Alter Brauch: Vom „Wetterläuten“ in der Marktgemeinde Sillian
Gemeinsam mit seinem Vater hat der Feuerwehrmann Peter Huber 1990 das „Wetterläuten“ mit den sechs Glocken der Pfarrkirche „Maria Himmelfahrt“ wieder aufleben lassen.
Das so genannte „Wetterläuten“ war früher im Alpenraum weit verbreitet. Es lag einerseits im (Aber-)Glauben begründet, dass man mit geweihten Glocken Unwetter durch Läuten vertreiben und Blitzeinschlag verhindern könne. Ein anderer Hintergrund des Läutens der Kirchturmglocken war es, die Bevölkerung bei Gefahr zu alarmieren, also ein akustisches Warnsignal auszusenden.

„Der Brauch des Wetterläutens hat sicher viel mit ,Glauben‘ zu tun. Hier in Sillian sagt man, dass die Wolken weniger werden, wenn es läutet“, sagt Peter Huber und erklärt, dass seiner Erfahrung nach der Klang der Glocken, wenn ein Unwetter mit Blitz und Donner heranzieht, eine beruhigende Wirkung auf viele Menschen habe. „Dem einen oder anderen gibt es ein Gefühl der Sicherheit, wenn man während einer akuten Bedrohung, bei Unwetter, Starkregen, Blitz und Donner, seine Anliegen oder auch seine Ohnmacht in Gottes Hände legen darf. Davon berichten mir die Leute immer wieder“, so Huber. Er freut sich, wenn er positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhält.

„Manchmal bekomme ich schon kurze Zeit, nachdem die ersten Glockenklänge zu hören waren, ein Vergelt’s Gott auf mein Handy. Nicht selten werde ich später auch auf der Straße angesprochen oder jemand bringt mir kleine Geschenke wie Hauswürstl oder eine Schachtel Zigaretten vorbei.“ Der Pustertaler ist unmittelbar neben der Sillianer Pfarrkirche aufgewachsen und lebt auch heute noch dort. „Als Ministrant habe ich dem Mesner immer beim Wetterläuten zugeschaut. Später ist dieser Brauch in Vergessenheit geraten, bis mein Vater im Jahr 1990 wieder damit begonnen hat. 1997 bin ich in seine Fußstapfen getreten und habe diese Aufgabe von ihm übernommen.“

Ziehen dunkle Wolken vom Thurntaler heran und künden Blitz und Donner ein Gewitter an, dann eilt Peter von seinem Wohnhaus in die Sakristei. „Beim Wetterläuten werden alle sechs Glocken des Sillianer Kirchturmes gleichzeitig geläutet“, lässt er wissen und informiert, dass die vier großen Glocken „vorschwingen“ müssen. Da kann es manchmal auch vorkommen, dass das Unwetter mittlerweile abzieht. „Dann ist das Läuten nicht mehr notwendig“, so der Sillianer.

Heuer hat sich der engagierte Wetterläuter schon 23 Mal auf den Weg gemacht, sechsmal hat er wirklich geläutet. Als Zugskommandant der örtlichen Feuerwehr kann er auch von Einsätzen berichten, die mit Unwettern in Zusammenhang stehen. Tief in seiner Erinnerung verankert ist der 6. Dezember 2020. „Es war ein Sonntag. Nach einigen Tagen mit starkem Schneefall hat es intensiv zu regnen begonnen. Unser Bürgermeister hat mich angerufen und gebeten, dass ich läuten solle. Zu diesem Zeitpunkt lag schon so viel Schnee, dass es schwierig war, in die Sakristei zu gelangen. Nach dem Wetterläuten hat unser Dekan auch einen Wettersegen gespendet.“

Seit dem heurigen Jahr erhält Peter übrigens Unterstützung durch eine Bekannte, die am Köckberg in Arnbach wohnt. „Sie kann etwa zehn Minuten früher als ich sehen, wenn aus Richtung Thurntaler Gefahr durch dunkle Wolken, starken Wind oder Regen aufkommt. Wenn dies der Fall ist, ruft sie mich an oder schickt mir eine Nachricht aufs Handy“, meint er zur Hilfestellung, die er sehr zu schätzen weiß. Das Interesse von Seiten der Bevölkerung ehrt ihn. Manchmal erhält er auch Anfragen, ob man ihn begleiten dürfe. „Diesen Wunsch kann ich aber leider nicht erfüllen, weil es bei herannahendem Unwetter immer ganz schnell gehen muss“, so Peter Huber abschließend.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute