Bergrettung Lienz zog Bilanz über Jahr mit viel Arbeit
43 Einsätze hatten die Lienzer BergretterInnen 2017 abzuwickeln. Besonders fordernd sind derzeit die Arbeiten am Neubau des Bergrettungs-Heimes in der Pfister.
Zusammen mit seinem Team lud Thomas Zimmermann nach seinem ersten Jahr als Ortsstellenleiter der Bergrettung Lienz am Freitag, 23. Februar, zur Jahreshauptversammlung in den Lehrsaal der Feuerwehr Lienz. „43 Einsätze, unzählige Bereitschaftsdienste und vor allem auch der Neubau unseres Bergrettungs-Heimes haben uns im vergangenen Jahr mehr als gefordert. Unsere Kameraden haben unzählige Schichten auf der Baustelle geleistet. Ich denke, dass dafür gesamt ähnlich viel Freizeit geopfert wurde, wie für Einsätze und Übungen“, so Thomas Zimmermann einleitend.
Ortsstellenleiter Thomas Zimmermann: „Durch die Veränderungen in der Arbeitswelt wird es immer schwieriger, dass Bergretter für Einsätze von der Arbeit wegkommen. Trotzdem konnten alle 43 Einsätze aufgrund unseres hervorragend aufgestellten Einsatzleiter- und Ausbildungsteams bestens abgewickelt werden.“
Besonders gefordert waren die Lienzer Bergretter auch bei den beiden Großveranstaltungen Dolomitenmann und Ski-Weltcup. „Beim Dolomitenmann war fast die ganze Ortsstelle im Einsatz, beim Weltcup waren über 50 Mann vor Ort. Speziell beim Dolomitenmann haben wir gesehen, dass E-Bikes äußerst hilfreich sein können. Wir werden uns deshalb solche anschaffen. E-Bikes können z.B. auch bei Sucheinsätzen sehr nützlich sein“, so Zimmermann. Er sprach auch an, dass durch das geänderte Freizeitverhalten die Einsätze zunehmen würden. „Über 80% unserer Einsätze betreffen Touristen. Ich glaube, es ist auch ein Qualitätsmerkmal für eine Tourismusregion, wenn man sich darauf verlassen kann, dass einem geholfen wird, wenn man in Bergnot gerät“, betonte der Ortsstellenleiter.
Einsatzleiter Christof Ortner: „Mehr als 10 Mal mussten wir 2017 in die Galitzenklamm ausrücken. Erschöpfung und Überforderung zwingen hier die Kletterer oft zum Aufgeben. Sieben Mal mussten wir Kletterer aus dem Klettersteig Dopamin bergen. Dort kommen sie meist im Schweinebauch-Überhang nicht mehr weiter.“
Für das Einsatzleiter-Team berichtete Christof Ortner, der vorerst wegen anderer Verpflichtungen als Einsatzleiter ausscheidet. „Bei 43 Einsätzen haben unsere Kameraden insgesamt 1.125 Stunden geleistet. Durchschnittlich waren pro Einsatz elf BergretterInnen im Einsatz. Der Sucheinsatz im Debanttal im Bereich Gößnitzscharte war in Bezug auf die Einsatzstunden neben dem Weltcup am Hochstein der umfangreichste. Bekanntlich ist die Kommunikation im Debanttal schwierig, trotzdem konnten wir auch diesen Nachteinsatz erfolgreich abwickeln“, so Ortner. Bei 26 Übungen haben durchschnittlich 21 Lienzer BergretterInnen 2.364 Stunden geleistet. „Den Fokus haben wir 2017 auf das Thema Hubschrauber gelegt. Ein- und Aussteigen, Verhalten beim Landeanflug und beim Starten, Einweisen, Fliegen am Tau und vieles mehr stand auf dem Programm. Die Hauptübung wickelten wir mit der Libelle Klagenfurt bei den Neualplseen ab. Wir sind sehr froh, dass wir jetzt auch im Nationalpark mit Hubschrauber üben dürfen“, so Stefan Stern.
Ortsstellenleiter-Stv. Stephan Senfter: „Beim Neubau des Bergrettungs-Heimes sind wir stolz, dass wir durch viel Eigenleistung und Eigenfinanzierung mit der Kostenschätzung durchkommen. Land Tirol und Stadt Lienz haben uns als Vorreiter bei den Förderungen sehr geholfen. Damit unsere Rücklagen nicht zur Gänze aufgebraucht werden, planen wir eine Bausteinaktion für das Bergrettungs-Heim.“
Clemens Troyer berichtete von der Lawinenhundestaffel. „In unserer Ortsstelle sind zwei Hundeführer mit ihren Hunden im Einsatz. Zwei Lawinen- und zwei Sucheinsätze haben wir 2017 abgewickelt. Dazu kamen je 13 Winter- und Sommerübungen. Bergrettungs-Arzt Josef Burger berichtete, dass ein Alpin-Medic-Kurs Ende September erstmals in Osttirol über die Bühne gehen wird. „Der Kurs findet von 28. bis 30. September auf der Karlsbaderhütte statt. Erstmals wird ein Alpin-Medic-Kurs außerhalb des Jamtals durchgeführt“, so Burger. Ortsstellenleiter-Stv. Stephan Senfter koordiniert die Arbeiten am Neubau des Bergrettungs-Heimes in der Pfister. „Derzeit sind wir mit Innenausbau-Arbeiten beschäftigt. Unsere Bergretter haben unzählige Stunden für den Neubau geleistet, und ich darf mich für diese Doppelbelastung Einsätze/Übungen und Baustelle herzlich bedanken. Ich schätze, dass wir unser neues Heim im kommenden Sommer, spätestens aber im Herbst, beziehen können“, so Senfter.
Zum Jubiläum 15 Jahre Nachttourenlauf Tristach bedankten sich Vertreter des SV Dobernik Tristach bei der Bergrettung Lienz mit einer Spende von 1.500 Euro.
Anschließend mussten noch die 2017 vorgezogenen Wahlen bestätigt werden. Einstimmig wurde Thomas Zimmermann zum Ortsstellenleiter gewählt. Stephan Senfter und Roland Mitteregger sind in der nächsten 3-Jahres-Periode seine Stellvertreter. Kassier ist Martin Januschke und Schriftführer Stephan Schlemmer. Geehrt wurde Einsatzleiter Martin Presslaber für 25 Jahre Mitgliedschaft. Michael Kurzthaler und Franz Mattersberger wurde für 40 Jahre Einsatz bei der Bergrettung gedankt. Heinz Kandlhofer, Franz Rienzner und Johann Wibmer wurden für 50 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Georg Bruckner und Walter Mair, die 60 Jahre bei der Bergrettung Lienz Mitglied sind, haben sich für den Abend entschuldigt.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger