Faszination Krippen: 25 Jahre Krippenverein Defereggental
Es ist etwas Besonderes im Advent, wenn vielerorts Krippen aufgestellt werden. Diese Tradition hält auch der Krippenverein Defereggental hoch, der 2023 sein 25-jähriges Bestehen begeht.
Obmann des Vereins, der aktuell über 70 Mitglieder zählt, ist Johann Planer. Der Deferegger, der in St. Veit lebt und arbeitet, ist ein bekannter Holz- und Steinbildhauer, der die Krippenbaukunst mit großem Enthusiasmus ausübt. Schon als Kind hat er die Freude an dem in Tirol fest verankerten Handwerk für sich entdeckt. „Mein Vater war ein leidenschaftlicher Krippenbauer, von dem ich viel lernen konnte. Später führte mich meine Ausbildung an die Schnitzschule in Elbigenalp, wo ich mir viel Wissen und Können aneignen konnte“, blickt er zurück. Seitdem hat Planer unzählige Kunstwerke, jedes individuell und in sorgfältigster Handarbeit, geschaffen. Längst schon sind seine Arbeiten zu begehrten Sammlerstücken geworden. Die Anzahl der Krippen, die er im Laufe der Jahre gefertigt hat, beziffert er mit „einigen hundert“, darunter auch einige mit lebensgroßen Krippenfiguren.
Johann Planer zeigt in seiner Werkstatt eine der Krippen, die er geschaffen hat.
Krippen sind für den Deferegger ein Spiegel des Lebens, der Heimat und ein Schatz der religiös-traditionellen Volkskultur. Umso wichtiger ist es ihm, diese Tradition zu bewahren und an die nächsten Generationen weiterzugeben. „Und gerade hier kann ein Krippenverein wie der unsrige eine sehr wichtige Arbeit leisten“, zeigt er sich überzeugt. Denn ein Krippenverein hat, wie er ausführt, nicht nur die Aufgabe, neue Krippen entstehen zu lassen, sondern auch Bestehende zu bewahren. „Vor allem aber sollen die Krippenkultur an sich und die Gemeinschaft gepflegt werden.“ Diese Zielsetzung verfolgt Johann Planer auch gemeinsam mit seinen Kollegen im Vereinsausschuss, zu denen Christian Innerhofer als Kassier, Erwin Leitner als Schriftführer bzw. Chronist und Peter Innerhofer als Obmann-Stellvertreter gehören. Im Jahresverlauf bieten Johann Planer und Vereinskollege Erwin Leitner immer wieder Krippenbaukurse an. Diese finden nicht nur im Defereggental, sondern auch über die Erwachsenenbildung in Matrei i.O. oder die Volkshochschule in Lienz statt. „Wir zeigen Interessierten aus der Bevölkerung, wie man eine Krippe von Grund auf herstellt. Wir gehen mit den Kursteilnehmern auch in den Wald, informieren über die Botanik und alles, was die Natur so hergibt, und geben ihnen Tipps, was man daraus machen kann“, informiert Planer. Er betont, dass dabei den Ausführungen keine Grenzen gesetzt seien. „Neben der alpenländischen Krippe wird in Osttirol gerne auch im sogenannten orientalischen Krippenstil gebaut. Die Formenvielfalt ist groß und reicht von Wurzel- über Bilderrahmenkrippen bis hin zu Kastenkrippen, um nur einige Beispiele zu nennen.“ Der Entstehungsprozess beginne, so der Vereinsobmann, immer mit der Planung. Je nach Größe und Ausführung variiere die Zeitdauer bis zur Fertigstellung: „Für Krippen, wie wir sie in unseren Kursen anfertigen, sind manchmal auch 40 bis 60 Stunden nötig.
Aber unabhängig davon, wie lange es dauert, ist es für mich immer sehr schön, zu sehen, wie die Leute im Kurs zusammenkommen und miteinander arbeiten.“ Die Ergebnisse der kreativen Arbeit werden zum Abschluss der Kurse nicht selten in Ausstellungen präsentiert. Eine besonders große Anzahl an verschiedensten Krippen konnte man Mitte November 2023 im Rahmen der Jubiläumsschau „25 Jahre Krippenverein Defereggental“ im Gemeindesaal von St. Jakob i.D. bewundern. „30 Krippenbauer stellten ihre Arbeiten aus“, so Johann Planer abschließend.

Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: © Osttirol Journal, Elias Bachmann


