Bergsommer 2020: mehr Alpinunfälle, Unfallrate bei Einheimischen am höchsten

Die Anzahl alpiner Unfälle in Österreich ist im Sommer 2020 stark angestiegen. Von Mai bis September 2020 ereigneten sich 3.204 Unfälle, davon 164 in Osttirol.

2.527 verletzte Bergsportler und 122 Alpintote in Österreichs Bergen: Die Alpinunfallstatistik des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit stellt für den Zeitraum vom 1. Mai bis 30. September 2020 österreichweit eine Zunahme an Alpinunfällen von mehr als 30 Prozent im Vergleich zum Durchschnittswert der vergangenen zehn Jahre fest. In diesem Zeitraum ereigneten sich insgesamt 3.204 Unfälle. 74 Prozent der tödlichen Unfälle (90 Tote) wurden in den Monaten Juli, August und September gemeldet, wobei die Kalenderwochen 30, 31, 33, 34 und 38 einen traurigen Peak darsteltlen. In diesem Zeitraum gab es mehr als 200 Alpinunfälle pro Woche. Allein in der letzten Juliwoche (KW 31) registrierte die Alpinpolizei 268 Unfälle.

 

Die meisten Bergunfälle passierten beim Wandern, Bergsteigen, Klettern und Mountainbiken, wobei neben Skitouren auch Paragleiter- und Forstunfälle sowie Verkehrsunfälle auf Forststraßen in der Statistik des Kuratoriums für Alpine Sicherheit aufgenommen wurden. Im Zeitraum der letzten 10 Jahre machen sich außerdem die Trends hin zum Klettersport und zum Mountainbiken bemerkbar. In diesen Disziplinen steigen die Unfallzahlen seit einigen Jahren stetig an.

 

Die Zahlen des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit belegen weiters, dass es bei vielen Wanderern und Bergsteigern an dem im alpinen Raum notwendigen Know-how und Können mangelt. Die unverletzt geborgenen Personen befanden sich meist in Situationen, in denen sie „blockiert“ waren. D.h. es wurden alpine Notrufe abgesetzt, weil die eigene physische oder psychische Leistungsgrenze erreicht wurde und die Bergtour den Betroffenen mehr abverlangt hatte als erwartet. Im Sommer 2020 lag der Anteil der unverletzt geborgenen Bergsteiger bei rund 32 Prozent.

Die Hälfte der Verunfallten waren Wanderer. Sturz, Stolpern und Ausgleiten waren mit 75 Prozent die Hauptunfallursachen beim Bergwandern. Bei den tödlichen Unfällen dominierte weiterhin das Herz-Kreislaufversagen mit 34 Prozent als Ursache. 26 Prozent der Personen stürzten ab, 22 Prozent stolperten, stürzten oder glitten aus. Bei den unverletzt geborgenen Personen stellten Verirren und Versteigen mit 39 Prozent sowie Erschöpfung mit 16 Prozent den Hauptgrund für das Absetzen eines Notrufes dar.

Insgesamt verunfallten mehr Männer (60 Prozent) als Frauen (40 Prozent). 51 Prozent der im Sommer 2020 verunfallten Bergsteiger waren österreichische Staatsbürger. Auf diese folgen mit 37 Prozent die deutschen Nachbarn, die es ab Juni 2020, nach Aufhebung der Reisebeschränkungen, in die österreichischen Berge zog. Bei den tödlich verunfallten Personen entfielen 55 Prozent auf Österreich und ca. ein Drittel auf Deutschland.

In Tirol wurden im Sommer 2020 insgesamt 1.473 Bergunfälle von der Alpinpolizei vermeldet. Während die Gesamtzahl der Unfälle im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent zunahm, endeten weit weniger Unfälle als 2019 tödlich. Trotzdem waren auch 2020 in Tirol insgesamt 34 Tote zu beklagen. 20 von ihnen kamen beim Bergwandern ums Leben.

Im Bezirk Lienz konnten zwischen Mai und September 2020 insgesamt 50 Personen unverletzt und 98 verletzt geborgen werden. Die beiden Alpintoten des heurigen Osttiroler Bergsommers wurden in den Monaten August und September verzeichnet.

 

Text: J. & E. Hilgartner, Fotos: Expa/Bergrettung Kals, AdobeStock/Natnan

29. Oktober 2020 um