Wirtschaftskammer: Digitalisierung und Arbeitskräftemangel 2019 im Fokus
Mehr Sachlichkeit und weniger Klassenkampf forderte der neue Tiroler Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Walser beim Neujahrsempfang am Montag, 21. Jänner 2019, in Lienz.
Seit 14. November 2018 ist Christoph Walser als Nachfolger von Jürgen Bodenseer Präsident der Wirtschaftskammer Tirol. Walser hat ein Transportunternehmen mit rund 60 MitarbeiterInnen und ist Bürgermeister der Nordtiroler Gemeinde Thaur. Im Vorfeld des diesjährigen Neujahrsempfangs in Lienz lud Walser gemeinsam mit dem Osttiroler WK-Obmann Michael Aichner zu einem Mediengespräch. „Wir hatten 2018 ein Wirtschaftswachstum von über 3% und rechnen auch im neuen Jahr mit einem Wachstum von rund 2%. Die Arbeitslosenquote ist weiter im Sinken. In den Monaten Juli und August rechnen wir heuer mit Vollbeschäftigung. So wird die Arbeitslosenquote in Tirol 2019 auf rund 4,3% sinken”, zeigte sich Walser optimistisch.
Christoph Walser: „Im Zuge der AK-Wahl ist im ganzen Land das Schlagwort ,Soziale Kälte‘ plakatiert. Das entspricht einfach nicht der Realität. Erweiterung der Bildungsfreistellung, mehr Urlaub usw. – wenn alle diese Forderungen erfüllt werden, dann könnten 80% der Betriebe in Tirol zusperren. Wenn ich bei meinen Betriebsbesuchen mit den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern rede, dann höre ich großteils weder Jammern noch Kritik.”
Als drei der größten Herausforderungen nannte Walser den Fachkräftemangel, die Digitalisierung und den Verkehr. In der öffentlichen Debatte wünsche er sich mehr Sachlichkeit und weniger Klassenkampf. „Im Vorfeld der AK-Wahl gibt es viele Forderungen. Würde die Wirtschaft diese alle erfüllen, könnten 80% der Betriebe zusperren. Hören wir auf mit diesem Klassenkampf und kehren wir zu mehr Sachlichkeit zurück. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollen darüber diskutieren, was realistisch und vor allem auch finanzierbar ist”, forderte Walser.
WK-Obmann Michael Aichner: „Mit etwas Verzögerung ist der Facharbeitermangel auch in Osttirol angekommen. Er wird sich bei uns auch aufgrund der sinkenden Bevölkerungszahlen leicht verschärfen.”
Der Arbeitskräftemangel werde in Tirol zusehends zum Problem. Viele Initiativen seien von der Wirtschaftskammer und dem Land Tirol gesetzt worden, um die Lehre ins Zentrum der Wirtschaft zu rücken. „So wichtig die akademische Ausbildung ist, wir müssen insbesondere die Facharbeiter und die Lehre wieder in den Mittelpunkt der Gesellschaft rücken. Eltern sollen wieder stolz sein, wenn ihre Kinder eine Lehre absolvieren. Und vor allem gibt es nach der Lehrabschlussprüfung eine Jobgarantie”, so der Präsident. Eine weitere Herausforderung sei die Digitalisierung. „Leider wird dieser Bereich häufig schlecht geredet. Es heißt oft, dass durch die Digitalisierung Arbeitsplätze vernichtet werden. Ich sehe die Digitalisierung aber als Chance, und es werden sogar neue Jobs geschaffen”, betonte er.
Der Osttiroler WK-Obmann Michael Aichner berichtete über die aktuelle Lage im Bezirk Lienz und zeigte sich ebenfalls optimistisch. „Seit 2017 liegt die Erwerbsquote in Osttirol höher als im österreichischen Durchschnitt. Im vergangenen Juli hatten wir im Bezirk Rekordbeschäftigung. Die Arbeitslosigkeit ist 2018 auf ein Rekordtief von schätzungsweise 7,5% gesunken. 2015 waren es noch etwa 10,5%”, so Aichner. Dem Facharbeitermangel müsse man sich proaktiv stellen. „Ein Ansatzpunkt ist das Zurückgewinnen von Auspendlern. Am 5. und 6. April werden wir deshalb erstmals eine Auspendlermesse unter dem Titel ,Zruck hoam‘ organisieren. Parallel dazu wird durch eine Werkverkehrsstudie durchleuchtet, wie Verbesserungen auf dem Weg zum Arbeitsplatz für im Bezirk Pendelnden erreicht und Mobilitätseinschränkungen abgebaut werden können”, so Aichner.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Brunner Images








