Villgrater Bergfleisch GmbH startet in Kürze den Direktverkauf von „Villgrota Stickln“
Heimische Landwirte und deren Mitgesellschafter haben in Außervillgraten um knapp 1 Million Euro einen neuen Schlacht-, Zerlege- und Verarbeitungsbetrieb errichtet.
„Mitte der 1990er-Jahre gab es den ersten, 2015 den zweiten Anlauf von heimischen LandwirtInnen, einen regionalen Schlachthof im Villgratental zu errichten. Vor zwei Jahren starteten zehn lokale Akteure das zukunftsweisende Projekt Villgrater Bergfleisch. Unterschied diesmal war, dass man von Anfang an eine kleinere Gruppe, die schon Erfahrung mit Direktvermarktung hat, an einen Tisch brachte und eine Organisation als GmbH mit Stammeinlage für jeden Gesellschafter beschloss. Eine Teilnahme soll somit wohlüberlegt sein und auch einen gewissen Wert haben“, berichtete der Innervillgrater Bürgermeister Andreas Schett, einer der geschäftsführenden Gesellschafter der Villgrater Bergfleisch GmbH, bei einer Medienvorstellung des neuen Betriebes.
Der Betrieb verfügt neben den Räumlichkeiten für Schlachtung, Fleischverarbeitung und Verwaltung auch über fünf verschiedene Kühl-, Lager- und Reifemöglichkeiten.
Andreas Schett war hauptsächlich für die baulichen Angelegenheiten verantwortlich. „Aktuell tragen zwölf Gesellschafter die Villgrater Bergfleisch GmbH. Beim Bau haben wir – wo es möglich war – regionale Firmen eingesetzt. Lediglich bei schlachthoftypischen Ausstattungen, wie z. B. den Kühlräumen und Rohrbahnen, mussten wir auf spezialisierte Firmen aus Deutschland ausweichen“, so Schett. Mit ihm führen Leonhard Mair, der für die operativen Abläufe zuständig ist, sowie die beiden Metzger Ernst Schett und Tristan Hofmann die Geschäfte. „Viele der Gesellschafter arbeiten im Betrieb mit. Zusätzlich ist noch eine Verwaltungskraft bei uns tätig. Auch die Lehrlingsausbildung zur/zum FleischverarbeiterIn ist geplant“, berichtete Schett.
Ein Teil der Gesellschafter mit den Geschäftsführern Andreas Schett (rechts), Tristan Hofmann (2. v. rechts) und Leonhard Mair (2. v. links)
Leonhard Mair als Hauptinitiator ist von den Vorteilen für die Region überzeugt: „Wir wollen mit dem Projekt regionale Kräfte bündeln und nur jenes Fleisch verarbeiten und vermarkten, das in unserer Region geografisch und saisonal vorhanden ist. Auch möchten wir unseren KundInnen sowohl hochqualitative Produkte als auch ein flexibles Dienstleistungsangebot zur Verfügung stellen. Dies können wir erreichen, indem wir neben den drei Hauptsäulen – Lohnschlachtung, Ankauf heimischer Nutz- und Wildtiere sowie Direktverkauf verarbeiteter und veredelter Fleischprodukte – auch Lohnschlachtungen mit individueller Teilrücknahme und Verarbeitung nach KundInnenwunsch anbieten.“

Geschlachtet werden im neuen Schlachthof heimische Rinder, Schweine und Lämmer. Veredelt wird auch Wildfleisch. „Unsere Vision ist es, wöchentlich das Fleisch von zehn Rindern, zehn Schweinen und 20 Lämmern in unserem Betrieb zu verarbeiten. Die höchste Produktqualität wird auch dadurch sichergestellt, dass die Villgrater Bergfleisch GmbH das Tierwohl in den Vordergrund stellt. Bei uns ist der Bauer oder die Bäuerin als die an das Tier gewöhnte Person durch die immens kurze Eigenanlieferung bis zur nahezu letzten Stunde bei seinem/ihrem Tier, was eine möglichst stressfreie Schlachtung ermöglicht. Dies und unsere groß angelegten Kühlkapazitäten ermöglichen eine tierarten- und altersklassengerechte Reifung“, erklärte Mair.
Spitzenkoch Ernst Muhr (links) will typisch regionale Gerichte künftig unter dem Namen „DINE Villgrater Hausgemachtes“ über die Villgrater Bergfleisch GmbH anbieten. Rechts im Bild: Stephan Walder, Küchenchef der Thurntaler Rast
Mit Ernst Muhr fand man einen Mitgesellschafter und Kooperationspartner, der im „Haus Valgrata“ – also quasi nebenan – diverse Produkte veredelt bzw. küchenfertig endverarbeitet. „Ein gesundes Steak, Schnitzel, Karree oder Filet hat seit jeher einen hohen Grundpreis. Der wahre Wert des ‚Lebensmittels Tier‘ liegt aber in der Verwertung auch nicht so populärer Teile. Denn diese Teile kann man nur mit der wichtigsten Zutat, der Zeit, veredeln. Es ist Zeit, die wir ein bisschen verloren haben oder uns nicht mehr nehmen können, um dem Tier seinen Respekt zu erweisen. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, Rezepte und Methoden zu entwickeln, um hochwertigste Produkte aus möglichst dem ganzen Tier – von Kopf bis Fuß – zu gewinnen“, erklärte der bekannte Osttiroler Spitzenkoch. Er möchte auch die Lücke zwischen Produktion und den EndverbraucherInnen sowie der lokalen Gastronomie schließen. „Die Gastronomie ist aktuell besonders von Zeit- und Personalmangel sowie Energie- und Rohstoffproblemen geplagt. Ein gewisser Grad an Vorarbeit kann vor diesem Hintergrund eine immense Erleichterung bringen“, so Muhr.
„A Villgrota Stickl“ – unter diesem Namen werden ab Freitag, 17. März 2023, im Villgrater-Bergfleisch-Shop regionale Fleischprodukte verkauft.
Das Frischfleisch, die Tiefkühlware, der Speck, die Wurstwaren, spezielle Lammprodukte sowie die saisonalen Spezialitäten – wie Grillfleisch oder Osterprodukte – werden ab Freitag, 17. März 2023, im Villgrater-Bergfleisch-Shop verkauft. In Bedienung werden die Produkte jeweils freitags von 17.00 bis 19.00 Uhr sowie samstags von 9.00 bis 12.00 Uhr angeboten. Außerhalb dieser Zeiten kann man die Fleischwaren und Ernst Muhrs Gerichte – wie z.B. Gulasch, Beuschel oder Mariniertes – über Selbstbedienung im Shop erwerben. Die Produktpalette soll in Zukunft alle heimischen Tierarten – wie Rind, Lamm, Schwein, Pferd, Esel, Ziege, Fisch und Wild – aber auch Beilagen sowie dazu passende Erzeugnisse umfassen.

„Die Villgrater Bergfleisch GmbH strebt die Biozertifizierung an, um auch Bioschlachtungen durchführen zu dürfen. Vor allem dem heimischen Lamm- und Wildfleisch möchten wir einen höheren Stellenwert geben. Wir verfügen in unserem Betrieb über ausreichend Platz und wollen uns zukünftig auch im Bereich Frischfisch und Fischverarbeitung betätigen. Unser vielfältiges Sortiment werden wir auch online in einem Webshop anbieten. Durch die Vor-Ort-Produktion und -Verwertung können langfristig höhere Marktpreise erzielt und direkt an die ErzeugerInnen weitergegeben werden. Dies stärkt nicht nur nachhaltig die lokale Wirtschaft, sondern hat auch die höchste Produktqualität zur Folge“, betonten Leonhard Mair und Andreas Schett.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Villgrater Bergfleisch GmbH, Elias Bachmann