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Nationalpark-Tagung warf „neuen Blick“ auf die Erde

Verändern wir Menschen die Erde so tiefgreifend, dass eine neue geologische Epoche angebrochen ist? Um diese Frage ging es bei einer Tagung in Großkirchheim.

NP Exkursion anthropozaen Foto NPHT Konrad Mariacher

Eine Exkursion führte die Tagungsteilnehmer auch auf die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe.

 

Die Diagnose des „Anthropozäns“ – auch „Menschenzeit“ genannt – geht von der Beobachtung aus, dass die Oberfläche der Erde und damit auch die Lebensbedingungen für Flora und Fauna durch die Handlungen des Menschen global rasant und im großen Stil verändert werden. Gemeinsam mit dem Verein „Pro Mölltal“ lud der Nationalpark Hohe Tauern am 25. und 26. September zu einer Tagung zu diesem Themenkreis nach Großkirchheim im Mölltal. Die Geographin Heike Egner, die Geologen Kurt Stüwe und Günther Weixelberger sowie Buchautor Christian Schwägerl führten die Teilnehmer in die Thematik ein. Kurt Stüwe gab einen Überblick über die Geschichte der Erde und der Alpen, Christian Schwägerl versuchte zu erklären, warum Wissenschaftler wie der Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen fordern, unsere aktuelle Erdepoche von Holozän in Anthropozän umzubenennen. „Die Eingriffe in Stoffflüsse, etwa beim Stickstoff, die Änderungen an der Evolution und der Klimawandel sind grundlegend, global und langfristig“, so Schwägerl. Kurt Stüwe gab zu bedenken, dass menschliche Veränderungen noch zu kurzfristig sein könnten, um sie abschließend beurteilen zu können.

Heike Egner betonte, dass das Anthropozän für einen grundlegenden Wandel im Verhältnis von Natur und Mensch stehe. Sie zitierte auch den Geologen Reinhold Leinfelder, der in Zusammenhang mit dem Anthropozän von einer „Unswelt“ spricht. „Wir können maximal über drei Generationen hinweg denken, aber unsere Handlungen reichen weit darüber hinaus“, erklärte sie. Von der praktischen Seite konnten die Tagungsteilnehmer das Anthropozän im Mölltal und im Nationalpark durch Vortrag und Führung von Günther Weixelberger erleben. Die frühere Zink-Verarbeitung in Großkirchheim sowie die Hoch- und Gletscherregionen am Hochtor und an der Pasterze waren Stationen einer Exkursion am zweiten Tag. Im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung diskutierten die Experten die Thematik auch mit der Bevölkerung. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob der Nationalpark noch als Natur zu sehen sei oder zur Kulturlandschaft geworden ist.

Text: Redaktion, Foto: NPHT/Konrad Mariacher