Dem Himmel so nah: Die Hofalmkapelle im Debanttal

„Sie sendet Signale Gottes“ – so lautet der Sinnspruch, den die Initiatoren der Kapelle in der Hofalm verewigt haben – als Anregung für alle, die das kleine Gotteshaus besuchen.

Rund um die Entstehung des Sakralbaues ranken sich einige interessante Begebenheiten und Geschichten, die es wert sind, erzählt zu werden. Die Idee, im Debanttal eine Kapelle zu errichten, geht auf den Unternehmer Josef „Pepi“ Staffler zurück. Nach einem persönlichen „Damaskus-Erlebnis“ beschloss der im Bezirk Lienz als „Fellhändler“ bekannte Osttiroler, ein christliches Sinneszeichen zu hinterlassen und gelobte, eine Kapelle zu bauen. Da er die Hofalm seit jeher als Viehort schätzte, fragte Staffler bei der Agrargemeinschaft Hofalm um Erlaubnis an, sein Gelöbnis hier einlösen zu dürfen.

 

Die Osttiroler Bergsteigerlegende Sepp Mayerl (14.4.1937 – 28.7.2012), vielen auch als „Blasl Sepp“ bekannt

 

Für die bauliche Umsetzung gelang es ihm, den Dölsacher Josef Mayerl zu gewinnen. Der in Bergsteigerkreisen als „Blasl Sepp“ weitum bekannte Kirchturmdecker und Sanierer der Anna-Schutzhütte zog wiederum seinen Freund, DI Helmut Leierer aus Hollabrunn, hinzu. Neben Sponsor, Bauleiter und Architekt gehörten dem Baukomitee auch die Mitglieder der Agrargemeinschaft Johann Pfurner, Johann Gumpitsch, Hans Lugger und Bgm. Andreas Pfurner sowie Karl Müller als Vertreter der Alt-Debanter an. Als Bauplatz wurde ein Hügel oberhalb der Kuppe der kleinen „Steinstadt“, 40 Meter westlich der Hofalm-Hirtenhütte gewählt, als Kirchenpatron entschied man sich für den Hl. Bartholomäus, den Patron der Viehhüter.

 

Architekt Helmut Leierer, ein Freund der Famile Mayerl, fungierte als kreativer Gestalter und Ratgeber des Gesamtprojektes.

 

Nachdem die architektonischen Pläne, die unter dem Motto „natürlich und schlicht“ standen, Anfang September 2006 behördlich genehmigt waren und der Baubescheid vorlag, fiel der Startschuss für die Bauarbeiten. Die Bausteine aus den umliegenden Almwiesen und dem großen Steinkar wurden mit einer speziellen Seilbahn zum Bauplatz verbracht und das notwendige Zirben- und Lärchenbauholz, rund um die Hofalm geschlägert, zur Bearbeitung ins Tal geliefert.

Im Laufe des Winters 2006/2007 standen Arbeiten wie die Ausführung der Deckenbretter, Eingangstüre sowie der Inneneinrichtung auf dem Programm. Als man im Mai 2007 wieder vor Ort tätig werden konnte, verunglückte Bauleiter Sepp Mayerl schwer. „Sepp wollte den Wipfel einer Zirbe absägen, um diesen als Kreuzbalken im Inneren der Kapelle verwenden zu können“, erinnert sich Architekt Helmut Leierer, verheiratet mit einer Osttirolerin, zurück. Er war vor Ort und alarmierte die Rettungskräfte. Die Bergung des Schwerverletzten verlief extrem schwierig, er musste schließlich mit dem Hubschrauber geborgen und ins Krankenhaus überstellt werden. „Sobald es ihm möglich war, kehrte mein Mann auf die Baustelle zurück“, berichtet Maria Mayerl und zeigt uns bei unserem Besuch in ihrem Wohnhaus am Iselsberg auch den Baumstumpf mit Inschriften-Tafeln im Garten, der als sichtbares Zeichen an den damaligen, letztendlich glücklich überstandenen Unfall erinnert. Der Wipfel des Baumes dient, wie von Sepp Mayerl gewünscht, heute als von der Natur geformtes Kreuz für den aus dem Grödental stammenden Christus-Korpus im Inneren der Hofkapelle.

 

Vor dem Wohnhaus am Iselsberg erinnert ein Baumstumpf mit Inschriften-Tafeln im Garten von Maria Mayerl an die Geschehnisse vom 19. Mai 2007.

 

Trotz wiederholter Schlechtwetterperioden schritten die Arbeiten am Kirchlein im Frühjahr 2007 voran. Für die Baggerarbeiten in schwierigem Gelände zeichnete die Fa. Tschapeller verantwortlich. Die Maurerarbeiten am kleinen Gotteshaus im Debanttal fanden in der ersten Julihälfte ihren Abschluss, die Dachkonstruktion führte die Zimmerei Weingartner aus. Was folgte, waren die Ausstattung mit Altar, Bänken, mit Christus am Kreuz, Madonnen-Relief und Bartholomäus-Statue. Das Wandfresko mit der „Verklärung am Berg Tabor“ schuf ein Kärntner Künstler. Rund um den Sakralbau entstanden ein Vorplatz, ein Alm-Naturgarten, eine kleine „Felsenstube“ mit Brunnen und ein Holzkreuzzaun. „Die gesamte Kapellenanlage fügt sich harmonisch in die Debanttaler Steinlandschaft ein“, betont Helmut Leierer. „Sie kann, neben der Innergschlößer Kapelle, als zweite Osttiroler Steinkapelle bezeichnet werden.“

 

Den Christus-Korpus aus Zirbenholz, geschaffen vom Bildhauer Vigil Oberbacher aus St. Ulrich/Grödental, „trägt“ der Wipfel jenes Zirbenbaumes, der dem Blasl Sepp beinahe zum Verhängnis geworden wäre.

Fresko mit der Verklärung am Berg Tabor

 

Die vielen freiwilligen Helfer, die mit unzähligen „Schichten“ zur Realisierung des Vorhabens beitrugen, will Maria Mayerl abschließend nicht unerwähnt lassen. „Sie alle haben, ebenso wie die Fachfirmen, die Spender von Sachgütern und Geldmitteln, dazu beigetragen, dass das Kirchlein heute Wanderern und Bergsteiger einen so schönen Raum für ein Innehalten bietet.“

Die Kapelle zum Hl. Bartholomäus bei der Hofalm im Debanttal wurde am 15.8.2007 feierlich eingeweiht, über 800 Menschen nahmen teil. In der eigens dafür gestalteten Festschrift schrieb Pfarrer Toni Mitterdorfer: „Ich wünsche dem Kirchlein, dass sein Signal empfangen werden kann – von Menschen, die beten und staunen können, und von jenen, die suchen, ringen und so Ermutigung erfahren.“

 

Die Hofalm beherrscht den Talschluss des Debanttales und ist mit 1.013 Hektar eine der größten Almen Tirols. Heute beherbergt sie auch ein kleines Almmuseum. Rund 40 Meter weiter westlich der Alm liegt die Kapelle.

 

 

Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: © Martin Lugger, Archiv Mayerl

17. August 2021 um