Wirtschaft – Die Woche kompakt!
Armut in Europa? Eine Pressemeldung ist mir in dieser Woche besonders aufgefallen. Die Firma Unilever will als Folge der Eurokrise in Zukunft kleinere Packungsgrößen anbieten.
Einer der größten Konsumgüter-Konzerne der Welt (Unilever, ca. 170.000 Mitarbeiter und ca. 44 Mrd. Euro Umsatz), bekannt für Marken wie Knorr, Maggi, Pfanni, Rama, Coral, Omo, Axe, Rexona und auch Eskimo-Iglo, rüstet sich als Folge der Eurokrise für die „neue Armut“ in Europa. In der Montagsausgabe der Financial Times Deutschland meinte Europachef Jan Zijderveld: „Die Armut kehrt nach Europa zurück!“ Ein Spanier gebe jetzt bereits nur mehr durchschnittlich 17,- Euro pro Einkauf aus, dann könne Unilever diesem kein Waschmittel um 9,- Euro, also mehr als die Hälfte der genannten Einkaufssumme, verkaufen. Deshalb werde Unilever die positiven Erfahrungen aus dem Asiengeschäft in Zukunft auch für Europas Konsumenten anwenden. Dies bedeutet einfach kleinere Packungsgrößen, die pro Einkauf deutlich weniger Geldeinsatz für eine Warengruppe erfordern als bisher. In Spanien werden bereits Waschmittelpackungen angeboten, die nur mehr für fünf Waschgänge abgepackt sind, in Griechenland Erdäpfelpüree ebenfalls in Kleinpackungen für eine Mahlzeit.
Unabhängig vom möglichen reellen Hintergrund dieser „Europastrategie“ des drittgrößten Konsumgüterherstellers der Welt glaube ich, steckt natürlich auch bewusste Preis-Taktik dahinter. Einerseits gehen Konsumenten bei kleineren Packungsgrößen gezwungenermaßen öfter einkaufen und kommen dadurch auch öfters in „Versuchung“, doch wieder zusätzliche Warengruppen zu erwerben, die sie beim Einmal-Einkauf evtl. nicht „gesehen“ und gekauft hätten. Andererseits bedeuten kleinere Verpackungseinheiten einen höheren Preis, bezogen auf eine Maßeinheit „Liter“ oder „Kg“, d.h. sind in Bezug zur bisherig gewohnten Menge deutlich teurer und ermöglichen dadurch höhere Gewinnspannen direkt auf das Produkt bezogen. Die durch Unilever angesagte Armut in Europa könnte somit paradoxerweise zu mehr damit herbeigeführtem Unilever-Konzerngewinn führen.
Das Erfreuliche an der Marktwirtschaft für uns Konsumenten ist der Wettbewerb. Wir können es uns aussuchen – wollen wir diesen scheinbaren Vorteil, pro Einkauf weniger Geld für weniger Ware (kleinere Verpackungsgrößen) auszugeben oder kaufen wir beim Konsumgüter-Mitbewerber (z.B. Nestle Produktpalette, Supermarkt-Eigenmarken etc.), die diese Maßnahmen bisher in Europa noch nicht umsetzen wollen.
Einer wird gewinnen!
