Aguntum: „Handel mit Bergkristallen war in der Römerstadt wichtiger Geschäftszweig!“
Im Zuge der nun zu Ende gehenden Grabungssaison in der Römerstadt in Dölsach wurden wieder größere Mengen an Bergkristall entdeckt. Die „Verarbeitung“ erfolgte im bisher so genannten „Händlerforum“ im Zentrum der Stadt.
Wie jeden Sommer zum Ende der Grabungssaison lud der Verein Curatorium pro Agunto auch heuer wieder zur Präsentation der Grabungsergebnisse. „Studierende der Uni Innsbruck und des US-amerikanischen Centers for Field Sciences haben in den letzten Wochen in Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt wieder Grabungen durchgeführt. Die Arbeiten am so genannten Händlerforum werden nun abgeschlossen“, informierte Grabungsleiter Dr. Martin Auer.
Im Bereich des „Händlerforums“ konnten die Mauern von drei zusätzlichen Räumen freigelegt werden. „Die Funktion dieser Räume war zunächst unklar. Da wir in diesem Bereich jedoch wie schon im Vorjahr größere Mengen an Bergkristallen gefunden haben, gehen wir davon aus, dass in Aguntum der Handel mit diesen Edelsteinen ein wichtiger Geschäftszweig war. Große Mengen an Bergkristall wurden hier in der Gegend abgebaut und ins Tal geschafft. Die Weiterverarbeitung erfolgte im Zentrum von Aguntum. Wir gehen nun davon aus, dass es sich bei diesem Teil nicht wie bisher angenommen um ein Händlerforum handelt, sondern dass die Räume der Verarbeitung der Bergkristalle und teilweise auch als Arbeiterunterkünfte dienten“, erklärte der Grabungsleiter.
Grabungsleiter Dr. Martin Auer zeigte Bergkristalle, die in Aguntum gefunden wurden.
Man geht davon aus, dass die Bergkristalle in Aguntum als Rohmaterial vorbereitet wurden. „Die qualitativ hochwertigen Quarze wurden verkauft, die weniger guten z.B. in Böden und Mauern eingearbeitet. Der Haupthandel dürfte im 1. und 2. Jahrhundert stattgefunden haben. Das Gebäude wurde im 2. Jahrhundert umgebaut, ein Mörtelboden eingebaut und beheizt. Weil er später abgebrannt ist und alle Räume leer waren, ist es schwierig zu sagen, welche neue Funktion der Gebäudekomplex erhielt. Jedenfalls hat die Menge an Bergkristallen im 2. Jahrhundert nachgelassen“, erklärte Auer.
Rund 60.000 Euro wurden heuer in die Mauersanierung investiert. „Die Grabungen werden nächstes Jahr jedenfalls weitergeführt. Die Gespräche in Sachen Eingliederung von Aguntum in die Tiroler Landesmuseen-Betriebsgesellschaft laufen. Wir gehen davon aus, dass Aguntum mit 1. Jänner 2026 ein Landesmuseum ist“, berichtete Dr. Leo Gomig, Obmann des Vereins Curatorium pro Agunto.
Seit 2021 arbeitet Geschäftsführer Dr. Manfred Hainzl mit seinem Team am Konzept für die Neuaufstellung des Museums Aguntum. „Das Projekt beinhaltet sowohl bauliche Maßnahmen, als auch eine Neuausrichtung der Dauerausstellung. Wir werden die Unterlagen im kommenden Herbst den Tiroler Landesmuseen vorlegen und arbeiten dabei intensiv auch mit Direktor Andreas Rudigier zusammen”, informierte der Geschäftsführer.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger