Auf den Spuren des Bergbaues in der Iseltaler Gemeinde Schlaiten
Der Schlaitner Bürgermeister Ludwig Pedarnig erzählte uns von der Spurensuche nach „Knappen, Stollen und Erzvorkommen“ in seiner Heimatgemeinde.
„Ich kann mich noch gut an meine Schulzeit erinnern und daran, dass wir im Unterricht lernten, dass Schlaiten ein alter Bergbauort sei“, erwähnt Ludwig Pedarnig einleitend und macht auf Hinweise in der Baustruktur alter Gebäude bzw. auf Sagen aufmerksam, die mit der Bergbaugeschichte des Dorfes in Verbindung gebracht werden können. „Einige Häuser im Schlaitner Ortsteil Göriach mit besonders ausgeprägten Gewölben werden in der Bevölkerung heute noch als ,Knappenhäuser‘ bezeichnet. Erzählt wird auch die Sage vom Hl. Paulus, der das Knappenvolk nach einem ausschweifenden Leben zur Vernunft brachte ebenso wie jene, die sich um eine Silberzeche bzw. um das ,Venedigermandl‘ ranken, das angeblich alljährlich zu Pfingsten zum Gridling-Hof gekommen sein soll.“
Gemeinsam mit Leopold Gantschnig, der über ein umfangreiches Wissen zu Brauchtum, Holzbringung und Bergbau im Michelbachtal verfügt, hat Pedarnig schon vor einiger Zeit damit begonnen, Fakten rund um die Bergbaugeschichte seiner Heimatgemeinde zu sammeln. Mit hilfreichen Informationen und Unterlagen zum Thema wurden die beiden von Alois Ingruber aus Ainet versorgt. Aus jüngerer Zeit konnte der frühere Waldaufseher Alois Niedertscheider viel Interessantes erzählen. „Was wir heute sicher wissen, ist, dass in Schlaiten einst Edelmetalle wie Gold und Silber, aber auch Kupfererz sowie Magnet- und Arsenkies abgebaut wurden“, so der Schlaitner Bürgermeister. „In einer Fundkarte für das Gebiet des heutigen Osttirol für die Zeitspanne zwischen dem 2. Jahrtausend vor und 800 Jahre nach Christi Geburt sind im Bereich von Schlaiten und Alkus bereits einige Bergwerke eingezeichnet. Schriftliche Quellen und damit konkrete Hinweise für den Bergbau in Schlaiten gibt es jedoch erst ab dem Jahre 1434.
Die Hofstelle vlg. Gridling in Göriach wird im Volksmund auch heute noch als „Knappenhaus“ bezeichnet.
In einer schriftlichen Quelle aus dem Jahre 1512 sind 20 Gruben in Schlaiten angeführt. Das Bergwerk am Rötlstein wurde nachweislich um das Jahr 1550 eröffnet und stand lange Zeit aufgrund des reichen Ertrages in hoher Blüte.“ Eine nachgewiesene Bergbautätigkeit gab es in Schlaiten auch unterhalb der Kråßfelder, im so genannten Måtlingtål und im Wirtswald zwischen den Gruber- und Kråß-Wiesen. Diese Knappenlöcher können heute noch begangen und besichtigt werden. Der Einsturz von Teilen der Gruben und ein Brand um 1570 hätten dann allerdings den Erzabbau weitgehend lahmgelegt, so der Bürgermeister, und er spricht weitere Details der örtlichen Bergbaugeschichte an: „1588 wurden größere Grubenanteile verkauft und der Bergbau in Schlaiten dann 1620 großteils aufgelassen.“
Abbauberechtigungen wurden früher in „Freischurflagerungskarten“ verzeichnet – im Bild jene vom Michelbachtal und von Göriach/Schlaiten.
Im vergangenen Jahrhundert noch aktiv sei, so Pedarnig weiter, der Freischurf des Andrä Gomig am Göriachbach im Mitterwald nahe der Roßlucke gewesen. „Lange Zeit wies früher eine Tafel an dieser Stelle auf die Bergbautätigkeiten hin.“ Nicht unweit davon, oberhalb der Hofstelle vlg. Gasser, bestand, wie Aufzeichnungen beweisen, ein gold- und silberhältiges Magnetkiesvorkommen. Proberesultate bestätigten einen Gehalt von 24 Gramm Gold und 35 Gramm Silber pro Tonne Erz. Hinweise auf weitere Erzvorkommen (in den Gruben im Michelbachtal) finden sich in Freischurflagerungskarten. Ludwig Pedarnig dazu: „Ein Bericht aus dem Jahre 1892 belegt, dass der Lehrer Josef Putz – ein unermüdlicher Forscher nach Bergschätzen im Iseltal – einen seiner Freischurfe im Michelbachtal an eine bayrische Gesellschaft verkauft hat. Einige Zeit später wurde Arsenkies im Michelbachtal entdeckt. Besitzer war der Baron Ludwig von Callenberg. In den Karten wurde der Name als ,Grubenfeld Ludwig‘ eingetragen, und bis heute hat sich der Flurname ,Ludwigs Grubenfeld‘ erhalten.
Der Hauptstollen soll nach verschiedenen Angaben bis zu 80 Meter lang gewesen sein. Die Erze bzw. der Arsenkies wurden mit einem Pochhammer zerkleinert, der Antrieb erfolgte über Wasserkraft.“ 1939 wurde eine Begehung der zu dieser Zeit schon nicht mehr aktiven Arsenkieslagerstätte durchgeführt. In einer Niederschrift führte man insgesamt sieben Bereiche auf und stellte sie in einer Skizze dar. Einige Schürfstollen waren damals schon verbrochen bzw. eingemurt. Eine Neuaufschließung des Abbaues erfolgte allerdings nie, wenngleich in der Folgezeit trotzdem, zumindest in kleinerem Ausmaß, Arsenkies abgebaut wurde. Das daraus gewonnene Arsen war in Tirol und der Steiermark auch unter dem Namen „Hidrach – Hittrauch“ (Hüttenrauch) bekannt. Über Venedig ließ sich das destillierte Arsen, dem man eine aufputschende und verjüngende Wirkung zusprach, in früheren Zeiten bis in den Orient verkaufen.
Wanderung ins Michelbachtal auf den Spuren des Bergbaues und der Holzbringung früherer Zeiten im Oktober 2017
„Die intensive Beschäftigung mit alten Unterlagen hat uns das Bild einer sehr vielfältigen und interessanten Bergbaugeschichte vor Augen geführt“, äußert sich Ludwig Pedarnig abschließend zum Ergebnis der Recherchearbeit. Er freut sich auch darüber, dass das Interesse in der Bevölkerung zu diesem Thema groß sei. „Dies hat auch eine vielbesuchte Veranstaltung im Oktober 2017 gezeigt. An der Wanderung ins Michelbachtal mit Erklärungen zu den Themen Holzbringung in früherer Zeit und Bergbau nahmen rund 65 Interessierte teil.“
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute, Gemeinde Schlaiten/privat

