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Das neue Jahr und die Chance des neuen Anfangs

Ein neues Jahr ist wie eine Landschaft, die im Neuschnee liegt. Wir sind frei, unsere Spur darin einzugraben. Gedanken von Anselm Grün zu einem möglichen Neuanfang.

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Wenn wir das Geheimnis der weihnachtlichen Zeit für unser alltägliches Leben meditieren und im Nachklang auf die Botschaft dieses Festes hören, dann werden wir immer eine Botschaft der Ermutigung vernehmen: In dir will immer wieder Neues aufbrechen! Die Ahnungen deiner Träume, die leisen Impulse, die in deinem Herzen in der Stille auftauchen, weisen dir den Weg. Es geht eine Faszination und ein eigener Glanz aus vom Neuen, Unverfälschten, Unberührten. Einen neuen Anfang setzen, das heißt, dass das Neue im Inneren schon da ist. Wenn ich in der Stille in mich hineinhorche, dann ahne ich, was da an neuen Möglichkeiten in mir aufbricht. Es tauchen neue Ideen auf, die Ahnung, Neues zu wagen, neue Verhaltensweisen einzuüben. Ich muss nicht alles neu machen, ich soll vielmehr dem Neuen trauen, das schon in mir ist. Es braucht Achtsamkeit, damit das Neue auch wachsen und Gestalt annehmen kann.

Die zweite Bedeutung des neuen Anfangs wird sichtbar, wenn wir die Wörter „anfangen“ und „beginnen“ genauer anschauen. „Anfangen“ kommt von „anpacken, anfassen, in die Hand nehmen“. Die Botschaft von Weihnachten war: Wenn du neu anfangen willst, musst du dein Leben selbst in die Hand nehmen. Statt zu jammern, dass du festgelegt bist durch deine Erziehung, durch deine Veranlagung, durch dein Schicksal, musst du die Verantwortung für dein Leben übernehmen und es in die Hand nehmen. Du kannst in jedem Augenblick neu anfangen! Du musst nur dein Leben, so wie es ist, annehmen, anfassen und formen. Das Wort „beginnen“ bedeutet ursprünglich „urbar machen“. Beginnen ist mühsam. Da erscheint dein Leben wie ein Land voller Disteln und Steine, von Gehölz und Unkraut, chaotisch, unfreundlich. Wenn du es urbar machen willst, musst du dir erst einmal ein Feld abstecken.

Das neue Jahr kann vom Geheimnis der Weihnacht her ein neues Licht auf dein Leben werfen: Du kannst nicht das ganze Land deines Lebens in einem Jahr urbar machen. Entscheide dich, welches Stück deines Landes du in diesem Jahr urbar machen möchtest. Vielleicht ist es der Bereich deiner Beziehungen oder deiner Arbeit oder deines Lebensstils. Und dann gehe daran, das Verwachsene auszureißen, damit dein Boden Frucht bringen kann, damit Neues darauf wachsen kann!

Text: Das große Buch der Weihnachtszeit von Anselm Grün, Verlag Herder 2012
Foto: Motivjägerin/Fotolia