17. Tage der Artenvielfalt im Nationalpark Hohe Tauern

70 WissenschaftlerInnen setzten sich im Rahmen der 17. Tage der Artenvielfalt mit Lebensräumen im Nationalpark auseinander und arbeiteten an der „Buchhaltung“ der Natur.

Vom 21. bis 23. Juli 2023 fanden bereits die 17. Tage der Artenvielfalt im Nationalpark Hohe Tauern statt. Die Deferegger Sonnseite zwischen St. Veit und St. Jakob im Defereggental war das Ziel 2023. Die dortige Vielfalt an Lebensräumen vom alpinen Bergwald über Almen und Bergseen bis zu den hochalpinen Bereichen mit den Übergängen ins Virgental boten ein spannendes Forschungsfeld. Ziel der Tage der Artenvielfalt ist es, vorkommende Arten in einem definierten Untersuchungsgebiet zu dokumentieren. Rund 70 ehrenamtliche ExpertInnen trotzten dem Schlechtwetter und nach einer ersten Kurzpräsentation konnten beachtliche Funde gemeldet werden. Die Gesamtergebnisse werden für Herbst/Winter 2023/24 erwartet, die Daten fließen in die Biodiversitätsbank des Nationalparks Hohe Tauern ein.

„Im diesjährigen Erhebungsgebiet konnten die zu erwartenden Arten gefunden werden. Das ist heute nicht mehr selbstverständlich und zeugt von der Intaktheit der Lebensräume im Nationalpark Hohe Tauern. Ein weiterer Beweis dafür, wie wichtig die Tiroler Schutzgebiete und der Nationalpark Hohe Tauern sind. Die Erhaltung der Biodiversität in ganz Tirol ist ein prioritäres Anliegen und Grundlage für ein lebenswertes Tirol“, freute sich Naturschutzlandesrat René Zumtobel.

Unter anderem konnten die OrnithologInnen 286 Beobachtungen von rund 60 verschiedenen Vogelarten vermelden. So wurde der Zippammer (Emberiza cia) dokumentiert, eine Vogelart der Roten Liste, welche nur äußerst schwer nachzuweisen ist. Die Hummeln sind im Gegensatz zu den Bienen und Schmetterlingen nicht auf Schönwetter angewiesen, um ihre Betriebstemperatur für das Ausfliegen zu erreichen. Auf sehr kleinem Raum konnten 106 Exemplare gezählt werden. Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal der verschiedenen Hummelarten ist die Farbe des Hinterleibes. Die seltene Distelhummel (Bombus soreensis) konnte 63 Mal beobachtet werden.  Die Distelhummel bildet unterirdische Nester, in Mäusenestern und Maulwurfsgängen, mit bis 80 bis 150 Individuen. Im Hochgebirge sind die Hummeln wichtige Bestäuber, da sie wesentlich höher steigen können als Bienen und auch bei schlechtem Wetter ausfliegen können.

 

Das markanteste Merkmal des Alpenlangohrs sind die auffallend große Ohren, die eine Länge von 34 bis 38 mm erreichen. (Körperlänge: 46 bis 55 mm). Die Verbreitung ist auf die europäischen Hochgebirge, wie z. B. die Alpen, beschränkt.

 

Eine besonders faszinierende Artengruppe sind die Fledermäuse, die aufgrund von Landschafts- und Nutzungswandel, Verschlechterung oder Zerstörung der Lebensräume und Quartierverlusten als gefährdet gelten. Fledermäuse sind Spezialisten der Nacht und orientieren sich mittels Echoortung. In Österreich leben insgesamt 28 verschiedene Fledermausarten, in Tirol 24. Bei den Tagen der Artenvielfalt konnten fünf verschiedene Fledermausarten nachgewiesen werden, unter anderem auch das Braune Langohr (Plecotus auritus), die Fledermaus des Jahres 2022/23.

Weiters konnten die BotanikerInnen bereits 323 verschiedene Arten dokumentieren. Obwohl es für die Pilze eigentlich jahreszeitlich noch zu früh ist, konnten 50 Arten bestimmt werden. Die SchmetterlingsexpertInnen hatten es aufgrund der Wetterbedingungen besonders schwer, trotzdem konnten bei den Nachtfaltern 78 Arten und bei den Tagfaltern bisher 21 Arten nachgewiesen werden.

Nun gilt es diese und noch viele weitere Funde zu validieren und teilweise in Laboranalysen zu bestimmen. Die Funde der ehrenamtlichen ExpertInnen bei den Tagen der Artenvielfalt sind ein wertvoller Beitrag zur „Buchhaltung der Natur“, welche in der Biodiversitätsdatenbank des Nationalparks Hohe Tauern zusammengetragen werden.

www.hohetauern.at/forschung/biodiversitaetsforschung

 

Die FledermausforscherInnen spannten ihre imposanten teilweise bis zu 10 Meter langen und rund 5 bis 6 Meter hohen Netze für den Nachtfang aus.

 

Text: Redaktion, Fotos: © NPHT Rojko, Caroline Schulze, Fabian Dalpiaz

26. Juli 2023 um