschen in schwierigen Lebenssituationen zur Seite zu stehen. Niemand sollte sich scheuen, unsere Beratungsstelle aufzusuchen“, appelliert sie abschließend an jene, die Hilfe benötigen. „Unsere Beratungsangebote sind für alle Menschen kostenlos und vertraulich – unabhängig von Herkunft, Geschlecht und Religion!“

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: AdobeStock/Usmanify, AdobeStock/Medienzunft Berlin, Caritas Fotoarchiv, Martin Lugger

04. Dezember 2023 um