Dachsbracken: Treue Begleiter auf der Jagd – und im Leben
Der Klub Dachsbracke feiert heuer sein 125-Jahr-Jubiläum. Die Geschäftsführung des Klubs liegt seit vielen Jahren in den Händen von Osttirolern.
Wenn der österreichische Klub Dachsbracke vom 17. bis 19. Juni 2022 im steirischen Mariazell das 125-jährige Bestehen feiert, dann werden unter den hunderten Klubmitgliedern sowie Ehrengästen aus ganz Europa auch zahlreiche Persönlichkeiten aus dem Bezirk Lienz, aus Oberkärnten und dem Pinzgau zu finden sein. Bereits seit vielen Jahren liegt die Geschäftsführung des Klubs in Osttiroler Händen. Vor drei Jahren hat Ing. Andreas Angermann aus Nußdorf-Debant das Amt in Nachfolge des langjährigen Geschäftsführers Peter Mattersberger aus Matrei i.O. übernommen.
„Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht die Alpenländische Dachsbracke, eine österreichische Jagdhunderasse mit sehr alten Wurzeln“, informiert Andreas Angermann. Der Debanter, seit Oktober 2021 in der Abteilung Umwelt und Zivilschutz der Stadtgemeinde Lienz tätig, stammt, wie er schmunzelnd meint, aus einer typischen Dachsbracken-Familie. „Ich bin praktisch mit Hunden aufgewachsen“, berichtet er und erzählt, dass sein Vater schon seit den 70er-Jahren Dachsbracken züchtet und aktiver Leistungsrichter ist. „Auch mein Bruder und ich sind begeisterte Klubmitglieder. Walter führt bereits seine zweite Dachsbracke und ist selbst Züchter und Leistungsrichter. Die Dachsbracken-Begeisterung hat aber auch schon auf meine Nichte, also auf die nächste Generation, übergegriffen.“
Andreas eigene und erste Dachsbracke ist eine Hündin und inzwischen acht Jahre alt. „Emma stammt aus dem Zwinger des Kärntner Landesleiters“, spricht er die für Dachsbracken sehr wichtige, reinrassige Abstammung an. Der gelernte Förster, der nach seiner Tätigkeit bei der Bezirksforstinspektion in Lienz an die Landwirtschaftskammer Tirol in Innsbruck wechselte und später mehr als 18 Jahre als Ranger im Nationalpark Hohe Tauern arbeitete, streicht die vielen Vorteile der Hunderasse heraus. „Ich kann mir für mich persönlich keine andere vorstellen“, sagt er und nennt Verlässlichkeit, einen ausgeprägten Familiensinn, vor allem auch gegenüber Kindern, sowie eine entsprechende jagdliche Passion als besonders herausragende Eigenschaften der Dachsbracken. Gerne erinnert er sich an viele schöne Erlebnisse und an „perfekte jagdliche“ Einsätze mit Emma zurück.
Ing. Andreas Angermann mit seiner Dachsbracken-Hündin Emma
Die Jagd ist für Andreas Angermann Hobby und Leidenschaft zugleich. „Ich bin seit dem Abschluss der Försterschule im Jahre 1999 Jäger, seit 2004 Aufsichtsjäger und seit heuer Hegemeister im Hegebezirk Debanttal“, lässt er wissen und meint, dass Dachsbracken schon seit vielen Jahrzehnten geschätzte Begleiter insbesondere von Bergjägern sind. „Als kleine, handliche Gebrauchshunde lassen sie sich selbst in schwierigstem Gelände nicht aus der Ruhe bringen und gehen ungerührt ihrer Aufgabe nach. Natürlich können sie manchmal etwas stur sein, im Prinzip sind sie aber freundliche und zufriedene Tiere. Sie lieben die Bewegung an der Seite ihres Menschen, sind auf der Pirsch aufmerksam und stets in Bereitschaft.“
Bei der Jagd werden Dachsbracken, die nur an Jäger abgegeben werden, hauptsächlich zur so genannten „Schweißarbeit“ sowie zur „Lauten Jagd“ auf Hase und Fuchs eingesetzt. Aufgrund ihres unerschrockenen Wesens kommen sie auch bei der Bewegungsjagd auf Schwarz- und Rotwild sehr häufig zum Einsatz. „Schweißhunde heißen deshalb so, weil Schweiß in der Jägersprache Blut bedeutet“, erläutert Andreas Begriffe aus der Jägersprache. „Die historische Bezeichnung für Schweißhunde ist wiederum Bracke. Sie war bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts üblich.“ Heute wird mit Bracke nur noch ein bestimmter Typ von Jagdhunden bezeichnet. Europaweit zählt man 70 verschiedene Bracken-Rassen, in Österreich sind es mit der Dachsbracke, der Brandlbracke, der Tiroler Bracke, der Steirischen Rauhaarbracke sowie dem Pinscher fünf.
Der Dackel ist die kleinste Form der Bracke, ebenfalls ausgestattet mit all den jagdlichen Eigenschaften seiner Ahnen. Eine wichtige Aufgabe der Dachsbracken ist es, als Schweißhunde verletztes Wild bei der so genannten „Nachsuche“ aufzuspüren und zu stellen. Die Hunde zeichnen sich durch einen außergewöhnlich guten Geruchssinn, durch große Ruhe und Finderwillen aus. „Ein ausgebildeter Schweißhund ist in der Lage, am nächsten Tag und auch bei Regenwetter verletztes Wild selbst in kilometerweiter Entfernung zu finden“, so Andreas Angermann. Häufig wird er, wie viele seiner Kollegen aus dem Klub, zu einer Nachsuche gerufen. „Wenn es darum geht, verletzte Tiere nach Autounfällen aufzufinden, werden wir verständigt und machen uns mit unseren treuen Begleitern von der Unfallstelle aus auf den Weg. Das unters Auto gekommene Wild ist oft nicht tot, aber so schwer verletzt, dass es von seinen Leiden erlöst werden muss“, erklärt der passionierte Jäger, was zu tun ist.
Auf das Jubiläumsfest in Mariazell freut sich Andreas, wie er abschließend meint, sehr. Als aktives Mitglied seit 2014 und als Geschäftsführer seit 2019 schätzt er das aktive Mitgestalten im Klub, die Gemeinschaft mit den anderen Hunde-Führern und den nationalen wie internationalen Austausch. „Unsere Klubmitglieder sind ganz normale Jäger und Hundeführer, die sich in ihrer Freizeit unentgeltlich für die Dachsbracken-Rasse einsetzen. Für uns gibt es keine besseren Gefährten“, betont er abschließend.
Der Klub Dachsbracke
Es ist einem reinen Zufall zu verdanken, dass sich 1910 im Rahmen einer Wiener Jagdausstellung eine Reihe von Liebhabern der Dachsbracke zusammenfand, um den seit 1896 bestehenden „Internationalen Dachsbrackenklub“ in „Klub Dachsbracke“ umzubenennen. Der Klub überdauerte beide Weltkriege und verfolgt bis heute das damals gesteckte Ziel, nämlich die Reinzucht und Verbreitung der Alpenländischen Dachsbracke.
Die Aktivitäten des Klubs sind die Organisation von Ausstellungen, die Abhaltung von Gebrauchsprüfungen, Hundeführerkursen und Übungstagen sowie die Teilnahme an diversen Veranstaltungen, die von anderen, der FCI angehörenden Vereinigungen durchgeführt werden. Weiters gehören die Planung und Lenkung der Zucht aller österreichischen Zwinger sowie die Führung eines Klub-Zuchtregisters, die Vermittlung von An- und Verkäufen von Dachsbracken, die Ausbildung sowie Schulung von Leistungsrichtern für Alpenländische Dachsbracken in Zusammenarbeit mit dem ÖKV und dem ÖJGV und nicht zuletzt die Zusammenarbeit mit Vereinigungen, die in anderen Staaten dasselbe Ziel verfolgen, zu den Aufgaben des Klubs.
Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: privat