WK-Preisstudie für Hoteliers und Gastronomen
Osttirols Betriebe liegen bei den zu erzielenden Preisen in der Hotellerie im Tiroler Durchschnitt, bei den Speise- und Getränkepreisen aber am unteren Ende. Die Wirtschaftskammer-Fachgruppe Hotellerie hat das Preisgefüge bei den Tiroler Beherbergungsbetrieben in den letzten drei Jahren durch die Kohl & Partner Tourismusberatung GmbH untersuchen lassen, die Preise in der Gastronomie (Speisen und Getränke) wurden im heurigen Jahr analysiert. „Wir haben Basispreise abgefragt und auch erhoben, wo sich Preise verändern und wo nicht. Dadurch konnten wir einen sehr guten Überblick über den Ist-Zustand des Preisgefüges in den Tiroler Tourismusbetrieben gewinnen“, so Siegfried Egger, Obmann der WK-Fachgruppe Hotellerie, bei der Präsentation der Preisstudie am 29. November 2012 in der Wirtschaftskammer Lienz.
„Wir haben die Preise der Hotellerie in den einzelnen Tourismusregionen und in der Gastronomie in den einzelnen Bezirken miteinander verglichen. Einem Vergleich unterzogen wurde auch die Preisgestaltung in den Kategorien 3-Stern-, 4-Stern bzw. 4-Stern- und 5-Stern-Betriebe. Sinn der Studie ist auch, die Tourismusunternehmen für die Preisgestaltung zu sensibilisieren“, erklärte Mag. (FH) Helmut List, Geschäftsleiter von Kohl & Partner.
Mit guten Dienstleistungen könnten am Markt gute Preise erzielt werden, und die höheren Kategorien seien in Bezug auf regelmäßige Preissteigerungen klar im Vorteil, berichtete Egger weiter, der das Hotel „Alpenresidenz Adler“ in Kirchberg i.T. führt. „In der schwierigsten Situation sehe ich die 3-Stern-Betriebe. Für die unteren Kategorien ist es besonders im Sommer und in der Nebensaison eine große Herausforderung, Gäste für ihre Häuser zugewinnen“, analysierte List.
v.l.n.r. WK-Bezirksstellenleiter Mag. Reinhard Lobenwein, Mag. (FH) Helmut List (Geschäftsleiter Kohl & Partner), Siegfried Egger, Hotelier und Obmann der WK-Fachgruppe Hotellerie
Für die Tourismusregion Osttirol sei die Erreichbarkeit vor allem für jene Gäste, die Kurzurlaube oder in der Nebensaison einen Urlaub buchen, ein Standortnachteil. „Hier sollte man die Strategie andenken, eher auf nahe Märkte und verstärkt auf das Inland zu setzen“, empfiehlt List. Egger erachtet die „Abgeschiedenheit“ Osttirols nicht unbedingt als einen Nachteil. „In manche abgelegenen Talschaften im Tiroler Oberland ist man beispielsweise länger unterwegs als in den Bezirk Lienz“, betonte er. Er sieht die große Chancen für den Bezirk Lienz in der intakten Natur, dem NPHT, in der traumhaften Berglandschaft mit den höchsten Gipfeln Österreichs und in der Ursprünglichkeit der Region liegen. „Das sind alles Themen, die beim österreichischen Gast sehr gut ankommen und große Möglichkeiten für Osttirol beinhalten“, so der Fachgruppen-Obmann. „Man sollte vermeintliche Schwächen – wie Abgeschiedenheit und Ursprünglichkeit – in Stärken umwandeln. Osttirol hat viel zu bieten. Ungeachtet dessen bleiben aber eine hohe Ausstattungsqualität in den Hotels und Gastronomiebetrieben, moderne Techniken bei Aufstiegshilfen sowie ein aktuelles Angebot in Hinsicht auf wichtige Kommunikationsmöglichkeiten (z.B. Internet) Voraussetzungen für den Erfolg“, so Helmut List.
Zahlreiche interessierte Hoteliers und Gastronomen nahmen an der Präsentation der Studie „Mit Strategie gegen den Preiskampf“ teil.
„Wir brauchen in der Hotellerie und Gastronomie höhere Preise“, meinten Egger und List unisono. Die Osttiroler Beherbergungsbetriebe liegen im Vergleich mit anderen Tiroler Tourismusregionen bei den zu erzielenden Preisen nur knapp unter dem Durchschnitt. Bei den Speise- und Getränkepreisen hinkt man aber deutlich hinterher und ist beispielsweise bei den Preisen für Bier oder Kaffee gemeinsam mit dem Bezirk Reutte Tiroler Schlusslicht. „Eine kontinuierliche jährliche Anpassung der Preise sollte bei den Gastronomiebetrieben Standard sein“, so Hotelier Siegfried Egger abschließend.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Journal/Sulzenbacher