Zwei Osttiroler Gemeinden, ein gemeinsamer Recyclinghof

Bereit seit vielen Jahren arbeiten Ober- und Untertilliach in der Frage kommunaler Infrastrukturen zusammen. Nun wurde ein gemeinsamer Recyclinghof realisiert.

Wirtschaftlichkeit und Investitionshöhe für ressourceneffiziente Infrastrukturmaßnahmen stellen insbesondere für kleinere Gemeinden eine enorme Herausforderung dar. Umso sinnvoller ist es, die Kräfte mit jenen von Nachbargemeinden zu bündeln, um die kontinuierlich anwachsenden Ansprüche und Aufgaben erfüllen zu können. Die regionale Kooperation kann von gemeinsam betriebenen Kläranlagen über Schulen bis hin zu Verwaltungsaufgaben reichen, um nur einige Beispiele zu nennen.

 

Die Bürgermeister Ing. Matthias Scherer/Obertilliach (links) und Manfred Lanzinger/Untertilliach im neuen gemeinsamen Recyclinghof der beiden Gemeinden

 

Für eine derartige Zusammenarbeit haben sich auch die Osttiroler Gemeinden Ober- und Untertilliach entschieden und konnten dies bereits im Rahmen des gemeinsamen Betriebs einer vollautomatischen, biologischen Kläranlage (2005/2006 von Obertilliach errichtet) ab dem Jahr 2011 unter Beweis stellen. Schon damals gab es erste Überlegungen in Richtung eines regionalen Recyclinghofes. Der Beschluss, dieses Vorhaben umzusetzen, erfolgte 2014 bei einer Sitzung der Gemeinderäte der beiden Kommunen.

Zunächst musste die Standortfrage geklärt werden. Aus Kostengründen ging man vom ursprünglichen Plan ab, den Recyclinghof direkt neben der Kläranlage zu bauen, und entschied sich für den Ankauf von rund 4.000 Quadratmetern Grund in unmittelbarer Nähe zum Sägewerk Goller. 2018 erfolgte die Auftragsvergabe an das Osttiroler Büro Bau- und Projektmanagement Greiderer, dessen Mitarbeiter Ing. Peter Obrist für die Ausarbeitung der Pläne und während des Baus auch für die Bauaufsicht verantwortlich zeichnete. In der Frage der Finanzierung des Grundstückes und der eigentlichen Baukosten einigten sich die beiden Gemeinden auf eine Aufschlüsselung nach der Einwohnerzahl. Zusätzlich konnte die Zusage von Geldern aus Bedarfsförderungen und Fördermitteln des Landes Tirols erreicht werden.

 

 

Der Spatenstich fiel im Frühjahr 2020, die eigentlichen Bauarbeiten konnten planmäßig im Herbst abgeschlossen werden. Durch den frühen Wintereinbruch und die enormen Schneemengen ab Dezember 2020 verzögerte sich die Fertigstellung der Außenanlagen. Aus diesem Grund musste auch die offizielle Eröffnung in Anwesenheit des Tiroler Landesrates Mag. Johannes Tratter auf Juli 2021 verschoben werden.

Insgesamt werden auf dem neuen Recyclinghof 12 Großcontainer, davon einer für Gefahrengutstoffe, Platz finden. Weitere kleinere Boxen für Batterien und andere Problemstoffe sind für den nördlichen Bereich der nach vorne hin offenen Halle vorgesehen. Außerdem verfügt die Infrastruktureinrichtung über eine Karton- und eine Kunststoffpresse sowie über eine Waage für Sperrmüll und Bauschutt. „Alle Container stehen im überdachten Bereich des in Beton-Skelettbauweise errichteten Gebäudes, das ein mit Blech eingedecktes Satteldach sowie eine Holzfassade aufweist“, berichtet Ing. Peter Obrist. „In eingehausten Containern sind das Büro sowie die WC-Anlagen untergebracht.“

 

 

Der neue Recyclinghof ist über eine von der Gailtal-Bundesstraße abzweigende Gemeindestraße erreichbar und verfügt über zwei Einfahrten: über jene in die Halle für anliefernde BürgerInnen und über jene zum Platz südlich vor der Halle für die Abholung durch die LKWs des Abfallwirtschaftsverbandes Osttirol bzw. der Firma Rossbacher. Die Einfahrt in die überdachte Halle erfolgt von Osten aus, wo sich auch die Abladezone befindet. Von hier aus geht es nach Abgabe des jeweiligen Müll- bzw. Recyclingmaterials zunächst nach Westen und dann im Halbkreis in Richtung Süden, bevor der Recyclinghof dann wieder in östlicher Richtung verlassen werden kann. „Aktuell fehlen noch einige Container, die Einzäunung sowie die Videoanlage zur Überwachung des Geländes“, informieren Bürgermeister Ing. Matthias Scherer/Obertilliach und Manfred Lanzinger/Untertilliach beim Lokalaugenschein vor Ort. „Sobald alle Arbeiten erledigt sind, kann der Recyclinghof in Betrieb gehen. Bis zu diesem Zeitpunkt werden wir auch die genauen Öffnungszeiten und die Aufteilung der laufenden Kosten geregelt haben.“

Die neuerliche erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen ihren beiden Gemeinden bezeichnen die Kommunalpolitiker abschließend als „Gebot der Stunde“. Wichtig ist ihnen die Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung, dass Müll vor allem auch Wertstoff sein kann. „Je besser die Mülltrennung, desto weniger Restmüll und umso geringer auch die Entsorgungskosten für beide Gemeinden!“

 

Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: © Peter Märkl, Osttiroljournal

07. Mai 2021 um