Weltmilchtag: Osttiroler Bauernvertreter appellieren an Bevölkerung
Aus Anlass des Weltmilchtages stellten Bauernvertreter die Bedeutung einer intakten regionalen Milchwirtschaft in den Mittelpunkt einer Informationskampagne.
Der Weltmilchtag, der im Jahre 1957 von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und dem Internationalen Milchwirtschaftsverband (IDF) ins Leben gerufen wurde, wird morgen, Freitag, 1. Juni 2018, bereits zum 61. Mal gefeiert. Ziel des heute weltweit in 30 Ländern zelebrierten Tages ist es, Milch als ein gesundes und natürliches Getränk für alle Altersstufen zu bewerben.
Den hohen Stellenwert einer intakten Milchwirtschaft für die Osttiroler Bauern und die gesamte Bevölkerung des Bezirkes, aber auch deren Bedeutung für die touristisch wertvolle Kulturlandschaft betonten – als Vertreter der Osttiroler Bauernschaft – LK-Bezirksstellenleiter Martin Diemling und LK-Bezirkskammerobmann Konrad Kreuzer bei einem Besuch in unserer Redaktion.
„In Tirol wird unter den weltweit höchsten Standards, Auflagen und Kontrollen produziert. Dabei spielt gerade das Tierwohl in der kleinstrukturierten Landwirtschaft, wie wir sie in Osttirol vorfinden, eine wesentliche Rolle“, hielt Kreuzer fest und erklärte weiter, dass die flächendeckende Landwirtschaft im Bezirk nur über die Bewirtschaftung von Grünland gewährleistet werden könne. Daher sei, so Kreuzer, Milchwirtschaft ein unverzichtbarer Faktor – für die Landwirtschaft wie für den gesamten ländlichen Raum! „Milchwirtschaft bedeutet nicht nur hervorragende regionale Lebensmittel, sondern ist auch ein wichtiger Wirtschaftsmotor und trägt dazu bei, dass Bezirke wie Osttirol lebenswert bleiben“, ergänzte Martin Diemling mit einem Querverweis auch auf die Erhaltung der Kulturlandschaft für Tourismus und Freizeitwirtschaft.
Gegenüber der aktuellen Lage am Milchmarkt zeigte sich Konrad Kreuzer durchaus kritisch: „Wir alle sind daran gewöhnt, eine große Auswahl heimischer Milch und Milchprodukte im Kühlregal jedes Supermarktes zu finden. Dass regionale Produkte dabei mit Ware aus der Agrarindustrie konkurrieren müssen, stellt für die heimische Milchwirtschaft ein großes Problem dar. Hinzu kommt, dass auch die Produktionsstandards ständig weiter nach oben geschraubt werden, was naturgemäß höhere Kosten verursacht. Leider schlägt sich dies aber nicht im Milchpreis, den die Bauern erhalten, ausreichend nieder.“ Dabei sei, wie Kreuzer erläutert, nicht so sehr der Milchpreis an sich das Problem. „Vielmehr sind es die verschiedenen Maßnahmen rund um das Trendthema Tierwohl.“
Hier gebe es, so Kreuzer und Diemling unisono, zwar verschiedene Marketing-Ideen, die jedoch zumeist an der Osttiroler Realität vorbeizielten. „In den Köpfen mancher Leute erfüllt der ausländische Massenbetrieb, in dem ein Rind auf Beton geboren wird und dort auch stirbt, jede Anforderung des Tierwohls. Unsere Osttiroler Bauern aber, bei denen jede Kuh einen Namen hat und quasi zur Familie gehört, tun dies für dieselben Leute jedoch nicht. Die diesbezüglich häufig sehr realitätsfremden Vorstellungen sind nicht ganz zu Ende gedacht!“ Aus diesem Grund und speziell aus Anlass des Weltmilchtages appellieren die beiden Bauernvertreter deshalb an alle OsttirolerInnen, jedoch auch an Gastronomen und Gäste, beim Griff ins Kühlregal auf heimische Produkte zu setzen. „Jeder von uns hat es sprichwörtlich selbst in der Hand, welche Landwirtschaft er in Zukunft haben will!“
Text: J. Hilgartner, Fotos: Osttirol heute und Peter Leiter
