Wirtschaftskammer Tirol erwartet für 2023 Wirtschaftsflaute, aber keine Rezession

Tirols Wirtschaft wird 2023 wahrscheinlich wieder das Niveau vor Corona erreichen. Größte Herausforderungen bleiben der Fachkräftemangel und die hohen Energie- und Rohstoffpreise.

„Während sich das erste Halbjahr 2022 wirtschaftlich positiv – vor allem im zweiten Quartal sogar sehr dynamisch – entwickelte, wirkten im zweiten Halbjahr 2022 der Arbeitskräftemangel, die hohen Energie- und Rohstoffpreise und damit einhergehend eine hohe Inflationsrate bereits wachstumsdämpfend. Die aktuelle wirtschaftliche Lage wird von den Betrieben nach wie vor tendenziell positiv bewertet: 35 % der befragten Tiroler Leitbetriebe bewerten ihre wirtschaftliche Lage als gut, 49 % als zufriedenstellend/saisonüblich und 16 % als schlecht“, fasste der Tiroler Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Walser die aktuelle Situation bei einem Pressegespräch zu den Aussichten für das neue Jahr zusammen.

Auffallend sei, dass sich die wirtschaftliche Lage vor allem bei den Produktionsbetrieben im Vergleich zur Situation vor einem Jahr zum Teil deutlich eingetrübt hat: „Während im Jänner des Vorjahres 56 % der Gewerbebetriebe und 57 % der Industriebetriebe eine gute wirtschaftliche Lage meldeten, sind es aktuell 41 % bzw. 35 %“, erklärte Stefan Garbislander, Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik, Innovation und Nachhaltigkeit.

Konträr dazu stellt sich die Situation im Tourismus dar: 48 % melden eine gute wirtschaftliche Lage – vor einem Jahr waren es coronabedingt nur 15 Prozent. Über die verschiedenen Branchen hinweg hat sich damit die wirtschaftliche Lage angeglichen.

Erwartung für das erste Halbjahr: Stagnation

Für die Monate bis zur Jahresmitte 2023 gehen die Tiroler Leitbetriebe überwiegend von einer wirtschaftlichen Stagnation aus: Konkret erwarten 68 % eine gleichbleibende wirtschaftliche Entwicklung, 17 % eine Verbesserung und 15 % eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage ihres Unternehmens. Skeptisch sind vor allem der Tiroler Handel und die Tiroler Industrie. Optimistischer ist hingegen der Tourismus.

Der Geschäftsklimawert insgesamt (als Mittelwert zwischen aktueller Lage und Erwartungen für die kommenden sechs Monate) geht zwar von +24 %-Punkten vom Sommer 2022 auf nun +7 %-Punkte zurück, bleibt damit aber klar im positiven Bereich. „Tirols Wirtschaft erfährt in den ersten beiden Quartalen 2023 eine Schwäche-, aber keine Rezessionsphase“, erklärte Walser.

In Summe hat der Wirtschaftsstandort Tirol die Krisen schneller verkraftet als erwartet. Während es 2020 einen Rückgang um 9 % und 2021 ein Nullwachstum gab, legte die Wirtschaft 2022 um 6 bis 7 % zu und wird 2023 um 1 bis 2 % wachsen. „Damit werden wir bereits Ende 2023 das Vor-Coronaniveau wieder erreichen – das ist rascher als erwartet. Unser Standort erweist sich damit als sehr krisenresistent“, betonte der Wirtschaftskammer-Präsident.

Wirtschaftsjahr 2023: Gedämpfte Erwartungen

Für das gesamte Wirtschaftsjahr 2023 haben die Betriebe gedämpfte Erwartungen. Die Energiekosten und der Arbeitskräftemangel bleiben die größten betrieblichen Herausforderungen. Was die Wirtschaftsentwicklung Tirols im Jahr 2023 betrifft, sind die Leitbetriebe sehr zurückhaltend: 12 Prozent sind für das Wirtschaftsjahr 2023 eher optimistisch, 30 % pessimistisch und 59 % neutral (2022: 25 % / 14 % / 61 %).

86 % der befragten Leitbetriebe geben an, dass die Energie- und Rohstoffpreise ihre aktuell größte betriebliche Herausforderung darstellen. Gleichauf liegt bei den Herausforderungen der Arbeitskräftemangel mit 85 %, gefolgt von den Arbeitskosten (50 %). Ebenfalls spürbar: Durch die Zinswende gewinnt auch das Thema der Finanzkonditionen wieder Bedeutung (20 %). Die derzeit unsichere Corona-Entwicklung in China könnte zudem die Lieferketten-Problematik neu entfachen (42 %).

 

Text: Redaktion, Foto: WKT/Die Fotografen

12. Januar 2023 um