„Wir arbeiten mit Hochdruck an der Ersatzstraße!“
Ein Interview mit FAG-Vorstandsdirektor Mag. Karl Poppeller über das Voranschreiten der Sicherungsarbeiten sowie die Umsetzung der geplanten Ersatzstraße am Felbertauern.
Herr Mag. Poppeller, wie ist die aktuelle Lage am Felbertauern?
Poppeller: Die Sanierung des Felssturzbereiches geht den Umständen entsprechend zügig voran. Leider führten intensive Regen- und Schneefälle immer wieder zu Verzögerungen. Nach eingehender Beurteilung auf Basis neuester Berechnungen und Simulationen durch die Geologen stellt sich die Situation des Hanges wesentlich kritischer als ursprünglich angenommen dar, weit reichendere Sicherungsmaßnahmen sind erforderlich. Dies ist auch der Grund dafür, wieso der zuerst angestrebte Zeitplan mit einer Straßensperre von nur wenigen Wochen nicht haltbar ist. Voraussichtlich wird die Felbertauernstraße auf der ursprünglichen Route unter den günstigsten Voraussetzungen erst Ende September 2013 wieder einspurig befahrbar sein. Voraussichtlich deshalb, weil derzeit weder der Zustand der Fahrbahn und der rückwärtigen Mauer, noch die Ränder des Abbruchbereiches links und rechts von Experten exakt beurteilt werden können. Zudem sind erneut auftauchende unabwägbare Schwierigkeiten nicht auszuschließen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit für die Ersatzstraße, an der derzeit intensiv gefeilt wird.
Könnten Sie das Projekt der Ersatzstraße näher erläutern?
Poppeller: Die Idee dazu ist ca. zehn Tage alt. Die Zeit seitdem haben wir bestens genützt, um die technischen Voraussetzungen zu eruieren und exakt zu planen. Am 4. Juni 2013 wurde das Projekt bei der BH Lienz eingereicht. Verhandlungen mit Grundeigentümern wurden geführt und eine Straßeninteressentschaft gegründet, an der vorerst die Grundeigentümer der 1. Bauphase beteiligt sind. Neben der Marktgemeinde Matrei und der FAG sind dies Andreas Brugger vom Matreier Tauernhaus und die Grundeigentümer Gerhard Steiner und Georg Fuetsch. Weitere Interessenten (Anlieger im oberen Bereich) können später beitreten. Für den 10. Juni 2013 ist die Bauverhandlung unter dem Vorsitz des Matreier Bürgermeisters Dr. Andreas Köll als Baubehörde angesetzt. Die Straße wird eine Gesamtlänge von ca. 1 350 Meter haben, über drei Kehren führen und durchgehend asphaltiert sein. Etwas mehr als tausend Meter sollen einspurig, etwas mehr als 300 Meter im oberen Bereich zweispurig befahrbar sein. Die Bauzeit beträgt ca. 1,5 Monate. Es soll gleichzeitig an mehreren Stellen mit den Arbeiten begonnen werden. Eine besondere Problematik ergibt sich aus zwei Druckrohrleitungen, die hier verlaufen. Laut Planung müssen sie mehrere Male im Bereich der neuen Straße überbaut werden, woraus zusätzlicher Aufwand resultiert.
Wer plant die Straße, und wie hoch sind die Kosten?
Poppeller: Mit der Planung haben Techniker der Felbertauernstraße begonnen, bei der Trassierung wurden sie vom Amt für Landwirtschaft tatkräftig unterstützt. Die endgültige Planung hat das technische Büro DI Arnold Bodner inne. Die Kosten belaufen sich auf ca. 1,2 bis 1,4 Mio. Euro. Die Finanzierung der Ersatzstraße wird von der FAG getragen. Wir hoffen, dass wir einen Teil der Kosten aus diversen Fördertöpfen ersetzt bekommen.
Wie hoch wird der wirtschaftliche Gesamtschaden für die FAG ausfallen?
Poppeller: Die neue Straße wird insbesondere deshalb umgesetzt, um die Folgen für die Osttiroler Wirtschaft, vor allem im Bereich Tourismus, in Grenzen zu halten. Deshalb hoffen wir auch, dass das Land das Projekt der Ersatzstraße unterstützt. Außerdem können aufgrund der geologischen Situation weitere Verzögerungen nicht ausgeschlossen werden. Auch aus diesem Grund muss es so rasch wie möglich eine zufriedenstellende Ersatzmöglichkeit für eine Fahrt in den Norden geben. Auf die FAG kommen immense Kosten zu: Ca. 4,5 Mio. Euro für die Sanierung und den Bau der neuen Straße und eine ähnlich hohe Summe, die durch den Mautausfall bedingt ist. Wir gehen derzeit von einem Gesamtschaden von 8 bis 10 Mio. Euro aus.
Wann wird die Ersatzstraße geöffnet werden können?
Poppeller: Die Bauverhandlung ist wie gesagt für den 10. Juni anberaumt. Der Baubeginn sollte danach kurzfristig erfolgen können. Ich bin mir sicher, dass alle Behörden und Abteilungen, die damit befasst sind, an einer raschen Lösung mitwirken werden.
Wie weit ist man mit den Sicherungsarbeiten?
Poppeller: Wir sind zurzeit immer noch mit der Hangabsicherung beschäftigt. Es gibt einen „Ankerplan“ für 50 bis 60 Anker. Zurzeit ist gut die Hälfte platziert. Außerdem muss der Abbruchbereich mit einem Netz gesichert werden. Diese Arbeiten schreiten gut voran. Bevor wir überhaupt mit den Aufräumarbeiten an der zerstörten Galerie beginnen können, muss ein Steinschlagnetz unmittelbar unterhalb des Abbruchbereiches und eines knapp oberhalb der Straße angebracht werden. Unsere ursprünglichen Planungen sahen vor, diese Maßnahmen gleichzeitig bzw. teilweise überlappend auszuführen. Dies ist nach derzeitiger Beurteilung der Geologen leider nicht möglich. Die Arbeiten müssen aus Sicherheitsgründen Zug um Zug umgesetzt werden, was den Zeitablauf erheblich verzögert.
Wie läuft der Pendlershuttle?
Poppeller: Die Pendlerregelung ist ein reines Service der Felbertauernstraße AG für die Osttiroler Bevölkerung. Für die Durchführung der Personenbeförderung ist die Postbus GmbH gemeinsam mit dem VVT und dem ÖPNV (Öffentlicher??Personennahverkehr) verantwortlich.
Danke für das Gespräch!
Text: J. Hilgartner, Foto: Brunner Images