„Vordenker“ präsentierten erste Ergebnisse
Beim 2. Meilensteintreffen am 25. Februar 2014 präsentierten im Rahmen des Prozesses „Vordenken für Osttirol“ die Arbeitsgruppen Ergebnisse, Trends und Ideen für die Region.
Präsentiert und diskutiert wurde am Dienstagabend in der Wirtschaftskammer Lienz. Im Rahmen des Leitbildprozesses „Vordenken für Osttirol“ hatten sich 130 engagierte Menschen aus dem Bezirk seit November des Vorjahres mit Ideen und Strategien für eine nachhaltige Stärkung ihres Lebensraumes und des Wirtschaftsstandortes Osttirol beschäftigt. Jetzt präsentierten die sechs Arbeitsgruppen in kurzen Statements erste Ergebnisse ihrer Sitzungen, danach diskutierten die Gruppenmitglieder mit den zahlreich zum Meilensteintreffen gekommenen Interessierten. „Das menschliche Maß“ stellte Moderator Thomas Walker in den Mittelpunkt der Veranstaltung. „Entwicklungen, die wir überblicken, verantworten und auch finanzieren können, sollen herausgearbeitet und gefördert werden“, erklärte er das Motto. Nicht die Summe aller Talente sei das Kapital einer Region, sondern die Vielfalt der Fähigkeiten.
Thomas Walker: „Tugenden – wie Bescheidenheit oder der Mut, etwas zu tun, ohne die Bodenhaftung zu verlieren, aber auch Weisheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit – gehören für mich zum menschlichen Maß.“
„In einem klein strukturierten Raum wie Osttirol ist die Förderung dieser Vielfalt noch möglich. Ein Verwaltungsmoloch wie die EU ist viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, sodass für die Förderung von Talenten keine Energie mehr frei ist“, betonte der Moderator. Die Arbeitsgruppe „Integrierte Raumentwicklung“ sah die Digitalisierung zum Globalen Dorf als wichtigsten Trend und damit den Breitband-Ausbau als wichtige Maßnahme. Gesundheit und Ernährung, der Klimawandel und die demografische Entwicklung sowie die Besinnung auf Werte wie Identität und Natur sieht diese Gruppe als weitere Meilensteine.
Elisabeth Ziegler, Gruppensprecherin Bildung: „Grundsätzlich ist uns ein neuer Zugang zum Lernen – wie etwa mit viel Bewegung in der freien Natur – wichtig.“
Von 280 großen und kleinen Bildungspuzzleteilen in Osttirol – und das ohne Schulen – berichtete Elisabeth Ziegler, Sprecherin der Arbeitsgruppe Bildung. „Inklusion und Diversität, Wertschätzung und Anerkennung, die Stärkung des tertiären Bildungsbereiches, die Osttiroler Identität mit viel Wissen in der Region sowie der Bereich Kommunikation waren die Highlights in unseren Diskussionsrunden“, so Ziegler. Die Arbeitsgruppe Tourismus stellte die regionalen Produkte und die Kulinarik sowie Natur, Berge und Wasser als Stärken der Destination in den Vordergrund. Der Großglockner als höchster Berg Österreichs, die Lienzer Dolomiten sowie die Almen als prägendes Element eines sanften und entschleunigten Qualitätstourismus waren weitere Meilensteine der Betrachtungen.
Die Steigerung der Energieeffizienz war das Highlight der Gruppe Energie, weitere wichtige Themen die steigenden Energiepreise und die Bedenken der Bevölkerung gegenüber Großprojekten. Abhängigkeiten im Energiebereich würden den Reichtum und Einfluss hin zu den Großen außerhalb der Region verschieben. „Um mehr Selbstständigkeit, Unabhängigkeit und regionale Wertschöpfung zu erreichen, brauchen wir mehr Eigeninitiative – das fehlt vielfach noch in Osttirol“, so Gruppensprecher Jan Schäfer.
Landwirt Peter Leiter: „Wir orten auch bei uns eine zunehmend landwirtschaftsferne Gesellschaft, die immer mehr Zugriffsrechte auf landwirtschaftliche Flächen fordert.“
Mensch, Natur und Nachhaltigkeit sowie den bewussten Umgang mit Ressourcen stellten die Mitglieder der Gruppe Wirtschaft, Natur und Soziales in den Fokus und sahen die Sonnenenergie, die Wasserkraft, die Holzverarbeitung, die Erhaltung der Natur sowie den Gesundheitsbereich als Chancen. „Besonders betonen möchten wir aber auch, dass es einen Wertewandel hin zu wirklichem Unternehmertum in Osttirol geben muss“, so Gruppensprecher Mag. Hansjörg Mattersberger.
Bildung, der Trend zu Regionalität, naturnahem Tourismus und Gentechnikfreiheit waren für Karin Halbfurter und Peter Leiter von der Gruppe Landwirtschaft die wichtigsten Meilensteine. Sie sahen aber auch die Entwicklung hin zu Werten, Stabilität und Entschleunigung. „Negativ findet unsere Gruppe, dass die Bürokratie immer mehr lähmt und dass es verstärkt Egoismus und Vollkaskomentalität gibt“, so Leiter. Die Landwirtschaft im Bezirk sei durch die kleinen Strukturen besonders krisenresistent. „Die vielen Erbhöfe beweisen, dass unsere landwirtschaftlichen Betriebe Krisen bis hin zu Kriegen überstehen können“, sagte der Landwirt. „Die schwierige und aufwändige Bewirtschaftung ist bei uns in Osttirol Thema, und auch das Image der Landwirtschaft könnte besser sein“, meinte Karin Halbfurter.
Im Anschluss an die Präsentationen wurden die Arbeitsgruppen durchmischt, und in drei 20-minütigen Diskussionsforen konnten die Gruppenmitglieder mit den interessierten Zuhörern diskutieren. „Jetzt ist eine Vernetzung innerhalb der Gruppen wichtig, bevor wir uns beim nächsten Meilensteintreffen wieder sehen“, sagte Moderator Thomas Walker zum Abschluss.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Brunner Images