Von Raketen & Planeten bis hin zu Robotik, Thermodynamik & Co

Seit März 2018 ist der Campus Technik Lienz mit Leben gefüllt. Hier wird universitäre Lehre und Forschung betrieben, vernetzt mit Universitäten in Hall und Innsbruck und Partnern vor Ort.

Während schulische Einrichtungen den Sommer über geschlossen halten, stehen Lernen, Arbeiten und Forschen am Campus Technik Lienz jedoch nicht still. Kinderuni, Praktikanten, Doktoranden und internationale Gäste sorgen für ein reges Treiben, wie wir uns bei unserem Lokalaugenschein überzeugen konnten.

 

Das Team des Campus Technik Lienz mit internationalen Gastforschern und Doktoranden

 

Der Campus Technik Lienz ist heute aus dem Stadtbild von Lienz nicht mehr wegzudenken, seine zukünftige Rolle für den Bildungs- und Wirtschaftsstandort kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Dies betont auch a.o. Univ.-Prof. Dr. DDI Fadi Dohnal, der wissenschaftliche Leiter der Universitäten in Lienz. Sein Aufgabenfeld ist, wie er uns erzählt, breit gestreut. „Als wissenschaftlicher Leiter vor Ort stehe ich als Erstansprechpartner für die regionale und überregionale Wirtschaft zur Verfügung, um Firmen mit den richtigen Forschern in Verbindung zu bringen. Diese Arbeit ist eine sehr erfüllende. Sie erfordert natürlich auch einiges an Fingerspitzengefühl, da zu eruieren ist, wo im Einzelfall der Schuh drückt, was die Erwartungshaltung ist und ob die Lösung durch eine Forschungs-, oder besser durch eine Entwicklungstätigkeit gefunden werden kann. Natürlich bin ich auch als Lehrender in Lienz tätig bzw. habe mich als Wissenschaftler mit mehrjähriger Industrieerfahrung auf die Auslegung, Modellierung, Vorhersage und Bewertung linearer und nichtlinearer Systeme spezialisiert. Meist handelt es sich dabei um Systeme, deren Funktion durch Schwingungsprobleme beeinträchtigt ist.“

 

 

Doktorat in Lienz: Spannende Themenstellungen

Fadi Dohnal begleitet uns in einen der modernst ausgestatteten Arbeitsbereiche des Universitätsgebäudes. Hier lernen wir die aktuell fünf Doktoranden des Campus Technik Lienz kennen, die innovative und zukunftsorientierte Forschungsfragen gemeinsam mit regionalen Firmen wie iDM oder Liebherr bearbeiten. Der Innsbrucker Moritz Fischer, BSc, MSc hat in der Tiroler Landeshauptstadt Physik studiert und ist nun bestrebt, seine Fähigkeiten im technischen Bereich durch das Doktorat zu festigen. Mit der Osttiroler Bezirkshauptstadt verbindet er viele Kindheitserinnerungen, stammt doch seine Mutter aus Lienz bzw. pflegt er hier noch verwandtschaftliche Bande. Aktuell verbringt er rund 50 Prozent seiner Zeit am Campus in Lienz. „Ich bin in Sachen Elektrotechnik unterwegs und forsche im Bereich der Zuverlässigkeit von drahtlosen Sensorknoten für IoT-Anwendungen.“ Die Entwicklung des Universitätsstandortes Lienz sieht er als sehr spannende Aufgabe an. „Direkt bei der Entstehung eines so großen Projektes dabei zu sein, eröffnet auch die Möglichkeit, in Entscheidungsprozesse miteinbezogen zu werden, bevor fixe Abläufe und Muster etabliert sind.“

 

Rauchende Köpfe in der „Forschungskammer“

 

Seine akademische Ausbildung setzt auch DI Wolfgang Hörtnagel in Lienz fort. Er hat in Graz Elektrotechnik studiert und ist seit Oktober 2017 Doktorand in Lienz. „Meine Dissertation, die ich in Kooperation mit Liebherr erarbeite, widmet sich dem Gebiet der Schwingungs- und Regelungstechnik“, betont er und meint, dass die universitäre Expertise in Lienz im Bereich der Dynamik eine ideale Basis dafür darstelle, um international aktuelle Forschung in lokale, innovative Produktentwicklungen überzuführen. „Die durch Liebherr, die Stadt Lienz und die UMIT garantierte Finanzierung meiner Doktoratstelle ermöglicht die Konzentration auf Lehre und Forschung und sorgt für ein angenehmes Arbeitsklima.“ Den intensiven, persönlichen Kontakt mit Professoren und Studenten streicht Doktorand Philipp Mair, BSc, MSc hervor. Er erhielt vor knapp zwei Monaten die Möglichkeit, ein Doktoratstudium in Kooperation mit einer global führenden Firma im Bereich der Pulvermetallurgie (GKN Powder Metallurgie) zu beginnen. „Ziel meines Studiums, das ich im Rahmen einer Rotationsstelle in Lienz, Innsbruck und im Ausland absolvieren werde, ist die Entwicklung einer neuen Aluminiumlegierung für die additive Fertigung, auch 3D-Druck genannt. Hierbei handelt es sich nicht nur um einen innovativen Herstellungsprozess, sondern um eine völlig neue Art zu denken, wie Produkte entwickelt und hergestellt werden“, führt er aus und spricht von der Chance, an einer Technologie zu arbeiten, die das Potenzial besitzt, die Zukunft zu verändern. „Es ist mein großes Ziel, meinen eigenen Fingerabdruck im Bereich des 3D-Drucks zu hinterlassen!“

Seit März 2018 arbeitet Martin Sereinig, BSc, MSc in Lienz an seiner Dissertation. Das Bachelorstudium Mechatronik sowie das Masterstudium für Regelungstechnik hat er bereits in der Tasche. Er schwärmt vom Studium der Mechatronik, weil dieses alle Disziplinen der Ingenieurswissenschaften in sich vereine. „Vor allem im Bereich der Robotik muss ein umfassendes Wissen in Mechanik, Informatik und Elektro-technik vorhanden sein, um das Gesamtsystem beherrschen zu können“, formuliert er die Faszination und verweist darauf, dass am Campus Technik Lienz mit einem mobilen Manipulator der Firma Robotnik an Lösungen für die Fabrik der Zukunft gearbeitet werde. „Mensch und Maschine rücken in den Produktionsbetrieben immer näher zusammen, deshalb sollten Roboter nicht mehr als Gefahrenquelle gesehen werden. Dies erfordert natürlich einige neuartige Sicherheitskonzepte und technologische Entwicklungen, welche im Bereich der kooperativen Robotik bereits seit längerem für stationäre Roboter-Lösungen erforscht werden. Der Einsatz von mobilen Manipulatoren wird künftig die Basis einer verbesserten, flexiblen und modularen Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine darstellen.“

 

 

In Polen hat DI Mariusz Zamojski Maschinenbau studiert. Er ist seit einigen Jahren selbstständiger Unternehmer in Osttirol und seit Oktober 2017 Doktorand am Campus Technik Lienz. Der Fokus seiner Dissertation ist auf die Entwicklung neuer Ansätze zur Regelung des Kältekreises einer neuen Generation von Wärmepumpen ausgerichtet. „Bei meiner Forschungsaufgabe für und mit der Firma iDM benötigt man neben viel theoretischem Wissen im Bereich der Thermodynamik auch ein Händchen für die praktische Umsetzung. Man muss verstehen, an welchen Schrauben gedreht werden kann, um Verbesserungen eines bereits guten Produktes zu finden. Ich versuche, verbesserte, aber auch praxistaugliche Regler zu entwickeln und praktisch zu testen.“ Die hohe Expertise des Universitätsstandortes Lienz, als auch die örtliche Nähe zum Kooperationspartner iDM ist für ihn eine effiziente Möglichkeit, das Forschungsziel möglichst schnell und auf einer guten Basis zu erreichen.

 

Angeregte Diskussion mit internationalen Gastforschern

 

Gastforscher: Zusammenarbeit mit internationalen Wissenschaftlern

Als große Bereicherung ihres „Studentenalltages“ sehen die fünf Doktoranden, wie sie unisono erklären, die Begegnung mit internationalen Wissenschaftlern an, die als Gastforscher an den Campus Technik Lienz kommen. Im Juli 2018 waren dies Dr. Ricardo Ugliara Mendes von der University of Campinas/São Paulo in Brasilien und Dr. Miguel Luis Ramírez Barrios vom Automatic Control Department, CINVESTAV, UPIBI, Mexiko-Stadt/Mexiko. Ihr Aufenthalt bildete den Startschuss für den internationalen, wissenschaftlichen Austausch in Lienz und diente in diesem Jahr dazu, gemeinsam mit Fadi Dohnal auf dem Gebiet der Dynamik (time-periodic systems) zu forschen. Die Finanzierung erfolgt über das EFRE-LEADER-Projekt Campus Technik Lienz als auch durch die brasilianische Agentur FAPESP (São Paulo Research Foundation).

 

FFG-Schülerpraktikum mit Open-Source-Roboter Poppy

 

Kinderuni und FFG-Schülerpraktikum

Während die Doktoranden und Gastwissenschaftler des Campus Technik Lienz bei unserem Besuch hochkonzentriert mit ihren Aufgabenstellungen beschäftigt waren, präsentierte sich das Bild in den Vortragssälen der Kinderuni als durchaus bunter und lebhafter. „280 Plätze für Jungforscher konnten wir heuer vergeben, insgesamt meldeten sich 343 Mädchen und Buben an“, so Julia Außersteiner. Die Osttirolerin, zuständig für die administrative Koordination am Universitätsstandort Lienz, freut sich, dass die Kinderuni auch in diesem Jahr ein voller Erfolg war. „In den 21 Workshops war die Begeisterung des technikinteressierten Nachwuchses hautnah spürbar. Nicht nur beim Roboter- oder Solarlampen-Bauen konnten wir in strahlende Kinderaugen blicken – eine sehr schöne Erfahrung“, sagt sie und führt uns weiter zu den sechs SchülerInnen Benjamin Bergmann und Jakob Gander (PHTL Lienz), Sarah Hörtnagel und Kilian Kahn (HAK Lienz), Tamara Kügler (BG/BRG Lienz) und Constantin Habsburg (formatio Liechtenstein), die in diesem Sommer ein FFG-Praktikum am Campus in Lienz absolvieren. Begleitet von Fadi Dohnal setzten sie sich mit dem humanoiden Roboter „Poppy“ auseinander. „Mir ist es wichtig, dass die Praktikanten möglichst selbstständig arbeiten. So haben sie bei `Poppy` die Hardware umgestellt, Gleichgewichtssensoren eingebaut und haben mit einfachen Bewegungen in virtueller Umgebung experimentiert, um eine Regelung komplexer Bewegungen langfristig zu erreichen“, schildert der wissenschaftliche Campus-Leiter abschließend drei der zahlreichen Inhalte des Schülerpraktikums.

 

2. Kinder-Sommer-Uni Osttirol

 

A.o Univ.-Prof. Dr. DDI Fadi Dohnal steht allen, die sich für Fragen rund um die Forschung am Osttiroler Universitätsstandort von LUFI & UMIT interessieren, jederzeit gerne zur Verfügung. Tel.: 43 (0)512/507 37182, E-Mail: fadi.dohnal@umit.at, Web: www.campus-technik-lienz.at

 

Julia Außersteiner und a.o. Univ.-Prof. Dr. DDI Fadi Dohnal, das Team des Campus Technik Lienz

 

Text: J. & E. Hilgartner, Fotos: Martin Lugger

09. August 2018 um