Von Norikern, Haflingern und der Begeisterung für Pferde in Osttirol

Wir unterhielten uns mit den Obmännern der RGO-Abteilungen Pferdezucht Josef Fuchs (Haflinger) und Norbert Duregger (Noriker) über die Bedeutung von Pferden im Bezirk Lienz.

Die Osttiroler Bezirks-Pferdeausstellung am 6. Mai 2023 in der RGO-Arena hat eindrucksvoll gezeigt, wie groß die Begeisterung für Pferde im Bezirk Lienz ist – und das nicht nur bei den Züchtern. Seit dem Jahr 2001 engagiert sich Josef Fuchs als Obmann der RGO-Abteilung Haflinger-Pferdezucht. In Abfaltersbach führt er gemeinsam mit seiner Familie den „Kaspererhof“ im Nebenerwerb.

 

Josef Fuchs: „Haflinger sind robust und anspruchslos, außerdem gute Futterverwerter.“

 

„Ich stamme aus einer typischen Norikerzucht-Familie. Durch meine Frau Agnes bin ich im Zuge der Hofübernahme zu den Haflingern gekommen. Agnes ist eine gebürtige Obertilliacherin. Im Lesachtal wurden Haflinger auf den steilen Wiesen immer schon bevorzugt eingesetzt. Da Haflinger eher leichter sind als andere Pferderassen, richten sie bei der Arbeit auf Wiesen und Äckern auch weniger Schäden an“, erklärt der Pustertaler.

 

 

Im Jahre 1989 begann er damit, Haflinger aktiv zu züchten. Der Name „Haflinger“ geht auf das Dorf Hafling in Südtirol zurück. „Heute liegt das Weltzentrum der Haflingerzucht in Ebbs im Unterinntal. Von dort aus hat sich die Rasse weltweit verbreitet. Der Haflinger ist ein gefragtes Universal-, Familien- und Freizeitpferd. Es zeichnet sich durch sein ruhiges Temperament, eine hohe Leistungsbereitschaft und große Widerstandsfähigkeit aus“, beschreibt er die Rasse.

 

 

Im Bezirk Lienz widmen sich derzeit rund 35 Pferdeliebhaber der Haflinger-Zucht. Bei der diesjährigen Bezirks-Pferdeausstellung – sie findet alle fünf Jahre statt – stellten 16 Züchter insgesamt 32 Zuchtstuten der Preisrichterkommission aus Nordtirol vor. „Höhepunkt des Jahres ist für uns Haflinger-Züchter die Versteigerung in Ebbs, die immer am letzten Wochenende im September stattfindet. Bei der Fohlenversteigerung am Samstag werden rund 100 der besten Tiroler Haflinger-Fohlen versteigert, am Sonntag findet eine Hengstschau statt. Alle fünf Jahre ist der Fohlenhof Ebbs auch Schauplatz der Haflinger Weltausstellung. Die nächste wird 2025 stattfinden“, informiert Josef.

 

 

In die Arbeit mit den Pferden ist auf dem „Kaspererhof“ die ganze Familie eingebunden. Neben Josefs Frau Agnes und Sohn Markus helfen auch die Töchter Daniela und Magdalena mit. „Pferde und damit auch die Haflinger haben in den letzten Jahrzehnten auch deswegen wieder einen Boom erlebt, weil sie gerne auch als Freizeitpferde eingesetzt werden. Für viele sind Pferde zum Hobby geworden. Mit den Tieren in der Natur unterwegs zu sein, ist ein idealer Ausgleich zum oft stressigen Alltag. Für mich sind Pferde treue Partner, und die Haflinger-Zucht ist meine große Leidenschaft“, schwärmt der Abfaltersbacher.

 

Norbert Duregger: „Noriker sind kräftige, ausdauernde Kaltblutpferde und gelten als sehr wendige, trittsichere Rasse mit ausgeglichenem Charakter.”

 

Norbert Duregger ist Obmann der RGO-Abteilung Noriker-Pferdezucht. In Gaimberg führt der Landwirt mit seiner Familie den „Grießmannhof“ und hat sich auf Milchviehmast, Pferdezucht, Rinder- und Schafhaltung spezialisiert. „Das Noriker-Pferd kam in früherer Zeit vor allem in der Land- und Forstwirtschaft, aber auch im Saumhandel zum Einsatz“, weiß er zu berichten. Der Noriker gilt als eine altösterreichische Pferderasse und die einzige, die auf dem Gebiet des heutigen Österreich ihren Ursprung hat. 1903 wurde das erste Noriker-Zuchtbuch eröffnet.

 

 

Nach dem II. Weltkrieg ging der Bestand an Noriker-Pferden stark zurück, weil die Arbeitstiere nach und nach durch Maschinen ersetzt wurden. „Pferde haben jedoch in den letzten Jahren als Reit- und Turnierpferde wieder enorm an Bedeutung gewonnen“, so der Gaimberger. Der Noriker ist ein mittelschweres, trittsicheres Kaltblutpferd mit kompaktem, gut bemuskeltem Körper und kräftigem Fundament. „Ich würde die Noriker am ehesten als sehr stark, charaktervoll und gutmütig bezeichnen. Osttirol ist eines der Hauptzuchtgebiete. So befinden sich von den rund 280 Belegungen (Zuchtstuten ab 3 Jahren) in Tirol mehr als die Hälfte im Bezirk Lienz. Eine Besonderheit der Rasse ist auch die Vielfalt der vorkommenden Farben. Neben Füchsen, Rappen und Braunen gibt es z.B. auch Mohrenköpfe und getigerte Noriker.“

 

 

Bei der Bezirks-Pferdeausstellung im Mai stellten in Lienz 40 Noriker-Züchter insgesamt 74 Stuten in neun Altersgruppen – vom Jahrling bis zu Mutter- und Galtstuten – den Preisrichtern vor.

„Auch beim Umzug war die Begeisterung für die Pferde bei Menschen jeden Alters groß. Grundsätzlich erfreuen sich Pferde in den letzten Jahren auch bei Brauchtumsveranstaltungen immer größerer Beliebtheit. Außerdem werden sie heute verstärkt auch wieder zum Holzrücken und Holzführen, manchmal auch zum Heuführen, eingesetzt. Pferde sind sehr lernfähige und anhängliche Tiere, und so verwundert es nicht, dass sie auch als Partner des Menschen empfunden werden“, betont Norbert und weist abschließend auch darauf hin, dass man den Tieren immer mit Respekt begegnen und einen gewissen Abstand einhalten sollte. „Wenn man nicht Fachmann oder mit den Pferden vertraut ist, sollte man sich nie mitten in eine Herde begeben. Der Mutterinstinkt der Stuten ist, wenn Jungtiere dabei sind, nicht zu unterschätzen“, so der Noriker-Obmann abschließend.

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Elias Bachmann, Brunner Images

07. Juli 2023 um