Vielfältigkeit als Zukunftsperspektive
Am 16.11. fand in Lienz die Herbstkonferenz des Tiroler Bauernbundes statt. Bäuerliche Funktionäre aus Land und Bezirk berichteten über die aktuelle Lage in der Landwirtschaft.
Im Saal der Landwirtschaftlichen Lehranstalt in Lienz wurde intensiv diskutiert, man tauschte Informationen aus und ehrte als Höhepunkt des Abends verdiente Funktionäre. Von bäuerlicher Seite gebe es, so die Referenten der Herbstkonferenz, derzeit viele Baustellen zu vermelden, wie zuletzt die schlechten Produktpreise, die vielen Bauern im Land schwer zu schaffen machten. Trotzdem könne man, wie Bezirksbauernobmann Martin Mayerl meinte, aus Osttirol durchaus auch Positives berichten: „Auch wenn im vergangenen Jahr wieder einige Bauern für immer die Stalltüren geschlossen haben, zeigt uns der Trend im Bezirk, dass unsere Bauern besonders in Zeiten schlechter Produktpreise neue, innovative Wege der Produktvermarktung beschreiten. Auch die Tatsache, dass so viele AbsolventInnen die landwirtschaftlichen Lehranstalten verlassen, wie nie zuvor, stimmt mich zuversichtlich. Unser Ziel muss es sein, so viele regionale Produkte wie möglich auf die heimischen Teller zu bringen und regionale Kreisläufe zu schließen.“
„Es liegt an uns, die Geschichte unserer Produkte noch besser zu erzählen“, betonte der Tiroler LH-Stv. und Bauernbundobmann Josef Geisler in Hinsicht auf die Stärkung der Regionalität. Er hatte vor Kurzem als Obmann der Agrarmarketing Tirol 166 Betriebe in die Familie der regionalitätsfördernden Gastbetriebe aufnehmen können. „Man darf unsere Gäste nicht unterschätzen. Jemand, der kommt, um Tirol zu genießen, will diesen einzigartigen Mehrwert nicht nur in der Natur, sondern auch auf dem Teller konsumieren.“ Geisler verwies auf einzelne Maßnahmen zur noch stärkeren Zusammenarbeit zwischen Tourismus und Landwirtschaft in Tirol. „Es soll für die Gastronomie noch leichter werden, an regionale Warenkörbe zu gelangen. Fakt ist, dass unsere Bauern selbst die glaubhaftesten Botschafter unserer heimischen Produkte sind, und genau diese Rolle werden wir noch mehr schärfen müssen“, so Geisler. Nachvollziehbarkeit und Kontrollen gehören für ihn zum Mehrwert heimischer Produkte dazu. „Deswegen nehmen viele heimische Landwirte auch einen Mehraufwand bei Dokumentation, Kennzeichnung und Kontrollen auf sich.“
LA Hermann Kuenz erklärte, dass sich die Marke Osttirol bereits gut etabliert habe und dadurch Produkte im Bezirk in Zukunft noch besser abgesetzt werden könnten. „In Osttirol präsentiert sich die Landwirtschaft als sehr vielfältig, und genau das kann in Zukunft eine Chance für uns sein. Unsere Bauern sind durchaus kreativ, wenn es darum geht, Marktnischen zu nutzen und zusätzliche Standbeine aufzubauen.“
Ein Thema des Abends war auch die Verstärkung des Bodenschutzes in Land und Bezirk. Täglich werden in Österreich 20 ha an Boden verbaut, und in Tirol verwildern jährlich 800 ha, weil sie nicht mehr bewirtschaftet werden. Man habe einen Antrag zur Erhebung der Wertigkeit der Böden in den Tiroler Landtag eingebracht, der einstimmig angenommen worden sei. LA Kuenz dazu: „Zur Zeit ist es in Tirol so, dass zwar Wälder massiven Schutz erfahren, aber hochwertigste, fruchtbare Böden zum Teil bedenkenlos verbaut werden. Es ist auch unsere Aufgabe, diese Flächen zu schützen, sonst geht der Generation nach uns der Boden und die Ernährungsgrundlage aus.“
Text: Wirtschaftsredaktion, Fotos: Tiroler Bauernbund, Osttirol heute/Kraner


