Bildungshaus Osttirol neu: Ort der Bildung und Begegnung für den ganzen Bezirk Lienz
Das Pfarrhaus St. Andrä wurde generalsaniert und so gestaltet, dass das Bildungshaus Osttirol hier eine neue Heimat findet. Herzstück des neuen Bildungszentrums ist ein großer Saal.
Seit Jänner 2023 wurde das Pfarrhaus St. Andrä in Lienz unter der Leitung von Architekt DI Paul Senfter (M9 Architekten/Innsbruck) generalsaniert und die Raumstruktur derart gestaltet, dass das Bildungshaus Osttirol (BHO) integriert werden konnte. „Es haben sehr viele mitgeholfen, dass hier in etwas mehr als einem Jahr ein neues Begegnungs- und Bildungszentrum für den ganzen Bezirk entstehen konnte. Viele Einzelpersonen, aber auch Vereine, wie verschiedene Feuerwehren und die Schützen, haben bei Abbruch- und Ausräumarbeiten tatkräftig mitgeholfen“, freut sich Dekan Dr. Franz Troyer.
Ab Donnerstag, 4. April, findet man das Bildungshaus Osttirol an seinem neuen Standort mit der Adresse Pfarrgasse 6. Das Pfarrhaus hat weiterhin die Adresse Pfarrgasse 4. Der Großteil der neuen Räume des BHO befindet sich im Parterre. Büroräume und der Seminarraum II sind im 1. und 2. Stock des Nordflügels untergebracht.
Pfarrhaus St. Andrä
Das Pfarrhaus St. Andrä gehört zu den historisch wichtigen Gebäuden in Lienz. Der nördliche Teil ist 800 Jahre alt und wurde wohl zeitgleich mit der romanischen Kirche (Einweihung 1204) errichtet. Der Eingangsbereich zum Bildungshaus ist mit seinen Gewölben gotisch geprägt und stammt aus der Zeit, in der die Pfarrkirche vergrößert und gotisiert wurde (Einweihung 1457).
Der südliche Teil des Hauses ist ca. 250 Jahre alt. Auch hier gibt es eine zeitliche Verbindung zu den Bauarbeiten in der Pfarrkirche. Der Altarraum wurde im 18. Jahrhundert barockisiert und von Josef Adam Mölk mit einem Gewölbefresko ausgestattet, das mit 1761 datiert ist.
„Die Herausforderung war, aus den alten und neuen Gebäudeteilen eine Einheit zu bilden. Ein Restaurator hat unter der Leitung des Denkmalamtes alle Räume aus der gotischen Zeit restauriert – also den Eingangsbereich, die Cafeteria und die Pfarrküche. Eine wichtige Aufgabe war auch die äußere Restaurierung. Größere Teile an ganz alter Substanz wurden bei der letzten Restaurierung in den 1960er-Jahren entfernt. Nun ging es darum, die historischen Spuren wieder freizulegen. Die neue Fassadengestaltung entspricht einem würdigen Haus aus der Barockzeit. So wurde auch die Dachdeckung mit roten Ziegeln im südlichen Bereich erneuert. Eckquaderungen und Fensterflächen wurden angebracht“, informiert Architekt Paul Senfter.
Architekt DI Paul Senfter: „Gewölbe geben den Räumen aus der gotischen Zeit den typischen Charakter. Der Erhalt und die Restaurierung der Gewölbe im Eingangsbereich, in der Cafeteria und in der Pfarrküche waren uns in Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt und dem Restaurator wichtig.“
Saal mit 155 m²
Herzstück des neuen Bildungszentrums ist der große Saal, der im ehemaligen Innenhof neu gebaut wurde. Der Raum ist durch eine mobile Holzwand abtrennbar, sodass der vordere Teil (100 m²) separat genützt werden kann. „Architektonische Schwerpunkte des Saales sind Holzelemente, die mit der westlichen Wand, den Türen und der Decke auch für optimale Akustik sorgen. Hier wurde ein Eichenmassivholzboden mit Fischgrät-Muster verlegt. In den alten Gewölberäumen ist der Boden aus Gussterrazzo“, so der Architekt.
Vom Saal aus kommt man zum Seminarraum I, zur Cafeteria, zur Pfarrküche und zum Behinderten-WC. Die östliche Seite des Saales bietet aufgrund der großen Glaswand einen herrlichen Blick auf Lienz. Dem Saal ist an der Ostseite eine große überdachte Terrasse vorgelagert, die für Pausen und für Feste genützt werden kann.
An der Südseite des Saales befindet sich der Seminarraum I (75 m²). Das große Fenstertor an der Südseite öffnet den Blick zum Lienzer Hausberg Spitzkofel. Dieses Tor war die ehemalige „Hofeinfahrt“ zum Pfarrhaus St. Andrä. „Der Saal und der Seminarraum I bieten Platz für rund 200 Personen. Werden diese Räumlichkeiten bei Veranstaltungen zu klein, können wir bei Bedarf auch schnell und flexibel in die Kirche ausweichen. Den Saal stellen wir auch Gruppen und Vereinen für Veranstaltungen – wie z.B. Vorträge oder Konzerte – zur Verfügung“, so der Dekan.
Der Seminarraum II (52 m²) befindet sich im 2. Stock. „Die Trennung der Räume über zwei Stockwerke macht es möglich, dass zeitgleich laute und leise Veranstaltungen stattfinden können, ohne sich gegenseitig zu stören – z.B. eine Chorprobe im einen und eine Meditation im anderen Raum“, informiert Franz Troyer.
Garten und Eingangsbereich
Wer in das neue Bildungshaus kommt, betritt zunächst den modernen Vorraum, der durch die vielen Glasflächen den Blick zum Garten freihält. Dieser kann auch von den Besucherinnen und Besuchern mitgenützt werden. „Wert wurde auch darauf gelegt, einen überdachten Vorbereich zu schaffen, der als Treffpunkt vor dem Haus auch bei schlechtem Wetter genutzt werden kann. Der Eingang zum Pfarrhaus bleibt separat, wurde aber neu gestaltet, um die Wertigkeit des Eingangsbereiches zu betonen“, informiert der Architekt.
Dekan Dr. Franz Troyer: „Das Pfarrhaus sehe ich als Ort der Information für die Pfarre, das Bildungshaus als Ort der Bildung für ganz Osttirol. Beide Häuser sind natürlich als Orte der Begegnung zu verstehen, in denen jede und jeder herzlich willkommen ist.
Gesamtensemble St. Andrä
Das gesamte Areal rings um die Pfarrkirche St. Andrä bildet mit der Kirche, dem Pfarrhaus, dem Friedhof, dem Kirchenwirt und dem Kirchplatz eine einladende Einheit, die nun durch das Bildungshaus Osttirol ergänzt wird. „Mit Veranstaltungen zu religiösen, sozialen und kulturellen Themen sowie den Schwerpunkten Pilgern und Heimat soll das Bildungshaus zu einem Begegnungsort für die Bevölkerung aus dem gesamten Bezirk werden. Das Bildungshaus Osttirol sehe ich einerseits als Standbein, das aktiv wird, und andererseits als Sprungbein, das mit seinem Angebot in alle 33 Osttiroler Gemeinden ausstrahlt“, fasst der Dekan zusammen.
Investiert wurden in die Revitalisierung des Gebäudekomplexes und in das neue Bildungshaus Osttirol insgesamt 5,1 Mio. Euro. Öffentliche Gelder sind von der Tiroler Landesregierung, der Landesgedächtnisstiftung, dem Bundesdenkmalamt und der Stadt Lienz in das Projekt geflossen. „Mit 2 Mio. Euro hat die Diözese Innsbruck einen großen Teil finanziert und damit das klare Signal ausgesendet, dass ihr der Bezirk Lienz und die Bildung am Herzen liegen. Besonders freue ich mich auch, dass die Osttiroler Gemeinden mit 3 Euro pro Einwohner beachtlich zur Finanzierung beigetragen haben. Dazu kamen großzügige Spenden aus der Bevölkerung und Gelder der Pfarre St. Andrä“, so Franz Troyer.
Am 24. und 25. Mai 2024 erfolgt die feierliche Segnung und Eröffnung des renovierten Gebäudes und des neuen Bildungshauses Osttirol.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger