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Die Lienzer Sportschützen leben ihre Tradition

Vom 14. bis 30. Oktober 2016 lädt der Sportschützenverein Lienz in der Pfister zu einem Gedenkschießen in Erinnerung an Franz Berger, einen verdienten Funktionär, ein.

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isep josef osm ssvlienzZu dem Festschießen werden hunderte Teilnehmer aus Tirol, Kärnten, Südtirol, Friaul und Bayern erwartet. Wir nahmen das bevorstehende sportliche Großereignis zum Anlass, um einen Blick auf die lange Tradition des Vereines zu werfen, der, von einem engagierten Vorstand geführt, aktuell 150 Mitglieder zählt.

Die Geschichte der Lienzer Sportschützen lässt sich bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen. Mit der langen Tradition und Bedeutung über die Jahrhunderte herauf hat sich Josef Isep (im Bild links), seit 2015 Obmann des Vereines, intensiv beschäftigt. In akribischer Detailarbeit und auf Basis der Aufzeichnungen von Theodor von Hibler und Leopold Graf hat er in unzähligen Arbeitsstunden eine 255 Seiten umfassende Chronik des SSV Lienz für die Zeit von 1380 bis 2016 erstellt, die in Kürze in Buchform erscheinen soll. „Die ersten schriftlichen Quellen sind für das Jahr 1380 belegbar. Die Ursprünge des Schützenwesens reichen aber noch weiter zurück“, berichtet der Lienzer. „Sie stehen in Verbindung mit den Grafen von Görz. Sie errichteten Ende des 12. Jahrhunderts das `burgum luentze` und legten damit den Grundstein für die heutige Stadt Lienz. Aus ihrer Zeit sind Aufgebotslisten für das Landgericht Lienz belegbar, die zu den ältesten Aufzeichungen des Schützenwesens in Tirol zählen. Für Nordtirol lassen sich erste Quellen erst ab Kaiser Maximilians `Landlibell` von 1511 nachweisen.“

Die Verteidigung der Heimat im Auftrag wechselnder Herrscher war, wie Josef Isep weiter ausführt, über die Jahrhunderte herauf die vorrangige Aufgabe der Schützen, sowohl im Zuge der Tiroler Freiheitskämpfe um 1809, als auch später, als Standschützen, im Rahmen des österreichisch-italienischen Gebirgskrieges ab 1915. Mit Ende des Ersten Weltkrieges und dem Untergang der Monarchie ging die Aufgabe für die Landesverteidigung zu Ende. Die Tiroler Schützen, auch jene in Lienz, blieben vielfach als  nichtstaatliche Schützenvereinigungen bestehen. Nach Ende des II. Weltkrieges – die Nationalsozialisten hatten Brauchtum und Tradition und damit auch das Schützenwesen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren versucht – fand die erste Hauptversammlung des Lienzer Schützenvereines am 3. Mai 1951 statt.

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Dass regelmäßiges Training der Schlüssel zum Erfolg ist, weiß bei den Lienzer Sportschützen auch der Nachwuchs.

 

Zu dieser Zeit befand sich der Schießstand des Vereines – in Nachfolge früherer Schießeinrichtungen bei der alten Iselmauer und am Rindermarkt (Volkshaus) – am Gelände des Gribelehofes am Schlossberg. Später wechselte man in den Bereich des ehemaligen Gasthauses Rose Veranda über und traf sich dann ab 1984 zum Trainingsschießen im Keller der heutigen Milchbar. Eine Zimmerschießanlage der Schützen gab es auch im Hotel Goldener Fisch. „Seit dem Jahr 2000 verfügen wir mit dem Gebäude in der Pfister inklusive moderner Anlagen für Luftdruck- und Kleinkaliberplätze über sehr gute Voraussetzungen für unser Vereinsleben und das Schießtraining“, so der Obmann des SSV. Er kann stolz darauf verweisen, dass der Sportschützenverein  Lienz, trotz laufender Investitionen, seit diesem Jahr schuldenfrei ist und dass auch die Teilnehmerzahl am zweimal wöchentlich stattfindenden Training zuletzt wieder beinahe verdoppelt werden konnte.

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Obmann Josef Isep mit dem ältesten Mitglied des Vereins, Christl Chiochetti

 

Schließlich ist regelmäßiges Üben auch bei den Sportschützen der Schlüssel zum Erfolg. Davon können wir uns bei unserem Besuch im Vereinshaus und am Schießstand des SSV Lienz überzeugen. Hier trifft man sich regelmäßig, um die eigene Treffsicherheit und Konzentration zu trainieren, aber auch um die Geselligkeit zu pflegen. „Unser ältestes Mitglied ist Christl Chiochetti mit aktuell 97 Jahren, das jüngste unter 20 Jahre alt“, weist Josef Isep auf die Tatsache hin, dass sowohl Junge als auch Junggebliebene zu den aktuell 150 Vereinsmitgliedern zählen. Im Rahmen des Tiroler Schulsportservice besuchen immer wieder auch Schulklassen das Vereinsheim, um das Sportschießen, unter Anleitung von Trainer Josef Isep und Vereinskollegen, kennen zu lernen. „Dabei ist“, so der Obmann, „die Sicherheit, wie auch im täglichen Vereinsleben, natürlich oberstes Gebot!“ Des Weiteren trainierten in der Pfister auch schon die österreichischen Kaderschützen bzw. nehmen andere Organisationen, wie z.B. die Oberlienzer Feuerwehr oder die Schützen aus Schlaiten, Leisach oder Oberlienz, die Gelegenheit für ein Gruppenschießen beim SSV gerne wahr.

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Sicherheit ist bei den Sportschützen oberstes Gebot, regelmäßige Wartung eine Grundlage dafür.

 

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Bei den Lienzer Sportschützen, die seit dem Jahr 2000 über ein Vereinsheim im Lienzer Stadtteil Pfister verfügen, kommt neben aller Traditionsverbundenheit und dem Sport auch die Pflege von Gemeinschaft nicht zu kurz. Erfahrene Mitglieder stehen den jungen Sportschützen mit Rat und Tat zur Seite.

 

Bei den Lienzer Sportschützen sind übrigens, auch ohne Verpflichtung zur Mitgliedschaft, alle am Sportschießen interessierte Personen ab 10 Jahren herzlich willkommen. Erfahrene Schützen beraten die Anfänger und demonstrieren, wie man zu guten Ergebnissen gelangen kann. Die sportliche Betätigung ist auch für jeden leistbar: Kinder bis 14 Jahre zahlen nichts, von 14 bis 18 Jahre fällt ein Beitrag von 3 Euro und für Erwachsene eine Summe von 6 Euro inklusive Standgewehr, Munition und Auswertung an. Ab 3.10.2016 ist die Anlage in der Pfister, nach Umbaumaßnahmen für das Schießen mit Luftdruckwaffen, wieder geöffnet. Ab diesem Zeitpunkt findet jeden Montag und Donnerstag ab 19.00 Uhr das Training mit Luftdruckgewehren und Luftdruckpistolen statt. Zur Verfügung stehen zwölf computergesteuerte Linien und zwei Stände mit Zuganlagen.

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Mittels Computer erhält jeder Schütze eine präzise Auswertung.

 

Im Vereinslokal, in das man bei Errichtung des Gebäudes auch eine alte Vertäfelung vom Gribelehof übertragen konnte, zeugen Erinnerungsstücke und 75 Festscheiben auch davon, dass regelmäßige Wett- und Preisschießen seit jeher zur Tradition des SSV gehören. Besonders sehenswert sind die Fahnen des Vereins, wie die beiden ältesten aus der Zeit um 1600 und 1813, die im Vorraum des Schützenlokals hinter Glas aufbewahrt werden.

Zu den Kostbarkeiten zählt auch jenes Exemplar aus dem Jahr 1904, die als „Pustertaler Schützenfahne“ nur zu besonderen Anlässen, wie am Traditionstag in der Kaserne, am Hohen Frauentag oder bei Begräbnissen verdienter Mitglieder, aus dem Ehrenplatz in der Dr. Otmar Doblander Stube im Schützenlokal geholt wird. „Wir Schützen leben unsere Tradition und unsere Gemeinschaft. Wir vermitteln Werte und Verantwortung, sind Familie, Freunde und halten zusammen. Wir sind Teil der Sportstadt Lienz!“, so der SSV-Obmann abschließend. Gemeinsam mit seinen Vereinskolleginnen und -kollegen freut er sich auf das Gedenkschießen vom 14. bis 30.10. in Lienz und auf viele Gäste aus dem näheren und weiteren Umkreis.

Text: E. Hilgartner, Fotos: Brunner Images/SSV Lienz