Wolf-Diskussion: „Wir brauchen rechtliche Lösung zur Entnahme von Problemtieren!“

Eine Umfrage des Market Instituts wurde in der Landwirtschaftskammer Lienz präsentiert. In ländlichen Gebieten ist man eher gegen die Rückkehr des Wolfes.

Die Rückkehr der großen Beutegreifer polarisiert die Gesellschaft. Auch in Osttirol wurden schon Tiere von einem Wolf gerissen – etwa zwei Schafe und zwei Lämmer eines Bergbauernbetriebes im Matreier Ortsteil Huben im vergangenen Oktober. Massiv gegen die Wiederansiedlung des Wolfes sprachen sich Bezirksobmann Konrad Kreuzer und Bezirksstellenleiter Martin Diemling von der Landwirtschaftskammer Osttirol sowie LA Hermann Kuenz bei einem Pressegespräch am Dienstag, 4. Feber, aus. Grund der Einladung war die Präsentation der Ergebnisse einer Umfrage des Market Instituts.

 

v.l.n.r.: Martin Diemling (LK-Bezirksstellenleiter), LA Hermann Kuenz und Konrad Kreuzer (LK-Bezirksobmann) sind sich einig, dass bei einer Rückkehr von Wölfen die Alm- und Weidewirtschaft in Osttirol in Gefahr ist, und dass es eine rechtliche Lösung zur Entnahme von Risikowölfen braucht.

 

Befragt wurden im Auftrag des Kärntner Almwirtschaftsvereines 1.000 KärntnerInnen und OsttirolerInnen (davon 217 Personen in den Bezirken Spittal an der Drau und Lienz). „Ziel der Umfrage war es, die Meinung der Bevölkerung zum Thema Wiederansiedlung des Wolfes abzufragen – speziell auch in den vom Kuratorium Wald vor rund zwei Jahren als Wolfszonen vorgeschlagenen Bezirken Lienz und Spittal. So ergibt die Umfrage ein anderes Stimmungsbild als eine Umfrage im Auftrag des WWF im Mai 2019 – übrigens ebenfalls vom Market Institut durchgeführt“, so Konrad Kreuzer einleitend.

 

LA Hermann Kuenz: „Wir werden alle Hebel in Bewegung setzen, damit der Wolf bei uns nicht sesshaft werden kann. Die Weide- und Almbewirtschaftung ist gefährdet. Wir brauchen eine rechtliche Lösung zur Entnahme von Problemtieren. Wir werden in Tirol an einer Lösung arbeiten, die Kompetenz dazu hat der Landtag. Derzeit muss man monatelang auf einen Bescheid warten. Wir denken an eine Regelung im Verordnungswege.“

 

Zur Frage der Eignung der beiden Bezirke als Wolfsgebiete haben bei der Umfrage in Osttirol und Spittal 51% mit „nicht geeignet“ geantwortet, im restlichen Kärnten waren es 31%. 37% haben im restlichen Kärnten mit „geeignet“ geantwortet, beträchtliche 32% mit „weiß nicht“. Dass Almen wegen des Herdenschutzes (hohe Zäune, scharfe Hunde) nicht mehr betreten werden können, glauben laut Umfrage 60% der Befragten in Osttirol und Spittal, 55% der Befragten im restlichen Kärnten. Dass das Almvieh gar nicht geschützt werden kann, glauben 62% der Befragten in Osttirol und Spittal, 53% der Befragten im restlichen Kärnten.

„Das Thema Alm ist grundsätzlich bei der Bevölkerung sehr positiv besetzt. Die persönliche Bewegungsfreiheit auf der Alm sehen aber viele als eingeschränkt, wenn der Wolf zurückkehrt. Außerdem glaubt eine Mehrheit nicht an effektive Herdenschutzmaßnahmen. In unserer Region befürchtet eine klare Mehrheit, dass es bei einer Rückkehr des Wolfes zu massiven Problemen auf den Almen kommt“, betonte Hermann Kuenz.

 

Landwirtschaftskammer-Bezirksobmann Konrad Kreuzer: „In Osttirol gibt es rund 16.000 Schafe, die im Sommer von etwa 380 Bauern auf die Almen getrieben werden, wobei es sich bei uns in der Region um Einzelherden handelt. Aufgrund der unterschiedlichen Voraussetzungen auf den Almen, was etwa Größe und Anzahl der aufgetriebenen Tiere betrifft, gibt es keine Möglichkeit, die Herden wirksam vor dem Wolf zu schützen. Die Bauern brauchen deshalb eine rechtlich saubere Lösung zur Entnahme von Problemwölfen.“

 

Für die Erlegung von Risikowölfen sprechen sich 53% der Befragten in Osttirol und Spittal aus, 51% der Befragten im restlichen Kärnten. „Es muss einen einfacheren Weg für eine bewilligte Entnahme von Problemwölfen geben als Einzelbescheide“, so Konrad Kreuzer. Die Almstruktur in unserer Region biete keine Möglichkeit, die Schafherden wirksam vor dem Wolf zu schützen. „Herdenschutz ist mit intensivem Tourismus – wie wir ihn in Tirol vorfinden – nicht vereinbar“, hielt Hermann Kuenz abschließend fest.

Umfrage Market Institut zum Download

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: AdobeStock/Frank, Osttirol heute/Mühlburger

04. Februar 2020 um