Heiligenblut: drei Tage im Zeichen von Natur, Innovation und Verantwortung

Von 11. bis 13. Juni 2026 wurde das Kärntner Glocknerdorf erneut zum internationalen Treffpunkt. Beim 9. Forum Anthropozän wurden aktuelle Themen diskutiert, Meinungen ausgetauscht und interessante Zukunftsfragen aufgeworfen.

Unter dem Leitthema „Connectedness. Zukunftsverbunden. Nationalparks im Anthropozän“ kamen hochkarätige Vertreter:innen aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Kunst und Zivilgesellschaft zusammen, um über Biodiversität, gesellschaftliche Verantwortung und die strategische Rolle von Nationalparks im Anthropozän, also in unserer Zeitepoche, zu diskutieren. Organisiert wurde das Forum Anthropozän vom Verein ProMÖLLTAL gemeinsam mit dem Nationalpark Hohe Tauern Kärnten. Austragungsort waren das Haus der Steinböcke in Heiligenblut am Großglockner sowie weitere Veranstaltungsorte in der Nationalparkregion Hohe Tauern.

International besetztes Klima- und Umweltforum

Zu den Höhepunkten der diesjährigen Veranstaltung zählte das prominent besetzte ZEIT-GESPRÄCH, moderiert von Fritz Habekuß von der deutschen Zeitschrift „Die Zeit“. Klima- und Nachhaltigkeitsforscher Hans Joachim Schellnhuber (IIASA) diskutierte gemeinsam mit Nationalparkdirektorin Barbara Pucker, Unternehmer Reinhard Schneider (Werner & Mertz/ Marke Frosch), Naturschutz- und Raumplanungsexpertin Liliana Dagostin (ÖAV), dem Direktor des Schweizer Nationalparks Ruedi Haller sowie Sektionschef Jürgen Schneider (BMLUK) über die Frage, welche strategische Rolle Nationalparks künftig für Biodiversität, Klimaresilienz, regionale Entwicklung und geopolitische Stabilität einnehmen können. „Im Anthropozän wird die Bedeutung von Nationalparks neu sichtbar: Sie schützen nicht nur die Natur, sondern stärken auch die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft. Als Rückzugsräume für Biodiversität, als natürliche Klimaschützer und als Brücken zwischen Regionen und Staaten leisten sie einen wichtigen Beitrag zu Resilienz, Kooperation und nachhaltiger Entwicklung. Nationalparks sind damit Investitionen in die Lebensgrundlagen kommender Generationen“, betonte Barbara Pucker, Direktorin des Nationalparks Hohe Tauern Kärnten.

 

 

Das „gute Anthropozän“ kann gelingen

Hans Joachim Schellnhuber verwies auf die globale Dimension der Klimakrise und die Notwendigkeit grundlegender Transformationen: „Die Pariser Klimaleitplanken von 1,5 bzw. 2° C Erderwärmung werden in den nächsten Jahrzehnten durchbrochen. Das führt die Menschheit in eine Hochrisikozone. Die zentrale Aufgabe unserer Zeit ist daher die Klimareparatur. Das einzige realistische Werkzeug dafür dürfte die organische Transformation der gebauten Umwelt sein: natürliche, klimapositive Materialien wie Holz und Bambus, digitale Hochtechnologien und kulturelle Verankerung verbinden sich für ein gutes Anthropozän.“ Unternehmer Reinhard Schneider, Eigentümer von Werner & Mertz, hob die Bedeutung nachhaltiger Wirtschaftsmodelle hervor: „Die Natur zeigt, wie leistungsfähig Systeme sein können – ohne Verschwendung. Für mich heißt Nachhaltigkeit deshalb nicht Verzicht, sondern oft mehr Qualität und Effizienz. Zugleich wird klar: Fossilbasiertes Wirtschaften schadet nicht nur der Umwelt, sondern schafft auch politische und wirtschaftliche Abhängigkeiten. Nachhaltige Lösungen zeigen, dass hohe Leistung auch ressourcenschonend möglich ist und darüber hinaus unsere Sicherheit verbessert.“

Nationalparks als Zukunftsräume

Einen weiteren zentralen Programmpunkt bildete die Podiumsdiskussion „Nationalpark Hohe Tauern – Aufgaben und Herausforderungen“ mit Landesrätin Marika Lagger-Pöllinger, Barbara Pucker, Johannes Hörl (CEO der Großglockner Hochalpenstraßen AG) und Josef Aberger (Obmann der Schutzgemeinschaft der Grundbesitzer im Nationalpark Hohe Tauern). Nationalparkreferentin LR.in Lagger-Pöllinger betonte dabei die Bedeutung gemeinsamer Verantwortung für Schutzgebiete: „Ein Nationalpark funktioniert nur miteinander. Wer Natur schützen will, muss die Menschen vor Ort einbinden, zuhören und gemeinsame Wege finden. Genau dafür ist das Forum Anthropozän ein wichtiger Raum.“

 

 

In Panels, Vorträgen und Dialogformaten standen darüber hinaus Themen wie nachhaltige Regionalentwicklung, Smart Cities und Smart Regions im Mittelpunkt. Zudem diskutierten internationale Vertreter:innen der OSZE über Nationalparks als geopolitische Räume und deren zunehmende Bedeutung für moderne Außen- und Sicherheitspolitik.

 

Vielfältiges Programm mit Kunst und Kultur

Mit der Ausstellung „Connected Darkness“ und dem Nightwalk der internationalen Künstlerin Alona Rodeh eröffnete das Forum neue Perspektiven auf Natur, Raumwahrnehmung und gesellschaftlichen Wandel.

 

 

Für große öffentliche Aufmerksamkeit sorgte am Freitag, 12. Juni, das Format „Anthropozän Reloaded. Die Kräuterbäuerin und der Kabarettist“ mit Star-Kabarettist Dirk Stermann und Biochemikerin Renée Schroeder am Dorfplatz von Heiligenblut. Die Podiumsdiskussion unter der Moderation von Günther Kaindlstorfer machte deutlich, dass Zukunftsfragen nicht nur wissenschaftlich und politisch, sondern auch mit Humor betrachtet werden können.

 

Natur und Gesundheit im Fokus

Im Rahmen des Interreg-Projekts CONNATURALP – Connecting Nature and Health in the Alps standen am Samstag, 13. Juni, Biodiversität, Gesundheit und naturbasierte Zukunftsmodelle im Mittelpunkt. Eine One-Health-Wanderung zum Gössnitz-Wasserfall, eine philosophische Wanderung und eine gemeinsame Zukunftswerkstatt luden dazu ein, die Verbindung zwischen intakten Ökosystemen und menschlichem Wohlbefinden zu erleben und anschließend neu zu denken.

 

 

Mit internationalen Gästen aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Kunst und Zivilgesellschaft setzte das 9. Forum Anthropozän erneut ein starkes Zeichen für interdisziplinären Austausch und neue Allianzen zwischen Mensch, Natur und Gesellschaft. „Wir wollen globale, systemische Zusammenhänge sichtbar machen und gemeinsam nachhaltige, regionale Lösungen entwickeln. Wir freuen uns bereits jetzt auf das 10. Forum Anthropozän im Juni 2027, wenn wir gemeinsam die Jubiläumsausgabe in Heiligenblut feiern“, bekräftigt Initiatorin Sabine Seidler.

Weitere Informationen unter www.forum-anthropozaen.com

 

Als ANTHROPOZÄN (Menschenzeit) wird jene Epoche bezeichnet, in der menschliches Handeln die natürlichen Prozesse der Erde tiefgreifend, dauerhaft und global verändert.

Das FORUM ANTHROPOZÄN versteht sich als interdisziplinäre Plattform an der Schnittstelle von NATUR, INNOVATION und VERANTWORTUNG. Es bringt Wissenschaft, Politik, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Kunst in einen gemeinsamen Dialog und thematisiert, wie nachhaltige Zukunftsperspektiven im Anthropozän gestaltet werden können.

 

Text: Redaktion, Fotos: ©Christian Senger

15. Juni 2026 um