Holzfuhrwerken – eine alte Tradition wird im Mölltal neu belebt

Holzführen wie anno dazumal – im Oberkärntner Mölltal lässt der Pferdezuchtverein K23 diese historische Winterarbeit der Bauern wieder aufleben.

 

Mit Muskelkraft, Zappin, Kette, Ratzel und dampfender Pferdestärke wurde früher das Holz aus den Wäldern geholt – eine viel Kraft und Geschick fordernde, nicht ungefährliche Arbeit, die in den vergangenen Jahrzehnten jedoch vielerorts in Vergessenheit geraten ist. Im Oberkärntner Mölltal ist dies anders: Hier beschäftigen sich Pferdehalter bereits seit einigen Jahren wieder mit dieser bewährten, naturschonenden Art der Holzbringung. „Besonders in Waldgebieten mit sensiblen Ökosystemen wie Quellschutzgebieten oder mit unwegsamen Geländeformen ist das Holzfuhrwerken die beste Art, das Holz aus dem Wald zu bringen“, betont Sabine Ponholzer vom Pferdezuchtverein K23, der seinen Sitz in Winklern hat. Die gebürtige Winklernerin, die heute mit ihrer Familie in Großkirchheim lebt, engagiert sich seit 2019 als Obfrau. „Bei uns zu Hause stehen sechs Pferde im Stall“, erklärt die Besitzerin eines Pinto-Warmblutes ihren Zugang und berichtet, dass der 1950 gegründete Pferdezuchtverein K23 aktuell 64 Mitglieder zählt. „Uns alle verbindet die große Liebe zu Pferden“, sagt sie und betont, dass das vorrangige Ziel des Vereins die Zucht der Rassen „Noriker“, „Haflinger“, „Warmblut“ und „Pinto“ ist.

 

 

Gemeinsam mit den Mitgliedern des Vorstandes ist Sabine Ponholzer darum bemüht, Erfahrungen und Wissenswertes auch an die jungen Pferdehalter weiterzugeben und alte Techniken zu trainieren. „Wir können von großem Glück sprechen, dass es bei uns im Verein noch Leute gibt, die z.B. das alte Handwerk des Holzfuhrwerkens vor Jahrzehnten und heute noch als tägliche Arbeit ausüben und somit über das notwendige Können und Wissen verfügen.“

 

 

Dass diese Arbeit nichts für schwache „Muckis“ und Nerven ist und ein besonderes Gespür zwischen Fuhrmann und Pferd erfordert, davon konnten sich über 1.000 Interessierte aus der gesamten Oberkärntner Region, aus Ost- und Südtirol bereits im Februar 2020 bei einer vom Verein organisierten Veranstaltung im Gradental/Gemeinde Großkirchheim überzeugen. „Die teilnehmenden Pferdehalter hatten ihre Noriker- und Haflingerstuten extra für dieses Event herausgeputzt. Felle, Mähnen und Pferdegeschirre glänzten in der Wintersonne um die Wette“, erinnert sich die Obfrau zurück. Sie erzählt auch davon, dass die Pferdehalter in originalen Lodenhosen mit Leder- oder Lodengamaschen, mit Wolljankern, festem Schuhwerk und schneidigen Lodenhüten ein absoluter Blickfang für die ZuschauerInnen entlang des Fuhrweges waren.

 

 

Nicht ums Publikumsinteresse, sondern um einen Kurs für Vereins-Mitglieder ging es am 10. Dezember 2022 auf den tiefverschneiten Apriacher Almen im Gemeindegebiet von Heiligenblut. Im Vordergrund standen das alte Handwerk des Holzführens und die Wissensvermittlung, welche Handgriffe, Techniken und Abläufe dabei die richtigen sind. „Beim rund einstündigen Aufstieg zu den Almen schneite es leicht, was der guten Stimmung aber keinen Abbruch tat“, lässt Sabine Ponholzer wissen. „Wir zählten 22 TeilnehmerInnen und drei Gespanne mit je einem Zugpferd. Die alte Tradition spricht jede Altersklasse an – die älteren Semester, die früher selbst noch Holz führten, die mittleren Semester, die dieses alte Handwerk aus Erzählungen kennen, aber auch die Jüngeren, die sich wieder dafür zu interessieren beginnen.“ Vor Ort gab es zunächst eine allgemeine Einführung durch erfahrene Holzfuhrwerker. In drei Gruppen geteilt, wurden dann mit Pferdehaltern und Waldbauern die einzelnen Arbeitsschritte – vom Einschirren der Pferde, über das Einspannen des Schlittens bis hin zum Aufladen des Holzes – geübt. Während der Fahrt mit den Zugtieren wurde demonstriert, wie man ein Fuhrwerk mit Voraussicht, Geschick und der notwendigen Kraft am sichersten durch das Gelände und abwärts ins Tal lenkt. „Die Rückmeldungen waren ausgezeichnet“, freut sich Sabine über den gelungenen Kurstag, bei dem auch Kameradschaft und Geselligkeit nicht zu kurz kamen. „Auf der Alm wurden wir mit gutem Essen bestens versorgt“, lobt sie die Gastfreundschaft von Familie Wallner, vulgo Dorfer.

Aktuell steckt die rührige Obfrau des Pferdezuchtvereines K23 mitten in den letzten Vorbereitungen für die nächste Veranstaltung – ein Schau-Holzrücken am 15. Jänner 2023. „Der Erfolg des ersten derartigen Events 2020 hat uns zu einer Fortsetzung motiviert. Jeder/jede kann kommen, zuschauen und sich selbst ein Bild davon machen, wie Pferde und mit Holzstämmen beladene Schlitten durch die Kehren des Gradentales hinunter ins Tal bewegt werden“, lädt sie zur zahlreichen Teilnahme ein.

 

 

Text: J. & E. Hilgartner, Fotos: Peter Märkl

13. Januar 2023 um