Virger Gemeindehaus erhält „Hanfwickel“
Mit dem biologischen Rohstoff Hanf wird das Amtsgebäude der Gemeinde Virgen in Zukunft gedämmt und gekühlt – der Energieverbrauch soll um die Hälfte sinken.
Im „Zukunftsbild Energie“ haben die Virgerinnen und Virger formuliert, den Energieverbrauch der Gebäude in den nächsten zehn Jahren um die Hälfte zu senken. Um diesem Ziel wieder einen Schritt näher zu kommen, wird derzeit das Amtsgebäude thermisch saniert. „Wir wollten bei dieser Sanierung auf keinen Fall ölgebundene Dämmstoffe einsetzen und haben uns deshalb dafür entschieden, einen heimischen nachwachsenden Rohstoff einzusetzen, nämlich Hanf“, so Bürgermeister Ing. Dietmar Ruggenthaler.
Das historische Gebäude wurde 1746 errichtet und diente zunächst als Pflegehaus des Haller Damenstiftes, bevor es die Gemeinde 1802 erwarb. „Die Post, die Bank, der Tourismusverband und das Lagerhaus waren in diesem Gebäude unter anderem schon untergebracht. Heute beherbergt es die Gemeinde und den Sozial- und Gesundheitssprengel. Die Nahwärme versorgt das Haus mit Energie“, erklärt der Bürgermeister.
Bgm. Dietmar Ruggenthaler: „Hanf hat hervorragende Dämmeigenschaften. In Zukunft könnte aber auch das Kühlen eines Gebäudes wichtig werden. Auch dafür ist der biologische Rohstoff Hanf durchaus geeignet.“
Mit 642 m² Nutzfläche und über 3 000 m³ umbautem Raum gehört das Gebäude zu den größeren in der Iseltaler Gemeinde, der Energieausweis kam bisher auf einen Verbrauch von 160 000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr. „Ausgekommen sind wir durch sparsamen Energieverbrauch mit rund 65 000 kWh, nach der thermischen Sanierung rechne ich mit rund 30 000 kWh“, schätzt Ruggenthaler.
Rund 550 m² Hanffaserplatten werden derzeit auf die Fassade aufgetragen. Die Platten werden von der Firma Synthesa aus Perg in Oberösterreich – dem einzigen Hersteller in Europa – bezogen. „Bei Hanf handelt es sich um eine der ältesten Kultur- und Nutzpflanzen. Der Rohstoff für unsere Platten wächst in der Nähe der tschechischen Grenze. Die Pflanzen erreichen in 100 Tagen eine Höhe bis zu vier Metern, und es werden weder Spritzmittel noch Dünger verwendet“, erklärt dazu Engelbert Wiedmann von der Firma Synthesa. Die Anteile der Pflanze, die nicht für die Produktion von Dämmstoffen gebraucht werden, verarbeitet Synthesa zu Tees und Knabberhanf. „Diese Produkte sind für den Verzehr bestimmt und garantiert THC-frei“, so Wiedmann. Durch die Schwere des Materials und die sehr harten Anteile des Stängels seien sowohl die schallschutz- als auch die wärmeschutztechnischen Qualitäten der Hanffaserplatten exzellent.
Derzeit werden auf das Virger Amtsgebäude rund 1 100 Hanffaserplatten aufgetragen. In ca. zwei Wochen wird das Haus in neuem Glanz und in blauer Farbe erstrahlen.
Die gesamte Sanierung – inklusive Erneuerung des obersten Geschoßes und des Daches – wird rund 200.000 Euro kosten. „Wichtig war mir auch, dass der ursprüngliche Charakter des alten Hauses erhalten bleibt“, so Architekt DI Werner Eck. Vor ca. zwei Wochen wurde mit den Sanierungsarbeiten begonnen, und in rund vier Wochen soll das Virger Amtsgebäude in neuem Glanz erstrahlen. „Die Fassade wird einen blauen Anstrich erhalten. Ein blaues Haus passt unserer Meinung nach gut in den Virger Ortskern, weil es dort derzeit kaum Fassaden in dieser Farbe gibt“, so der Bürgermeister abschließend.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger
