Bergrettung und Med-Uni Wien testen für Reanimationsstudie in Lienz und Kals

Ziel ist es, die Qualität von Herzdruckmassagen im Tal und in extremer Höhe bzw. nach einsatzbedingtem Aufstieg zu vergleichen. Die Vergleichstests in Osttirol sind eine Premiere.

Insgesamt 20 Bergretter und vier Bundesheer-Soldaten des Hochgebirgsjägerbataillons 24 sind am 17. und 18. Juni als Probanden im Einsatz, um Daten für die Studie „Auswirkungen einer körperlichen Belastung in Höhenexposition auf die Qualität der Cardiopulmonalen Reanimation” zu sammeln. Heute Montag werden im neuen Bergrettungsheim in der Pfister Tests durchgeführt, morgen steigen die Probanden auf die Erzherzog-Johann-Hütte, mit 3.454 Metern Seehöhe die höchstgelegene Schutzhütte Österreichs, auf. „Die Teams werden von der Lucknerhütte auf 2.241 Metern bis zur Adlersruhe aufsteigen und dort die Reanimationen durchführen. Insgesamt sind 10 Zweierteams von Bergrettungs-Ortsstellen aus Osttirol, Kärnten und Salzburg sowie zwei Teams des Jägerbataillons 24 im Einsatz”, erklärte der Osttiroler Bergrettungs-Bezirksleiter Peter Ladstätter.

 

v.l.n.r.: Oberst Bernd Rott (Kommandant Hochgebirgsjägerbataillon 24), Dr. Alexander Egger (Bundes-Begrettungsarzt), Univ.-Prof. Dr. Harald Herkner, Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Schreiber, Landes- und Bezirksbergrettungsarzt Dr. Josef Burger, Bergrettungs-Bezirksleiter Peter Ladstätter

 

„Ziel der wissenschaftlichen Arbeit ist es, die Auswirkungen von extremer Höhe und körperlicher Anstrengung auf die Effektivität von Herzdruckmassagen zu ermitteln”, so Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Schreiber. Heute werden die Bergretter und Soldaten die Reanimationen mit Hilfe der mechanischen Reanimationshilfe Lucas in Lienz auf rund 670 Metern Seehöhe durchführen und morgen auf der Adlersruhe am Großglockner.  „Wir freuen uns, dass wir im Rahmen unserer Sicherheitspartnerschaft mit der Bergrettung eingeladen wurden, an diesen Tests teilzunehmen. Wir erhoffen uns Erkenntnisse, nach denen wir eine Strategie bzw. ein Regelwerk für die Durchführung von Herzdruckmassagen im Hochgebirge bzw. bei körperlicher Belastung erarbeiten können”, erklärte Bernd Rott, Kommandant des Jägerbataillons 24.

 

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Schreiber (links): „Ziel dieser wissenschaftlichen Arbeit ist es, die Auswirkung von extremer Höhe  auf die Qualität von Herzdruckmassagen zu ermitteln. Im Speziellen wird die Auswirkung vorangehender körperlicher Belastung und die damit einhergehende physische Belastung des Helfers evaluiert.”

 

Zunächst werden verschiedene Daten der Probanden erhoben. „Es geht dabei etwa um die Grundfitness, das Alter, den Body-Mass-Index, die Herzfrequenz, den Blutdruck oder die Sauerstoffanreicherung des Blutes. Alle Messungen – mit Ausnahme der Grundkondition – werden sowohl hier im Tal als auch auf der Adlersruhe erfasst”, so Schreiber. Die Ergebnisse der Studie sollen als Grundlage in die Erstellung von Reanimationsleitlinien mit dem besonderen Aspekt der großen Höhe einfließen. „Wir sind schon seit längerer Zeit mit den Kollegen von der Med-Uni Wien in Kontakt und freuen uns, dass wir derartige Tests in Zusammenhang mit Herzdruckmassagen in großen Höhen und unter körperlicher Belastung hier in Osttirol durchführen können. Vom Bezirkskrankenhaus Lienz sind mit mir fünf Ärzte in die Studie miteingebunden”, so Dr. Josef Burger, Bezirks- und Landes-Bergrettungsarzt.

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger

17. Juni 2019 um