Windwurfschäden in Kals: Die Aufräumarbeiten sind in vollem Gange

Der Schutz des Siedlungsraumes hat beim „Flächenwirtschaftlichen Projekt 2019”, das derzeit im Kalsertal umgesetzt wird, oberste Priorität.

Enorm große Windwurfflächen erinnern in Osttirol an das Sturmtief Vaia, das Ende Oktober 2018 Teile des Bezirkes heimsuchte. Besonders stark in Mitleidenschaft gezogen wurden damals das Kalsertal mit 110.000, das Tiroler Lesachtal mit 60.000 und das Villgratental mit 30.000 Festmetern Schadholz. Die Sturmböen zerstörten große Waldflächen, darunter auch große Bereiche der so wichtigen Schutzwälder, die bisher den Schutz von Siedlungsräumen und Straßen vor Steinschlag, Muren und Lawinen gewährleisteten.

 

Projektleiter DI Hanspeter Pussnig von der Gebietsbauleitung der Wildbach- und Lawinenverbauung Tirol

 

In der Osttiroler Glocknergemeinde Kals präsentierte sich das Schadensausmaß als besonders groß, ist hier doch eine Fläche von 425 Hektar auf Seehöhen zwischen 1.300 und etwa 1.900 Metern betroffen. Das daraus resultierende hohe Gefährdungspotential für „Unterlieger“, also Siedlungen und Straßen, veranlasste die Wildbach- und Lawinenverbauung Osttirol in Zusammenarbeit mit der Bezirksforstinspektion und in Abstimmung mit der Gemeinde Kals, zeitnah mit einem FWP-Projekt zu starten. Wie Projektleiter DI Hanspeter Pussnig von der Gebietsbauleitung der Wildbach- und  Lawinenverbauung Tirol betont, habe man im Rahmen der Projekterstellung zunächst Bedacht auf bestehende Wildbach- und Lawineneinzugsgebiete genommen.

 

Der Lawinenablenkdamm in Lana

 

Im Projektgebiet im ostexponierten Einhang des Kalsertales liegen immerhin zehn Wildbach- und zwölf Lawineneinzugsgebiete. In einem zweiten Schritt wurden innerhalb des von den Folgen des Sturmtiefs Vaia betroffenen Kalser Gebietes so genannte „Maßnahmenflächen“ definiert. Diese Einteilung stellt die Grundlage der Entscheidung dar, welche Maßnahmen gesetzt werden müssen und insbesondere welche davon absolute Priorität haben. Wenig verwunderlich, wurden dementsprechend jene Gebiete mit Priorität 1 und 2 gekennzeichnet, die unmittelbar oberhalb von Siedlungsbereichen sowie oberhalb der Kalser Landesstraße liegen und Hangneigungen von mehr als 28 Grad aufweisen.

 

 

Maßnahmenfläche I umfasst etwa 108 ha und Maßnahmenfläche II rund 179 ha. Die in diesen Bereichen dringend notwendigen Aufgaben – einerseits forstliche und andererseits technische Maßnahmen – wurden, wie Hanspeter Pussnig ausführt, bereits im Vorjahr gestartet. Der strenge Winter erschwerte die Fortsetzung. Nun – im Frühjahr 2019 – sind die Arbeiten in vollem Gange. Um die darunterliegenden Bereiche vor Lawinen, Steinschlägen und herabstürzenden Wurzeltellern zu schützen, werden Schutzdämme errichtet. Sämtliche Dämme sind ca. 5 Meter hoch. Jener im Kalser Ortsteil Lana ist bereits fertiggestellt, hinter der Liegenschaft „Schuster“ und in Arnig werden noch letzte Arbeiten ausgeführt. Auch das Wohn- und Wirtschaftsgebäude „Niederarnig“ sollte bald durch einen Damm geschützt sein.

 

Lawinenablenkdamm in Arnig

 

Weitere „technische“ Maßnahmen umfassen die Umsetzung von Steinschlag- und Lawinenablenkdämmen (z.B. in Lana, Oberhaslach und Arnig) sowie von Steinschlagschutznetzen (z.B. in Oberhaslach). Zudem werden Wurzelstöcke und Baumstämme aus dem Schadholzspektrum zum „Querziehen des Windwurfholzes hinter Wurzelstöcke“ und zur „Errichtung von Lawinenschutzwänden aus Holz“ herangezogen. Hanspeter Pussnig dazu: „Entrindete Baumstämme bündelt man zu Wänden und befestigt diese an Wurzelstöcken. Derartige Konstruktionen fügen sich harmonisch in die Landschaft ein und halten in etwa 20 Jahre.“ Außerdem soll die Sicherheit durch zusätzliche Stahl- und Stahl-Netzkonstruktionen erhöht werden.

 

 

Parallel zu diesen Arbeiten, die man in einem ersten Schritt in den nächsten drei bis fünf Jahren abwickeln will, muss das Schadholz aufgearbeitet und abtransportiert werden. Bisher wurden rund 40 ha bearbeitet. Schätzungen zufolge liegen im Kalsertal mehr als 400 ha. Rund 40 bis 50 Prozent des Holzes können als Sägerundholz, der Rest als Schleif- und Brennholz weiterverwendet werden. Was dann noch verbleibt, sind große Mengen an Ästen. Während derzeit große, zur Abfuhr bereit gestellte Holzhaufen das Bild prägen, werden es in einigen Monaten Berge von Ästen sein, die auf die Weiterverarbeitung als Waldhackgut warten. Gleichlaufend mit den Aufräumarbeiten liegt das Augenmerk natürlich auf der Wiederaufforstung der zerstörten Schutzwälder. Das gesamte Projekt ist, so DI Pussnig, auf eine Laufzeit von 20 Jahren ausgerichtet und umfasst einen Kostenrahmen von 17 Millionen Euro.

 

 

Text: E. Hilgartner, Fotos: Wildbach- u. Lawinenverbauung Osttirol, Michael Linder, Osttirol heute

11. Mai 2019 um