Instrumentenbauer Fabian Huber: Uraltes Handwerk trifft auf neues Wissen

Die Meisterprüfung als Blechblasinstrumentenbauer hat der 27-Jährige mit Auszeichnung bestanden und sich in seinem Elternhaus in Heinfels eine eigene Werkstatt eingerichtet.

„Tradition im Einklang“ – eine Holztafel mit diesem Motto sticht mir sofort ins Auge, als ich Fabian in seiner kleinen Werkstatt in Heinfels/Panzendorf besuche. Mit 1. April 2021 hat sich der junge Pustertaler selbstständig gemacht. „Ich baue Basstrompeten, Posaunen und Tenorhörner, repariere Instrumente und biete auch einen Maschinenservice für sämtliche Instrumente an. Beim Neubau habe ich mich auf das sogenannte ‚mittlere Blech‘, also auf Basstrompeten, Posaunen, Tenor- und Baritonhörner, spezialisiert. Ich baue aber auch andere Blechblasinstrumente wie etwa Flügelhörner.“

 

 

Die Leidenschaft für die Musik wurde bei Fabian schon in jungen Jahren geweckt. Bei der Musikkapelle Heinfels spielt er seit 2006 das Tenorhorn und das Euphonium. Der 27-Jährige wirkt aber auch bei der Bläserphilharmonie Osttirol mit und ist darüber hinaus Mitglied der kleinen Tanzlmusik „Quetsch ‘n‘ Brass“. „2014 habe ich die HTL mit Schwerpunkt Mechatronik in Lienz abgeschlossen. Danach wollte ich unbedingt etwas mit Musik in Verbindung mit traditionellem Handwerk machen. So habe ich mich für die Arbeit des Instrumentenbauers entschieden und damit wirklich meinen Traumberuf gefunden.“

 

 

Drei Jahre lang absolvierte der junge Osttiroler die Ausbildung an der Instrumentenbauschule Mittenwald in Bayern. Bei Musik Possegger in Millstatt am See war er bis ins heurige Frühjahr hinein als Blechblasinstrumentenbauer tätig, um dann – nach erfolgreicher Meisterprüfung – mit 1. April 2021 seinen Weg als eigenständiger Unternehmer zu starten. In seiner Werkstatt entstehen seitdem individuelle Einzelstücke verschiedener Blasinstrumente. „Ich fertige jedes Schallstück in traditioneller Handarbeit. Dadurch kann ich optimal auf die individuellen Klangvorstellungen meiner Kunden eingehen“, betont er.

 

 

Fabian ist einer von wenigen Instrumentenbauern weitum, die die Schallstücke selbst fertigen. Ausschneiden, Falten, Löten, Hämmern, Walzen – unzählige Arbeitsschritte sind notwendig, damit aus einer einfachen Blechrolle ein glänzendes Schallstück entsteht. Fabians Kunden dürfen sich so nach Fertigstellung über ein wirklich „maßgeschneidertes“ Instrument freuen. „Kundenwünsche betreffen die Klangeigenschaften oder die Oberfläche der Instrumente, die ich auf Wunsch auch auf die persönliche Ergonomie des Musikers abstimme. Manchmal wird nur eine roh aufpolierte Oberfläche geordert, ein anderes Mal fertige ich, in Zusammenarbeit mit Spezialfirmen, vergoldete, versilberte oder lackierte Instrumente an.“

 

 

Der versierte junge Handwerker hat auch einige seiner Maschinen selbst hergestellt – wie z.B. einen Biegeapparat für Schallstücke oder ein Gerät für das Anfertigen von Zügen. Auch eine CNC-Maschine zum Fräsen der Biegeformen sowie eine Graviermaschine sind in der kleinen Werkstatt in Panzendorf im Einsatz. Hier ist Fabian im Auftrag von ambitionierten Hobbymusikern ebenso tätig wie für Musikkapellen und Profimusiker, die fast ausschließlich auf handgefertigte Instrumente setzen. Auch Reparaturen und Maschinenservice bietet er an.

 

 

„Wenngleich Blechblasinstrumente bis zu hundert Jahre alt werden können, so verschleißen doch gewisse Teile – und hier komme dann ich ins Spiel, um das Instrument wieder voll einsatzfähig zu machen. Ich finde es faszinierend, in einem traditionellen Handwerksberuf arbeiten zu können, bei dem die meisten Arbeitsschritte heute noch dieselben sind wie vor Hunderten von Jahren. Und trotzdem kann ich immer wieder auch neue Erkenntnisse und Techniken einfließen lassen. Als Instrumentenbauer habe ich wirklich meine Berufung gefunden“, so der begeisterte Handwerker abschließend.

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Bürgler

29. Juli 2021 um