Wirtschaftskammer Lienz: „Schwieriges Umfeld mit Lichtblicken und Chancen!“

Von durchwachsenen Aussichten für Industrie, Handel und Verkehrswirtschaft, aber von guten Entwicklungen im Tourismus sprach WK-Präsidentin Barbara Thaler beim Neujahrsempfang.

Im Vorfeld des Neujahrsempfangs der Wirtschaftskammer Lienz am Montag, 22. Jänner, luden Barbara Thaler, Präsidentin der WK Tirol, und Bezirksobfrau Michaela Hysek-Unterweger zu einem Pressegespräch. „Zu Beginn des neuen Jahres ist die Ausgangslage für die Wirtschaft durchaus herausfordernd. Der Arbeitskräftemangel ist für viele Unternehmen ein Problem, die Energiepreise und die Inflation verursachen hohe Kosten. Stark unter Druck befinden sich derzeit insbesondere die Industrie, der Handel und die Verkehrswirtschaft. Im Baugewerbe ist langsam wieder eine Besserung bei der Auftragslage spürbar, und ein Lichtblick ist auch die gute Entwicklung im Tourismus“, so Thaler einleitend.

Optimistisch stimmt die Präsidentin die breite Struktur der Tiroler Wirtschaft. „Mit unserem Mix aus Dienstleistern und Produktionsbetrieben, aus kleinen, mittleren und großen Betrieben, aus Spezialisten und Allroundern haben wir die Krisen der letzten Jahre besser überstanden als andere Standorte“, betonte Thaler.

 

WK-Präsidentin Barbara Thaler: „Auch die hohen Lohnabschlüsse machen eine Planbarkeit für 2024 in manchen Branchen schwierig. Im Baugewerbe verbessert sich die Auftragslage wieder. Das wirkt sich auch positiv auf mit der Baubranche zusammenhängende Gewerbebetriebe aus. Der Einbruch im privaten Wohnbau ist sicher ein Problem, aber die Baufirmen berichten uns auch von starken Zuwächsen bei den Sanierungen.“ Foto: Osttirol heute/Mühlburger

 

Auch die Osttiroler Wirtschaftskammer-Obfrau Michaela Hysek-Unterweger stieß bei ihrem Bericht über die Entwicklungen im Bezirk Lienz in das selbe Horn. „Aufgrund der ausgewogenen Wirtschaftsstruktur basierend auf Industrie, Gewerbe, Handwerk und Tourismus bewies die Osttiroler Wirtschaft auch in Krisenzeiten eine hohe Widerstandskraft. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten erreichte im Vorjahr mit 20.412 Personen einen historischen Höchststand, die Arbeitslosenquote hingegen mit 4,1 Prozent einen dokumentierten Tiefstand“, berichtete die Obfrau.

Diese Entwicklungen zeigen, dass sich die Probleme von der hohen Arbeitslosigkeit in den letzten Jahrzehnten zu einem Arbeitskräftemangel gewandelt haben. Die Wirtschaftskammer wolle hier mit Maßnahmen entgegensteuern. „Mit der Jobmesse und dem Projekt Willkommenskultur/Welcome Center soll Arbeitssuchenden der Erstkontakt zu künftigen Arbeitgebern im Bezirk und die Integration erleichtert werden. Um den erhöhten Bedarf an Fachkräften zu decken, brauchen wir vor allem auch mehr Zuzug. Stolz sind wir insbesondere auch auf unsere Lehrlinge, die bei Lehrlingswettbewerben – auch auf Bundesebene – immer wieder hervorragend abschneiden“, so Hysek-Unterweger.

 

Die Osttiroler WK-Bezirksobfrau Michaela Hysek-Unterweger und die Tiroler WK-Präsidentin Barbara Thaler sprachen von großen Herausforderungen für die Tiroler Wirtschaft im Jahr 2024, vor allem was den Arbeitskräftemangel, die hohen Energiekosten, die Inflation und die gedämpfte Kaufkraft betrifft. Foto: Osttirol heute/Mühlburger

 

Als wichtiges Fundament für Wachstum und Entwicklung in der Wirtschaft sprach die Bezirksobfrau das Thema Bildung an: „Dem WIFI Lienz gelang es, seine Position als führendes Bildungsinstitut für die Wirtschaft im Bezirk auszubauen. Im Vorjahr besuchten etwa 1.500 Personen die rund 220 angebotenen Kurse und Trainings. Über das LEADER-Projekt ,Bildungsmatch‘ können junge Fachkräfte spezielle Ausbildungsschwerpunkte absolvieren.“

In diesem Zusammenhang wurde auch der Campus Lienz thematisiert. „Es sind teure Strukturen geschaffen worden, die aktuell fast brach liegen. Das ist auf Dauer nicht zu rechtfertigen. Der Campus Lienz zu muss zu einem dezentralen, aber vollwertigen Universitätsstandort ausgebaut werden. Derzeit fehlt es sowohl an universitärer Lehre, als auch an Forschungs- und Projektkooperationen mit der lokalen Wirtschaft“, so die Bezirksobfrau.

Grund zur Zuversicht liefere vor allem der Tourismus. „Mit 2,16 Mio. Nächtigungen im Tourismusjahr 2022/23 kann die Branche einen beachtlichen Zuwachs von 11 % zum Vorjahr vorweisen und befindet sich mittlerweile wieder auf dem Niveau wie vor der Corona-Pandemie“, berichtete Michaela Hysek-Unterweger.

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Brunner Images, Osttirol heute/Mühlburger

23. Januar 2024 um