COVID-19: Lockdown zeigt auch das hässliche Gesicht der falschen Mülltrennung
Viel zu Hause aufgeräumt wurde in den letzten Wochen – und besonders viel Müll falsch entsorgt. Die Sammelstellen gingen auch wegen des „Verpackungswahnsinns“ über.
Sperrmüll, Batterien, Elektrogeräte oder z.B. auch halbleere Speiseverpackungen – besonders viel Abfall wurde während des Lockdowns falsch über die Sammelinseln entsorgt. „Ich bin sehr enttäuscht von jenen Osttirolerinnen und Osttirolern, die trotz jahrzehntelanger Aufklärung die Notwendigkeit der Abfalltrennung nicht verstanden haben. Die Sammelstellen für Verpackungen gingen über, und es wurde online bestellt auf Teufel komm raus. Dabei kommt oft mehr Verpackung als Ware ins Haus“, ärgert sich Gerhard Lusser, Umweltberater beim Abfallwirtschaftsverband Osttirol (AWVO), der in diesem Zusammenhang den Begriff „Verpackungswahnsinn“ verwendet.
Das Abstellen (auch von Verpackungen) auf oder neben den Behältern gilt als illegale Entsorgung. Ablagerungen außerhalb der Container auf den Sammelinseln (auch getrennt) ist strafbar! Der Strafrahmen dafür beträgt 450 bis 41.200 Euro (§79 AWG 2002), plus Kostenaufwand der Gemeinde. Bei vollen Containern auf den Sammelinseln muss der Recyclinghof der Gemeinde (zu den jeweiligen Öffnungszeiten) aufgesucht werden. Foto: Robert Wieser
„Bei Kartons sind Schutzplastik und Folie abzutrennen. PET-Flaschen müssen zusammengedrückt werden. Der Luftpolster-Schutz ist aufzuschneiden. Am besten schneidet man den Karton schon zu Hause auf oder faltet ihn zusammen. Das spart Platz beim Transportieren und in den Containern“, erklärt der Umweltberater. Aber auch über den Restmüll werde vieles falsch entsorgt. Problemstoffe, wie halbvolle Spraydosen oder Batterien, können gefährliche Brände im Sammel-LKW oder bei der Restmüllaufbereitung auslösen. Dabei können sogar Menschenleben gefährdet werden. „Im April mussten in der Abfallbehandlungsanlage in Lavant mehrere Brände von unseren Mitarbeitern gelöscht werden. Gerade in Krisenzeiten sind wir alle auf das Personal im Entsorgungsbereich, welches auch zur kritischen Infrastruktur gehört, angewiesen. Wir sollten ihnen nicht nur dankbar sein, sondern sie auch durch richtige Trennung unterstützen“, plädiert Lusser.
Das Bild eines AWVO-Mitarbeiters zeigt, was alles über den Restmüll entsorgt wird.
„Mein Wunsch wäre, dass die OsttirolerInnen nur einen Bruchteil der Zeit, die sie auf der Suche nach dem ,billigsten Preis‘ im Internet aufwenden, für eine sinnvolle Trennung der Abfälle von den Verpackungen verwenden. „Abfalltrennung“ ist Rohstoffrückgewinnung für eine lebenswerte Zukunft“, betont der Umweltberater. Ronald Pirker, der Geschäftsführer der Firma Rossbacher, schlägt in die gleiche Kerbe. „Die Sammelinseln bitte nicht als alternative Müllsammelstelle missbrauchen und Restmüll oder Problemstoffe ,dazuschwindeln‘. Gefährliche und/oder brennbare Gegenstände – wie Batterien oder Spraydosen – können auf der Sortieranlage zu Schäden für Leib und Leben führen“, so Pirker. Er gibt zu bedenken, dass sämtliche auf den Sammelinseln entsorgten Abfälle händisch sortiert werden müssen, damit daraus wiederverwertbare Altstoffe gewonnen werden können.
Die professionell geschulten Fahrer der Firma Rossbacher kümmern sich seit 1974 tagtäglich um den Müll und holen in regelmäßigen Intervallen den Hausmüll von mehr als 30.000 Haushalten ab. Das Abfallwirtschaftszentrum in Nußdorf-Debant dient seit 1989 als zentraler Umschlagplatz für Tonnen von Müll verschiedenster Sorten und Qualitäten. Foto: Rossbacher
Der Nikolsdorfer Bürgermeister Georg Rainer ist Obmann des Abfallwirtschaftsverbandes Osttirol. Wir baten ihn um ein kurzes Statement zu den aktuellen Herausforderungen:

„Der Abfallwirtschaftsverband Osttirol funktioniert bestens und ist für die Zukunft finanziell gerüstet – auch wenn es zu einer Systemumstellung kommen sollte. Ein großes Problem österreichweit ist, dass immer mehr Restmüll auf den Sammelinseln landet. Laut Verordnung der EU und den Vorgaben von Bund und ARA müsste die Wertstoffquote erhöht werden. Beim Kunststoff müssten wir auf 70% Sammelquote bzw. Wiederverwertung kommen. Aufgrund des Coronavirus sind die Entscheidungen auf Herbst verschoben worden. Die Frage ist, ob es in Zukunft zu einer grundsätzlichen Systemumstellung kommt, das heißt weg von den Sammelinseln hin zur „Gelben-Sack-Sammlung“ (Kunststoff, Alu-Verpackungen) in Kombination mit der Sammlung von Altpapier und Kartonagen im Hauscontainer.
Damit in Hinkunft die Wertstoff- und Restmüllsammlung verbessert wird, wollen wir stärker auf die Aufklärung der Bürger und auf Medienarbeit setzen. Auch in die Schulung der Gemeindearbeiter am Recyclinghof wollen wir in Zukunft kräftig investieren.“
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger, Robert Wieser, AWVO, Rossbacher